10. November 2017, 15:06 Uhr

Wikipedia-Autor mahnt

»Nicht allem vertrauen«

10. November 2017, 15:06 Uhr
Avatar_neutral
Von DPA
Aus dem Internet ist Wikipedia nicht mehr wegzudenken. (Foto: dpa)

Ein erfahrener Wikipedia-Autor warnt vor manchen Artikeln des Online-Lexikons. »Wir denken viel zu oft: Was auf Wikipedia steht, stimmt alles«, sagte ein Autor mit dem Online-Pseudonym »Magiers«. Statt Information blind zu vertrauen, sollten sich Nutzer genau ansehen, ob diese aus guten Quellen stammen. Das sei nötig, weil für die Qualitätskontrolle der Artikel Laien verantwortlich sind. Zwar müssen langjährige Schreiber die Beiträge unerfahrener Autoren überprüfen, bevor sie online gehen, »doch das verhindert nur die ganz groben Schnitzer«, warnte er.

Artikel ausgezeichnet

»Magiers« ist Mitglied einer achtköpfigen Jury, die die Tage in der Katholischen Journalistenschule in München die besten deutschsprachigen Wikipedia-Artikel des Jahres prämiert. Seinen echten Namen verrät er wie viele Autoren nicht. Das Lexikon bemühe sich, Klarnamen der Schreiber geheim zu halten, sagt Denis Schröder vom Verein Wikimedia Deutschland, der die Online-Enzyklopädie unterstützt. In manchen Regionen auf der Welt wären Autoren sonst gefährdet.

Vergangenen Samstag wurden insgesamt neun Artikel aus verschiedenen Bereichen geehrt. Besonders beeindruckt war die Jury von der Biografie des Fotopioniers Eadweard Muybridge. Autor Frank Schulenberg schöpfe »aus einer breiten Quellenbasis«. Im Bereich Naturwissenschaften ist zum Beispiel der Artikel über die Skorpiongattung Opistophthalmus ausgezeichnet. Ein Artikel über Urkundenfälschung im deutschen Recht erhielt die Auszeichnung im Bereich der Gesellschaftswissenschaften.

Wenig Nachwuchs

»Oft klingt eine Information plausibel, ist aber nicht durch eine Quelle belegt. Da kommt man schnell in Versuchung, den Artikel einfach freizuschalten«, sagte »Magiers«. Mancher Autor erfinde zudem Belege, die so nicht existierten.

Wikipedia gehört zu den meistbesuchten Webseiten in Deutschland. 5000 bis 6000 regelmäßige Autoren pflegen mehr als 2,1 Millionen deutschsprachige Artikel, jährlich kommen etwa 130 000 dazu. Weltweit existieren etwa 39 Millionen Artikel in knapp 300 Sprachen. dpa



0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos