17. Februar 2017, 11:53 Uhr

Die Zukunft der Fernsehwelt

17. Februar 2017, 11:53 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA
ZDF-Programmdirektor Norbert Himmler geht davon aus, dass Unterhaltungsprogramme die großen Samstagsabend-Shows ablösen können. (Foto: dpa)

Das ZDF sieht die Zukunft der Unterhaltung nicht nur in der großen Samstagabend-Show. »Warum soll ich mit aller Gewalt nach dem neuen »Wetten, dass..?« suchen, wenn ich merke, dass ich an anderen Stellen mit Unterhaltungsprogrammen erfolgreich sein kann?«, sagt Programmchef Norbert Himmler im Interview.

Sie haben in den vergangenen Jahren Klassiker wie den »Landarzt« oder das »Forsthaus Falkenau« eingestellt, um neuen Serien Platz zu machen. Werden Zugpferde wie die Freitagskrimis und das Herzkino am Sonntag weiterlaufen?

Himmler: Mit »Dr. Klein« und »Bettys Diagnose« ist es uns gelungen, zwei neue, moderne Serien aufzulegen, die auch bei den jüngeren Zuschauern beliebt sind. Auf dem Sendeplatz am Sonntagabend beim Herzkino ist zum Beispiel »Rosamunde Pilcher« immer noch sehr erfolgreich mit über fünf Millionen Zuschauern. Aber hierauf dürfen wir uns nicht ausruhen und müssen immer wieder neue Formate entwickeln. Neben neuen Reihen wie »Marie fängt Feuer« wollen wir dort im Frühjahr zum Beispiel »Die Honigfrauen« zeigen, eine Serie, die in der Vor-Wende-Zeit am Plattensee spielt, Beziehungsgeschichten in einem zeitgeschichtlich interessanten Kontext. Das Gleiche gilt für die Krimis am Freitag und Samstag: Neben erfolgreichen Serien wie »Der Staatsanwalt« und »Der Alte«, ist aktuell »Professor T.« mit Matthias Matschke als verschrobener Ermittler am Samstag gestartet.

»Bella Block« mit Hannelore Hoger, die samstags ermittelt hat, hört auf. Wird es für sie einen Ersatz geben?

Himmler: Wenn ein Format so eng und über mehr als zwei Jahrzehnte an eine Schauspielerin geknüpft ist, die sich auch sehr mit der Rolle identifiziert, ist es nicht möglich zu sagen, da schlüpft jemand in die gleiche Figur – wie auch bei »Stubbe« mit Wolfgang Stumph und »Rosa Roth« mit Iris Berben. Dann muss man den Mut haben, bei den Samstagskrimis neue Figuren aufzubauen wie etwa »Helen Dorn« mit Anna Loos oder »Kommissarin Heller« mit Lisa Wagner.

Wird das »Traumschiff« auch ohne Heide Keller weiter in See stechen?

Himmler: Das »Traumschiff« wird auch ohne Heide Keller weiterfahren. Ich habe großen Respekt vor ihrer Leistung, 36 Jahre lang hat sie das »Traumschiff« mitgeprägt. Wir werden nicht versuchen, sie zu ersetzen, aber wir werden eine neue Figur auf dem »Traumschiff« etablieren. Da gibt es aber noch keinen Namen.

Wie sieht es bei Shows aus? Welche Zwischenbilanz ziehen Sie mit Steven Gätjen?

Himmler: Im Showbereich ist viel Geduld nötig. Wir hatten einige erfolgreiche Versuche im vergangenen Jahr, manches hat auch nicht geklappt, das analysieren wir genau und müssen es das nächste Mal besser machen. »I can do that«, moderiert von Steven Gätjen im vergangenen Jahr, ist ein spannendes Format, aber es ist uns nicht gelungen, es am Markt zu etablieren. Wir werden in diesem Jahr die Reihe »Wir lieben Fernsehen« zeigen. Das sind vier große Shows, die von Johannes B. Kerner und Steven Gätjen gemeinsam moderiert werden. Dabei geht es durch alle großen Bereiche der deutschen Fernsehunterhaltung: Musik, Humor, Fiktion und Familienfernsehen. Daneben zeigen wir am Donnerstagabend Wissens- und Quiz-Sendungen.

Suchen Sie noch nach einer Nachfolgesendung für »Wetten, dass..?«?

Himmler: Warum soll ich mit aller Gewalt nach dem neuen »Wetten, dass..?« suchen, wenn ich merke, dass ich an anderen Stellen mit Unterhaltungsprogrammen erfolgreich sein kann? Wir sind aufgewachsen mit dem großen Samstagabend-»Wetten, dass..?«-Gefühl, aber die Fernsehwelt heute ist eine andere. Das schließt nicht aus, dass irgendjemand irgendwann wieder eine brillante Idee hat für eine Show, bei der acht bis zehn Millionen Zuschauer zugucken wie dies früher bei »Wetten, dass..?« der Fall war.

Ist die große Samstagabend-Show überhaupt noch zeitgemäß?

Himmler: Die Show ist mittlerweile viel mehr als der 20.15-Uhr-Termin am Samstag. Die »heute show« hatte Ende Januar 4,6 Millionen Zuschauer, das schafft kaum eine Prime-Time-Show um 20.15 Uhr. »Bares für Rares« mit Horst Lichter hat jeden Nachmittag rund 3 Millionen Zuschauer. »Neo Magazin Royale« mit Jan Böhmermann bei ZDFneo zeigt, dass auch eine kleine Show eine riesige Aufmerksamkeit haben kann, auch wenn nicht jede Sendung gleich zur Abschaffung von Paragrafen führen muss

Wie und wo sehen Sie die Zukunft von Jan Böhmermann? Wäre er ein Prototyp für eine Late-night-Show im Hauptprogramm?

Himmler: Er ist so einzigartig als Typ, sodass man ihn in keine Schublade stecken kann. Das ist auch das Besondere an ihm. Er soll sich selbst und seine Sendung weiterentwickeln. Wir versuchen, ihm dafür möglichst viel Unterstützung und Freiraum zu geben. dpa



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos