17. Februar 2017, 14:30 Uhr

»Mein Amerika«

17. Februar 2017, 14:30 Uhr

Er hat seine Fans lange warten lassen: Sechs Jahre veröffentlichte Philipp Poisel keine neue Musik. Gestern erschien das dritte Studioalbum des schwäbischen Songwriters. Zunächst einmal: »Mein Amerika« ist kein typisches Poisel-Album, auch wenn es ganz klar dessen Handschrift trägt. »Das hat auch mit einer Reminiszenz an die 1980er-Jahre zu tun«, sagt der 33-Jährige. So gibt es weniger Akustisches zu hören. Stattdessen einen voluminösen Band-Sound und etwas mehr elektronische Elemente.

War Poisel denn von sich selbst gelangweilt? »Ich wünsche mir auch mal, eine andere Heimat zu haben und nicht nur ewig dieses Wohnzimmer-Ding zu machen«, sagt er. Gerade mit Blick auf Konzerte wolle er »den Raum, der da ist, füllen«. Mit einer lauteren Stimme, mit mehr Gitarren.

Aufgenommen wurden die meisten der zwölf neuen Songs in den berühmten Blackbird Studios in Nashville (Tennessee), wo bereits Poisels Vorbilder wie James Bay oder die Kings of Leon gewirkt haben. Für den Liedermacher, der unter Flugangst leidet, ein großer Traum – aber auch eine besondere Herausforderung. »Ich habe auch einen persönlichen Durchbruch damit verbunden, diesen Schritt zu wagen und so eine lange Distanz im Flieger zurückzulegen.«

Das Skelett der Lieder sei bereits vor der Reise entstanden, das Fleisch und Blut dann in Amerika hinzugekommen. Das neue Album handelt vom Land der Mythen und Möglichkeiten, des Aufbruchs und der Freiheit. Es handle vom Amerika seiner Kindheit, so Poisel. Für den Künstler sind die USA nach wie vor ein Sehnsuchtsort, da kann auch der umstrittene neue US-Präsident Donald Trump nicht dran rütteln. »Mein Amerika-Traum ist unabhängig vom aktuellen Zeitgeschehen«, sagt er. Wenn er etwa in dem Lied »Mein Amerika« von dem Land singe, dann nehme er eher die Perspektive eines Vogels ein, »der über dieses Land fliegt, diese Weite und diese machtvolle Natur genießt, bei der man nur demütig werden kann«. Die Freiheit war schon immer ein Thema für Poisel. Der gebürtige Ludwigsburger reiste nach dem Abitur quer durch Europa und verdiente sich Geld als Straßenmusiker dazu.

2008 nahm ihn Herbert Grönemeyer auf seinem Plattenlabel »Grönland Records« unter Vertrag. Im selben Jahr erscheint das Debüt »Wo fängt der Himmel an«. 2011 wurden auch breitere Massen auf Poisel aufmerksam: Sein Album »Bis Nach Toulouse« erhält Platin-Status, und mit »Eiserner Steg« liefert er den Song zu Matthias Schweighöfers Film »What A Man«. Das Live-Album »Projekt Seerosenteich« steigt ein Jahr später auf Platz eins der Charts ein.

Wie autobiografisch ist nun »Mein Amerika«? »Die Songs sind wie Polaroids. Aufnahmen von Momenten«, erklärt er. Sie handeln oft vom Zwischenmenschlichen, wie etwa in der ersten Single-Auskopplung »Erkläre mir die Liebe«. Immer wieder geht es ums Bleiben und ums Gehen. Ums Abschiednehmen und ums Wiedersehen.

Eine nostalgische Erinnerung an die Jugend ist »Zum ersten Mal Nintendo«. Das dazugehörige Video ist eine Hommage an Philipp Poisels Heimatort Markgröningen bei Ludwigsburg. Und wie wichtig ist Heimat für ihn? »Es ist wichtig für mich, um mich auszuruhen.« dpa

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