17. März 2017, 16:31 Uhr

Ganz anders als alle anderen

17. März 2017, 16:31 Uhr
Selfie mit Papst: Franziskus ist nah dran an den Menschen. (Foto: dpa)

Der Apostolische Palast im Vatikan steht leer. Der Papst wohnt hier nicht. Nicht dieser Papst, der sich kaum um die althergebrachten Regeln schert, sondern die gefährliche Frage stellt, ob alles, was gängig ist in der Schaltzentrale der Katholischen Kirche, wirklich noch etwas mit ihrem eigentlichen Auftrag zu tun hat.

Dass Jorge Mario Bergoglio aus Argentinien anders ist als seine Vorgänger, konnte man schon am 13. März 2013, dem Abend der Papstwahl, ahnen. Als er auf den Balkon des Petersdoms trat, höflich »Buonasera« sagte und die versammelten Massen auf dem Petersplatz und die Menschen an den TV-Geräten in aller Welt bat, ihn zu segnen, bevor er ihnen den Segen zusprach. Dass er aber so sehr anders agieren würde, hätte sich sicher mancher nicht träumen lassen, der mit im Konklave gesessen hat. Franziskus sprengt den festgezimmerten Rahmen, den eine allzu machtbewusste Kurie mittlerweile um das Papstamt gelegt hat. Wie er das tut, hat der deutsche Vatikan-Korrespondent Andreas Englisch in gewohnt persönlicher Herangehensweise zu Papier gebracht – in dem Buch »Franziskus – ein Lebensbild«, das pünktlich zum 80. Geburtstag des Papstes erschien.

Der Autor ist begeistert, wie er es schon von Papst Johannes Paul II gewesen ist. Womöglich jetzt sogar noch mehr, weil Franziskus geradezu revolutionär aufzuräumen beginnt, dort, wo es in der Katholischen Kirche nicht stimmt. Englischs schön gestaltetes Buch, das ein halber Bildband ist, erzählt von einem Papst, der nicht nur im Gästehaus des Vatikans wohnt, in der Kantine isst und sich auch sonst nicht bedienen lässt, sondern der vor allem eins verkörpert: den Auftrag Jesu, ganz nah bei den Menschen zu sein, vor allem bei denen, die bedürftig sind. Dazu passt der Reichtum im Vatikan kaum, auch nicht die Sattheit vieler Würdenträger, Prunk und Protz und schon gar keine Weltabgewandtheit in Sicherheit und Sorglosigkeit. »Der Karneval ist vorbei«, soll Franziskus zu Beginn seines Pontifikats gesagt haben. Und so beschreibt Englisch einen Papst ohne Angst, seine unbeirrte Absage an die Arroganz der Macht, sein Credo: »Vergesst die Armen nicht!« Die Kirche wieder an die Seite der Schwächsten zu führen, ist seine Mission. Und darin hat der frühere Erzbischof von Buenos Aires nun wahrlich Erfahrung. pi

Andreas Englisch: Franziskus. Ein Lebensbild. Verlag Bertelsmann, 288 Seiten, 25 Euro. ISBN: 978-3-570-10325-8

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