27. Januar 2017, 16:41 Uhr

Gefährliche Empfehlungen

Mit einem Augenzwinkern sei’s festgestellt: Fast wären wir schon verblichen angesichts des Hungers nach einem neuen Roman über Leben und Werk des Luxemburgers Xavier Kieffer. Der gastronomische Eigenbrötler aus dem zwischen Grund und Kirchberg gelegenen Clausen gilt unter zugeneigten Kritikern als »der beste Kochtopfdetektiv der Geschichte«, der seinen Gästen gern deftige Huesenziwwi, Bouneschlupp und leckere Rieslingpaschtéit serviert. Er ist die literarische Gallionsfigur des Wirtschaftsjournalisten und Schriftstellers Tom Hillenbrand. 2011 hatte der Hamburger mit der von Kiepenheuer & Witsch verlegten Kulinarik-Krimi-Premiere »Teufelsfrucht« gleich einen Volltreffer gelandet und dann alljährlich nachgelegt: »Rotes Gold« folgte 2012, dann »Letzte Ernte« und anschließend »Tödliche Oliven«. Anschließend war die Küche kalt geblieben bei Chefkoch Kieffer am Südhang unterm Europaviertel – bis vor wenigen Wochen: Am 12. Januar gab’s wieder was zu naschen für die kriminalistischen Topfgucker. »Gefährliche Empfehlungen« spielt keineswegs nur im beschaulichen Großherzogtum, sondern auch in der französischen Metropole; dort, wo Kieffers Liebste lebt, die aparte Valérie Gabin.
27. Januar 2017, 16:41 Uhr

Mit einem Augenzwinkern sei’s festgestellt: Fast wären wir schon verblichen angesichts des Hungers nach einem neuen Roman über Leben und Werk des Luxemburgers Xavier Kieffer. Der gastronomische Eigenbrötler aus dem zwischen Grund und Kirchberg gelegenen Clausen gilt unter zugeneigten Kritikern als »der beste Kochtopfdetektiv der Geschichte«, der seinen Gästen gern deftige Huesenziwwi, Bouneschlupp und leckere Rieslingpaschtéit serviert. Er ist die literarische Gallionsfigur des Wirtschaftsjournalisten und Schriftstellers Tom Hillenbrand. 2011 hatte der Hamburger mit der von Kiepenheuer & Witsch verlegten Kulinarik-Krimi-Premiere »Teufelsfrucht« gleich einen Volltreffer gelandet und dann alljährlich nachgelegt: »Rotes Gold« folgte 2012, dann »Letzte Ernte« und anschließend »Tödliche Oliven«. Anschließend war die Küche kalt geblieben bei Chefkoch Kieffer am Südhang unterm Europaviertel – bis vor wenigen Wochen: Am 12. Januar gab’s wieder was zu naschen für die kriminalistischen Topfgucker. »Gefährliche Empfehlungen« spielt keineswegs nur im beschaulichen Großherzogtum, sondern auch in der französischen Metropole; dort, wo Kieffers Liebste lebt, die aparte Valérie Gabin.

Was geht ab? Frankreichs legendärer Gastroführer »Guide Gabin«, so fasst es der Klappentext zusammen, lädt zu einem fulminanten Fest ins neue Firmenmuseum in Paris. Während der Feier verschwinden zwei der Exponate – darunter die extrem seltene Ausgabe des »Guide Bleu« von 1939, von der nurmehr wenige Exemplare existieren. Kieffer beginnt auf seine Art mit den Nachforschungen und erfährt schnell, dass wegen der »Sternebibel« bereits mehrere Menschen sterben mussten. Doch was ist so gefährlich an einem über 70 Jahre alten Restaurantführer? Was ist das Geheimnis des blauen Buchs?

Die Antworten auf diese Fragen – so gesehen passt diese Buchvorstellung durchaus zum restlichen Inhalt dieser Seite – sind in der französischen Geschichte zu finden, haben mit den Besatzern zu tun und mit den Befreiern. Eine Erklärung, mit der noch nicht allzu viel verraten wird: Die Straßenkarten in den Gastronomieführern zählten schon vor 70 und mehr Jahren zu den besten ihrer Art, waren aktuell und detailliert. So nutzt Hillenbrand die selbst heraufbeschworene Gunst der Stunde und setzt zum historischen Exkurs an, beschreibt etwa Winston Churchills und Franklin D. Roosevelts Gespött über Charles de Gaulle: »Ein Ein-Sterne-General ohne politisches Mandat, ohne Truppen und ohne Erfahrung, der sich aufführte, als sei er der Anführer der freien Welt. Ein schräger Vogel mit Napoleonskomplex.«

Freilich hat Tom Hillenbrand wieder persönliche Gastrokritik anzubringen; gerade dann, wenn Fernsehkoch Gutiérrez Esteban ins Spiel kommt, der langjährige Weggefährte. Der verlegt sich dieses Mal auf Systemgastronomie, exportiert eine Brasserie Parisienne namens »Bastille« nach Berlin. Große Salate, große Steaks und große Croques ... alle Gerichte modular. »Viel auffälliger war, was auf der Speisenkarte fehlte. Esteban hatte so ziemlich alles entfernt, was Kieffer in Brasserien gern aß, der Mehrheit der Deutschen jedoch suspekt war.«

Fazit: Sehr köstlich! (no)

»Gefährliche Empfehlungen«, Tom Hillenbrand, Verlag KiWi, Taschenb. 407 S., ISBN-13: 978-3462049220, Preis: 9,99

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