05. Mai 2017, 16:14 Uhr

Steckrüben ab Mitte Mai aussäen Hilfreiche Bauernregeln Ländliches Gartenglück Tulpen und Lilien für Katzen giftig Frostschäden nicht gleich sichtbar Zu guter Letzt Lupinen lieben vollsonnige Standorte Eher wenig Wasser für die Begonie

Schön, farbenfroh, tierreich und nützlich: Der Bauerngarten ist für viele Menschen das Sinnbild eines perfekten Gartens. Das Arrangement mit ländlichem Flair folgt eigentlich keinen Gestaltungsregeln, aber nach Kraut und Rüben soll es auch nicht aussehen.
05. Mai 2017, 16:14 Uhr
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Von DPA
Es ist Zeit für die Steckrüben-Aussaat. (Foto: dpa)

Die Streckrübe ist ein Essen für den Winter – gesät wird sie aber im Frühjahr. Zwischen Mitte Mai und Mitte Juni sollten die Samen in die Erde kommen, rät der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) in Fulda. Er hat die Steckrübe zum »Gemüse der Jahre 2017/18« gewählt. Die Steckrübe kommt möglichst in einen humushaltigen und lehmigen Boden. Ist der Boden im eigenen Garten zu leicht, sollte man verstärkt gießen und düngen. Die VEN-Experten raten, auf einer Fläche von 30 bis 40 Zentimeter mal 40 Zentimeter vier bis fünf Samenkörner in die Erde zu geben. Die Haupternte findet im Oktober statt. dpa

Es gibt Bauernregeln, die ihre Gültigkeit nicht verloren haben. Vor allem Hobbygärtnern können sie Hinweise zur Pflege ihrer Pflanzen liefern. Dazu gehören die Bauernregeln zu den Eisheiligen, deren Namenstage Mitte Mai im Kalender stehen: Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und Sofie bilden vom 11. bis 15. Mai die Reihenfolge – wenn auch mit regionalen Unterschieden. Denn in Norddeutschland gelten laut dem Deutschen Wetterdienst Mamertus, Pankratius und Servatius (11. bis 13. Mai) als Eisheilige. Im Süden und Südosten werden – neben Pankratius und Servatius – auch Bonifatius (14. Mai) und die »kalte Sofia« (15. Mai) dazugezählt.

? Was besagen die Bauernregeln zu den Eisheiligen?

Eines der Sprichwörter lautet: »Pankraz, Servaz, Bonifaz machen erst dem Sommer Platz«. Und in Süddeutschland heißt es gereimt: »Pankrazi, Servazi und Bonifazi sind drei frostige Bazi. Und zum Schluss fehlt nie die kalte Sophie« – wobei »Bazi« in Süddeutschland als Wort für einen durchtriebenen Burschen verstanden wird.

? Was lässt sich daraus genau ablesen?

Bauernregeln geben Erfahrungswissen weiter und zeigen meteorologische Wahrscheinlichkeiten an. Regelmäßigkeiten wurden als Sprichwörter für nachfolgende Generationen festgehalten und weitergegeben. Die zu den Eisheiligen spielen auf die Fröste an, die bis Mitte Mai in Deutschland vorkommen können. Für empfindliche Pflanzen können sie verheerende Folgen haben: Sie erfrieren.

? Sind diese Regeln immer noch aktuell?

Ja und nein. Die Reime und Regeln waren früher Hilfen, an denen sich Landwirte grob orientieren konnten. Heute gibt es wissenschaftlich ausgeklügelte Wettervorhersagen, auf die sich Gartenbesitzer besser verlassen können. Außerdem macht der Klimawandel so manche Regel ungenau: Die Witterungsverhältnisse und ihre Regelmäßigkeiten haben sich im Verlauf des 20. und 21. Jahrhunderts verschoben. So beginnt die Vegetationsperiode der Pflanzen heute bis zu drei Wochen früher, erklärt die Bayerische Gartenakademie. Aber zugleich lässt sich auch sagen: Ein paar Bauernregel zu kennen und zu beherzigen, schadet nicht. So hilft es sicher, grobe Zeiträume zu verinnerlichen.

? Wie reagiert der Hobbygärtner nach den Eisheiligen?

Nach und nach dürfen die kleinen, auf der Fensterbank vorgezogenen Gemüse- und Blühpflanzen ins Beet und in den Balkonkasten. Alle gekauften, nicht winterharten Kräuter sowie Dahlienknollen und viele weitere Blühpflanzen können nun ebenfalls auspflanzt werden. Und die Kübelpflanzen kommen aus dem Winterlager ins Freie. dpa

Wenn an warmen Sommertagen die Amsel im Apfelbaum tiriliert, Hummeln und Bienen wie trunken zwischen den schweren Blüten brummeln und man Salat, Tomaten und Kräuter frisch für das Abendessen im Schatten des wilden Weins pflückt, ist für viele das Idyll auf der eigenen Scholle perfekt. Mit seiner Mischung aus Kräutern, Gemüse, Blumen und Obst gilt der Bauerngarten als idealer Mix aus Nutz- und Ziergarten.

