28. Juli 2017, 14:22 Uhr

Stilles Glück am See

28. Juli 2017, 14:22 Uhr
Im Wildpark können Kinder hautnah Tiere beobachten.

Es ist einer dieser typischen Sommerabende an einem See in Finnland. Noch immer scheint die Sonne. Sie steht tief, wirft lange Schatten und taucht die Landschaft in ein mildes Licht. Auf einem Ruderboot, das auf dem moorbraunen Wasser schwimmt, hält ein älterer Mann scheinbar regungslos seine Angel ins Wasser. Unglaubliche Stille umfängt uns – nur hin und wieder geht ein leichtes Rauschen durch den Birkenwald. Natur pur eben, und deswegen sind wir hier.

Susanna Saastamoinen hat das Glück, in dieser unberührten Natur von Nordkarelien zu Hause zu sein. Jeden Abend geht sie nur ein paar Schritte hinunter zum See, nimmt ein Bad und schwimmt noch eine halbe Stunde im klaren Wasser. »Was will ich mehr? Ich brauche kein teures Spa und kann vorm Zubettgehen auf die Dusche in meinem Bad verzichten«, sagt sie. Schließlich hat das Wasser Trinkwasserqualität. Manchmal muss die Marketingexpertin aus beruflichen Gründen nach Helsinki oder in andere europäische Metropolen reisen: »Ein Leben in einer Großstadt mit all dem Lärm und der Hektik könnte ich mir überhaupt nicht vorstellen. Schon nach wenigen Tagen habe ich Sehnsucht und möchte zurück nach Hause«, erzählt Susanna. Viele Menschen, da ist sie sich ziemlich sicher, hätten einfach verlernt, die Wunder der Natur zu sehen.

Ein solches Naturwunder ist zum Beispiel der Pielinen-See. Mit rund 100 Kilometern Länge und einer Breite bis zu 28 Kilometern zählt er zu den größten Gewässern Finnlands. Knapp 3000 Inseln soll es geben, aber vermutlich hat noch kein Finne genau nachgezählt. Den schönsten Blick auf den blau-grünen Patchwork-Teppich aus Wasser und Wald haben Besucher vom baumlosen Gipfel des Ukko-Koli. Mit gerade mal 347 Metern ist er die höchste Erhebung. »In vorchristlicher Zeit waren die Koli-Berge eine heilige Opferstätte«, erklärt Joona Sarisalmi, der mit einer Gruppe von Wanderern im Nationalpark unterwegs ist. »Man kam hierher, um zu opfern, zu beten und die Götter um Glück bei der Jagd zu bitten. Kultstätten wie die Opferfelsspalte oder die sogenannte Teufelskirche zeugen bis heute davon«, weiß Sarisalmi. Viel später, vor etwas mehr als 100 Jahren, ließen sich finnische Künstler und Naturliebhaber wie der Komponist Jean Sibelius und der Maler Eero Järnefelt von Koli inspirieren und verliehen damit der Region den Status einer finnischen Nationallandschaft.

Gegenüber, auf der östlichen Seite des Ufers, liegt der kleine Ort Lieksa. Eine schon etwas betagte Fähre braucht rund 90 Minuten für die Überfahrt. Niemandem wird langweilig. Fotografen sind damit beschäftigt, die schönen Landschaftsmotive einzufangen. Andere Gäste stärken sich an Bord mit landestypischen Speisen oder unterhalten sich mit den aufgeschlossenen Einheimischen. Im Winter, so ist zu erfahren, kann der See auf einer Eisstraße überquert werden. Das Eis muss mindestens 40 Zentimeter dick sein.

Doch jetzt, im Spätsommer, hat das Wasser wirklich noch angenehme Badetemperaturen. Manchmal werden sogar 20 Grad erreicht. In Lieksa lohnt der Besuch des Pielinen-Museums. Auf dem Gelände des Freilichtmuseums gibt es typische Höfe aus verschiedenen Jahrhunderten zu sehen, die anschaulich das Leben der Bauern und Flößer von einst zeigen. Interessant sind auch die Exponate zur Geschichte der Holzflößerei im waldreichen Karelien.

Heute sind es vor allem Aktivtouristen, die Herausforderungen auf den unzähligen Gewässern der Region suchen. »Ihr könnt euch zum Beispiel ein Ruderboot ausleihen und damit die schönsten Bereiche des Sees erkunden. Für eine Rast bieten sich die kleinen Inseln in Küstennähe oder im See an«, empfiehlt Susanna. Paddeln kann man auch auf dem ruhig fließenden Lieksajoki. Über den See Pankajärvi geht es dabei immer stromabwärts bis zum Pielinen. Weiter stromaufwärts, nur wenige Kilometer von der Grenze zu Russland entfernt, gibt es aber gefährliche Stromschnellen.

Diese Wildwasserfahrten sind nur etwas für Geübte. Wer trotzdem den Adrenalinkick erleben will, kann eine geführte Tour buchen. »Alles, was ihr nicht braucht, lasst besser hier. Ihr werdet garantiert nass«, rät Jarkko Peltola. Mit einem Jeep fährt er auf schmalen Waldwegen zum Ausgangspunkt der Rafting-Tour. Dort liegt schon das Holzboot bereit. Rettungswesten sind obligatorisch, und wer will, kann sich noch unter einem wasserfesten Poncho verkriechen. Dann geht es endlich los – alle sind gespannt. Die ersten Stromschnellen sind einfach zu umschiffen, doch dann kommen hohe Wellen, kräftige Walzen und wilde Wirbel. Jarkko kann gerade noch Achtung rufen, da schwappt auch schon ein kräftiger Schwall Wasser ins Boot. Wenige Sekunden später trifft es auch die linke Seite mit voller Wucht – jetzt ist wirklich keiner mehr trocken. Alle sind sich aber einig – die Tour macht einen Riesenspaß.

Richtig ins Zeug legen müssen sich die Ruderer, die bei der Karelia-Regatta teilnehmen. Mit dabei sind auch Britta Wagner und Lars Zimmermann. Gerudert wird mit handgefertigten Kirchbooten aus Holz. Sie dienten früher dazu, die Menschen im Sommer zum Gottesdienst zu bringen. Nach dem Kirchgang wollten alle schnell zurück auf ihre Höfe und deshalb kam es schon damals zu Rennen. Heute geht es darum, dabei zu sein. »Wir haben in dieser Woche viele Bekanntschaften geschlossen und einen ersten Eindruck von dieser faszinierenden Landschaft gewonnen. Wir kommen bestimmt wieder«, lautet ihr Resümee. Detlef Berg

Weitere Informationen im Internet unter www.visitfinland.com

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