15. September 2017, 12:00 Uhr

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15. September 2017, 12:00 Uhr
Chris ist skeptisch. Rose steht ihm bei. (Foto: Verleih)

Nix wie raus!

Es ist einer dieser Filme, die in der Videothek ständig ausgeliehen sind: »Get Out« ist jetzt schon einer der Überraschungshits des Jahres. Gerade einmal 4,5 Millionen Dollar hat das Debüt von Regisseur Jordan Peele gekostet und hat alleine in den USA 170 Millionen Dollar eingespielt. Von den Kritikern gefeiert wird der HorrorThriller sowieso. Da kann ich mich nur anschließen:

Zum Inhalt: Fotograf Chris (Daniel Kaluuya) ist jetzt schon eine ganze Weile mit Freundin Rose (Allison Williams) zusammen. Nun muss er sich der Familie seiner Angebeteten stellen: Der erste Besuch bei seinen Schwiegereltern in spe steht auf dem Programm. Chris fühlt sich bei dem Gedanken an das kommende Wochenende so überhaupt nicht wohl. »Wissen Deine Eltern, dass ich schwarz bin?«, fragt er Rose. »Sollten Sie?«, fragt sie zurück. Er müsse sich nun wirklich keine Sorgen machen, beschwichtigt sie. Ihr Vater hätte Obama auch ein drittes Mal gewählt. Na wenn das kein Argument ist...

Oberflächlichkeiten

Und tatsächlich erweisen sich die Befürchtungen von Chris anfangs als unbegründet. Die Eltern von Rose empfangen den »Neuen« sehr herzlich. Doch schnell wird klar, dass hier nur Höflichkeiten ausgetauscht werden. Unterschwellige Aggressionen werden spürbar und treten offen zutage, als Chris im lockeren Plausch erwähnt, dass er ab und zu eine Zigarette raucht. Darüber sind Mum und Dad überhaupt nicht erfreut...

Und in diesem Stil geht es weiter. Der Bruder von Rose ist von Anfang an überhaupt nicht nett und beleidigt Chris beim gemeinsamen Abendessen. Aber damit nicht genug: Die Bediensteten der Familie Armitage sind allesamt schwarz und benehmen sich seltsam unterwürfig. Und als Roses Mutter Chris per Hypnose das Rauchen abgewöhnen möchte, beginnt für den Gast der Albtraum erst so richtig.

Unerwartete Wendungen

»Get out« ist ein äußerst clever gemachter Film über Rassismus in den USA, der mit ungewöhnlichen Wendungen fesselt. Immer dann, wenn der Zuschauer denkt, einen solchen Horrorstreifen schon zigmal gesehen zu haben, biegt der Film in eine andere, unvorhergesehene Richtung ab. Und mindestens alle fünf Minuten sitzt man vor dem Fernsehen und denkt oder ruft: »get out«, »verschwinde bloß«. Auch beim großen Finale empfiehlt es sich, ganz genau aufzupassen. Denn der Regisseur überrascht hier – eher so nebenbei – mit einem echten Kracher, der einem den Mund kurz offen stehen lässt.

Nichts für schwache Nerven, spannend bis zur letzten Minute, witzig, bedrohlich und teilweise auch blutig – wie ein Puzzle, das sich ganz langsam zusammensetzt. Beste Unterhaltung, die man sich nicht entgehen lassen sollte – sofern man mindestens 16 Jahre alt ist.... Gerd Chmeliczek

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