17. Januar 2020, 19:11 Uhr

Digital wird wichtiger

Die Auflagen von gedruckten Zeitungen gehen zurück, im Internet gibt es mehr und mehr Bezahl-Modelle für Journalismus. Digital wird für Redaktionen immer wichtiger. Wie stellen sich Medienhäuser in Deutschland 2020 auf?
17. Januar 2020, 19:11 Uhr
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Von DPA

Immer mehr Streaming-Dienste konkurrieren mit dem klassischen Fernsehmarkt. Auflagen von gedruckten Zeitungen und Magazinen sinken seit Jahren - im Gegenzug entstehen neue digitale Produkte. Der digitale Wandel im Journalismus wird auch 2020 Medienhäuser stark beschäftigen.

Kooperationen: Der Medienkonzern Axel Springer in Berlin, zu dem die Marken »Bild« und »Welt« gehören, setzt auf die Kooperation mit dem US-Finanzinvestor Kohlberg Kravis Roberts (KKR), um im Digitalen weiter zu wachsen. Unlängst wurde die Übernahme von mehr als 40 Prozent der Springer-Aktien von Kartellbehörden freigegeben. Vom Medienkonzern heißt es: »In den nächsten drei Jahren wollen wir bei unseren deutschen News Media Angeboten insgesamt mehr als 100 Millionen Euro investieren, vor allem in eine Live-Video-Strategie von »Bild«. Bei »Welt« und »Bild« wollen wir außerdem die digitale Abonnentenbasis erheblich ausbauen.«

Digital, digital, digital: Medienhäuser investieren weiter in digitale Angebote. Der Chefredakteur der überregionalen »Tageszeitung« in der Hauptstadt, Georg Löwisch, sagt: »Wir machen die digitale Tageszeitung neu. Wir schicken eine Beta-Version der neuen taz-App für Android und iOS in den Praxistest. In der ersten Jahreshälfte soll die neue App dann regulär starten.« Perspektivisch hat die »Tageszeitung« vor, unter der Woche nur noch digital zu erscheinen.

Ein weiteres Beispiel für Pläne im Digitalen: Das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF) stellt seine Nachrichtenangebote neu auf, um neben den TV-Marken »heute« und »heute journal« auch im Internet präsenter zu sein. Wie der Sender mitteilt, steht ein Relaunch der Nachrichten-App »ZDFheute« im ersten Halbjahr an.

Regionale Berichte

Auch die Medienholding Süd, zu der unter anderem »Stuttgarter Zeitung« und »Stuttgarter Nachrichten« gehören, will 2020 ihre Medienhausstrategie der Regionalzeitungen weiter umsetzen. »Dies bedeutet etwa, dass die Zeitungen und Medien mehr digitale Produkte und Services anbieten werden. Der Fokus der Arbeit liegt weiterhin auf hochwertiger, regionaler Berichterstattung in Print und digital«, wie es von der Südwestdeutschen Medienholding, zu der die Medienholding Süd gehört, heißt.

Crossmedial: Die Mediengruppe RTL setzt weiter auf den Aufbau einer crossmedialen Redaktion. Die Chefredakteurin der Zentralredaktion der Mediengruppe RTL Deutschland, Tanit Koch, sagt: »Die journalistischen Inhalte der Mediengruppe RTL erreichen täglich rund 20 Millionen Menschen. Diese Position soll durch ein künftig gut orchestriertes Zusammenspiel von TV, Digital und Social weiter ausgebaut werden. Daher bauen wir im Projekt ›Inhalteherz‹ derzeit Schritt für Schritt eine gemeinsame, crossmediale Redaktion für alle journalistischen Angebote der Mediengruppe RTL auf.« Es sollen Ressorts nach thematischen Schwerpunkten entstehen. Auch beim Nachrichtenmagazin »Der Spiegel« in Hamburg wird Vernetzung von Print und Online weiter Thema sein. Das Jahr 2019 sei intensiv dafür genutzt worden, die beiden »Spiegel«-Redaktionen auf allen Ebenen zusammenzuführen, heißt es vom Verlag. Der Fusionsprozess soll weiter vorangetrieben werden.

Themen: Klimawandel, Energiewende: Der Chefredakteur der Wochenzeitung »Die Zeit«, Giovanni di Lorenzo, sagt über Themen, die 2020 anstehen: »Eine der größten thematischen Herausforderungen wird es sein, wie wir den Klimawandel journalistisch weiter begleiten können, ohne dass wir durch ein Überangebot Verdruss bei den Lesern schaffen - noch bevor die Rettung der Welt überhaupt in Angriff genommen wird!«

Der Chefredakteur des Schleswig-Holsteinischen Zeitungsverlags (dazu zählt auch das »Flensburger Tageblatt«), Stefan Hans Kläsener, nennt unter anderem die Energiewende als politisches Thema, das weiter ansteht.

Neue Angebote, neue Aufgaben: Deutschlandradio-Programmdirektor Andreas-Peter Weber kündigt für das erste Quartal 2020 einen Frühpodcast an. »Er soll unseren erfolgreichen Podcast »Der Tag« ergänzen, der immer montags bis freitags ab 17 Uhr abrufbereit ist.« Er betont: »Der Audiomarkt verändert sich rasant, wir beobachten das sehr genau. Beim Thema Podcast sind wir eigentlich ständig in der Neuentwicklung.« Vom Hamburger Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr heißt es, dass die neuen Magazine, vor allem im Segment Persönlichkeitsmagazine, weiterentwickelt werden sollen.

Der Westdeutsche Rundfunk (WDR) plant zum Schwerpunkt 250. Geburtstag des Komponisten Ludwig van Beethoven unter anderem dies: ein Spiel per App. Es soll Gamer und Beethoven-Fans ansprechen, wie der Sender mitteilt.

»Abo First«: Zur Strategie, um Erlöse zu steigern, nennt der Geschäftsführer der »Zeit«-Verlagsgruppe, Rainer Esser, als größte Säule des Geschäfts das »starke Abonnement« und ein wachsendes Digitalgeschäft. »Deshalb stecken wir große Kraft in »Abo First« und in die Vernetzung unserer Print- und Digitalangebote, von der digitalen Zeit über Zeit online bis hin zu unseren Podcasts, zum Zeit Shop und zur Zeit Akademie. Esser ergänzt: »Darüber hinaus werden wir unser Portfolio für Geschäftskunden aus- bauen, gegebenenfalls auch durch Zukäufe.«



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