»Ein Bauerngarten soll Nützliches und Schönes verbinden und ländliches Gartenglück verkörpern – ein Gegensatz zum Stress der heutigen Zeit«, sagt Peter Behrens, Mitglied im Bund deutscher Staudengärtner in Bonn. Tatsächlich hat diese Vorstellung aber nur wenig mit dem Landleben der vergangenen Jahrhunderte zu tun.

»Was wir heute unter einem Bauerngarten verstehen, ist ein Klischee«, sagt Matthias Schuh, Gärtner im landwirtschaftlichen Freilichtmuseum am Kiekeberg bei Hamburg. »Noch bis Mitte, Ende des 19. Jahrhunderts ließen Bauern ihre Schweine und Ziegen direkt am Haus laufen, für einen Garten war dort kein Platz.«

Erst die nach und nach einsetzende Industrialisierung in der Landwirtschaft hat dafür gesorgt, dass Bauern das Stück Land um ihr Wohngebäude herum als Garten anlegten, hegten und pflegten – sofern sie es sich leisten konnten. »Der Bauerngarten war ein Statussymbol und diente vor allem repräsentativen Zwecken«, erklärt Schuh.

Heute steht im Gestaltungskonzept Bauerngarten nicht der Prunk im Mittelpunkt – im Gegenteil. Er ist ein Synonym für ein wildromantisches, aber dennoch geordnetes Durcheinander, das keinen formalen Regeln folgen muss. »Erlaubt ist, was gefällt«, nennt Staudengärtner Behrens die einfache Regel.

Damit es in einem Bauerngarten dennoch nicht aussieht wie Kraut und Rüben, geben in der Regel streng geometrisch angelegte Wege aus Kies oder Rindenmulch im vermeintlichen Durcheinander Halt. »Nach dem Vorbild der Klöster wurde das Wegekreuz eingeführt, vielfach mit einem Mittelrondell«, erklärt der Diplom-Agraringenieur Robert Sulzberger, der ein Buch über Bauerngärten geschrieben hat.

Die Fläche in vier Teile aufzuteilen, hat durchaus einen praktischen Hintergrund: Sie erleichtert die Einhaltung der Fruchtfolge. »Starkzehrer, Mittelzehrer, Schwachzehrer und standorttreue Kulturen lassen sich auf diese Weise übersichtlich auseinanderhalten.«

Üppig gefüllte Beete

Eingerahmt wird der Garten von einer Mauer aus Natursteinen oder einem Zaun, meist aus Holz, Weiden oder Schmiedeeisen. Für viele gehören auch Beeteinfassungen mit Buchs zu einem klassischen Bauerngarten. Experte Schuh hält allerdings nicht viel von einer Begrenzung durch den immergrünen Strauch. Und das nicht nur aus historischer Sicht oder aus Sorge vor einem Kahlfraß durch den Buchsbaumzünsler: »Buchsbaum bildet so viele Wurzeln, dass kaum eine andere Pflanze im Beet existieren kann«, erklärt der Museumsgärtner.

Und dabei sind es doch gerade die üppig gefüllten Beete, die so charakteristisch für einen Bauerngarten sind. »Im Idealfall ist ein Bauerngarten so angelegt, dass mit relativ geringem Arbeitsaufwand auf begrenzter, kleiner Fläche ein Optimum an Erntegut und Blütenpracht herausgeholt wird«, erklärt Sulzberger.

Eine Mischkultur von Blumen, Kräutern und Gemüse hat nicht nur ihren optischen Reiz. Vom bunten Miteinander profitieren in der Regel auch die Pflanzen. »Manche Kräuter ergänzen sich in Wuchsform und Wurzelwachstum gut mit Gemüsearten«, erläutert der Agraringenieur. »Blumen sorgen zwischen den Nahrungspflanzen für eine vorteilhafte Durchwurzelung des Bodens, schützen ihn vor Austrocknung und locken mit ihren Blüten nützliche Insekten an.«

Wie für die Aufteilung gibt es auch für die Bepflanzung keine festen Vorgaben. Aber Staudengärtner Behrens rät zu einer Mischung aus einjährigen und mehrjährigen Pflanzen. So bleibt der Pflegeaufwand überschaubar.

Neben den umgangssprachlich als Bauernrosen bezeichneten Pfingstrosen und Stockrosen stehen für viele die klassischen Rosen im Mittelpunkt eines Bauerngartens – nicht zuletzt weil sie an einem Spalier oder Rosenbogen gezogen ein echter Blickfang sind. Betrachter und Insekten erfreuen gleichermaßen auch Hortensien, Lavendel, Wicken, Rittersporn, Phlox, Ringelblume, Dahlien oder Schafgarbe.

Für den Nutzgarten empfiehlt Behrens Salat, Radieschen, Gurken, Bohnen und Kohlrabi sowie Rhabarber, Beerensträucher und Obst-Hochstämme. Aus einer Kräuterspirale oder Töpfen lassen sich Küchenkräuter wie Petersilie, Schnittlauch und Liebstöckel sowie Heilkräuter wie Minze oder Salbei für Gewürze oder Tees ernten.

Aber auch alte und fast vergessene Kultursorten wie Ampfer, Stielmus, Portulak, Melde, Pastinake oder Haferwurz kommen in einem Bauerngarten gut zur Geltung. »Die Stärke solcher Arten liegt in ihrer Bescheidenheit und Robustheit, die in der Regel wenig Pflege oder gar Pflanzenschutz erfordert«, erläutert Agraringenieur Sulzberger. dpa

Tulpen, Narzissen und Lilien verschönern zwar die Wohnung – für Katzen aber sind sie oft giftig. Je nach Pflanzenart reicht schon eine kleine Menge davon, um Katzen zu schaden, warnt die Tierärztin Tina Hölscher von der Aktion Tier.

So genüge zum Beispiel der Blütenstaub von Lilien, um ein Nierenversagen hervorzurufen. »Steht ein Strauß Lilien in der Wohnung, fällt bei jeder Bewegung ein bisschen Blütenstaub herunter. Landet er im Katzenfell, und das Tier putzt sich, reicht das schon«, erklärt Hölscher.

Wer als Katzenhalter auf bunte Farbtupfer in der Wohnung nicht verzichten möchte, stellt lieber Margeriten, Gänseblümchen oder Weidekätzchen auf. Diese Blumen sind für Katzen ungefährlich. dpa

Der späte Wintereinbruch Ende April in weiten Teilen des Landes hat so mancher Pflanze geschadet. Da eine Wärmeperiode im März den Austrieb von Obstpflanzen angeregt hatte, reichten anschließend geringe Minusgrade aus, um offene Blüten zu schädigen, erklärt die Bayerische Gartenakademie.

Die Schäden zeigen sich aber nicht immer direkt: Manche Obstbäume lassen erst in einiger Zeit ihre kleinen Früchte fallen. Am Apfelbaum erkennt der Hobbygärtner Spätfolgen der Kälte unter Umständen auch erst an den erntereifen Früchten im Spätsommer und Herbst. Sie tragen dann ringförmige Rostflecken. Man kann sie aber noch essen.

Viele Frostschäden fallen aber auch schon direkt nach dem Kälteeinbruch im späten Frühjahr auf: Typischerweise färbt sich das geschädigte Gewebe braun und fällt ein, erläutern die Gartenexperten. Außerdem sind braune und schwarze Fruchtknoten Anzeichen für Frostschäden, gerade bei der Erdbeerblüte. dpa

Nur wer den Garten sorglich pflegt,

weiß auch, dass er ihm Früchte trägt.

Volksmund

Moderne Zuchtformen der Lupine bilden Kerzen, an denen dicht an dicht Einzelblüten sitzen – in einer großen Farbpalette von Weiß über Rosa und Violett. Auch gelbe, rote und orange Blüten sind möglich. Passen die rund 80 Zentimeter hohen Prachtsorten nicht ins Beet, sind etwa 50 Zentimeter hohe Zwerg-Sorten eine Alternative. Beide Varianten mögen ein Beet mit voller Sonne, erläutert Andreas Kirschenlohr, Mitglied im Bund deutscher Staudengärtner in Bonn. dpa

Die Begonie mag lieber etwas weniger Wasser als zu viel davon. Hobbygärtner sollten die Balkonpflanze daher vor ständiger Nässe und anhaltendem Regen schützen, rät das Blumenbüro in Essen. Die Begonie würde sonst faulen. Allerdings sollte die Pflanze regelmäßig so viel Gießwasser bekommen, dass die Erde um ihre Wurzeln nie komplett austrocknet.

Um Staunässe im Topf durch Gießwasser zu vermeiden, empfiehlt sich eine Drainageschicht in einem Gefäß mit Abzugsloch. Die Schicht aus Blähton oder Kies sollte etwa fünf Zentimeter hoch sein. Außerdem raten die Experten zu einer Gabe von Blühpflanzendünger alle zwei Wochen. dpa



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