14. Juli 2017, 17:20 Uhr

»Der erste Stein«

Ein schwuler Priester klagt an

14. Juli 2017, 17:20 Uhr
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Von DPA

Ich bin Priester, ich bin gay – und ich bin überglücklich, das eine wie das andere zu sein.« Das schreibt der heute 44-jährige Pole Krzysztof Charamsa in seinem jetzt auch auf Deutsch erschienenen Buch »Der erste Stein« mit dem Untertitel »Als homosexueller Priester gegen die Heuchelei der katholischen Kirche« (C. Bertelsmann). Es ist eine über 300 Seiten lange wütende und leidenschaftliche Abrechnung mit seiner Amtskirche, der er viele Jahre als Priester und schließlich sogar im Vatikan an der päpstlichen Universität Gregoriana diente. 2015 bekannte er sich öffentlich zu seiner Homosexualität und zu seinem Lebenspartner, woraufhin er seine kirchlichen Ämter verlor. Im Vatikan hatte Krzysztof Charamsa sogar über Fragen des Glaubens und der Sittlichkeit zu entscheiden, bis er den Zwiespalt zwischen seiner sexuellen Neigung und der rigorosen Ablehnung durch die Amtskirche nicht mehr aushielt.

Charamsa wirft der katholischen Kirche – mit einer seiner Darstellung nach großen Zahl von Homosexuellen in den eigenen Reihen – vor, die betroffenen und im wahrsten Sinne des Wortes gutgläubigen Katholiken alleinezulassen und sogar teilweise ins Unglück zu stürzen. Seiner Meinung läuft das jedem christlichen Anspruch der Nächstenliebe zuwider.

Als besondere Paradoxie sieht er es an, dass der zurückgetretene Papst Benedikt XVI. einerseits »eine neue Welle katholischen Schwulenhasses« ins Rollen gebracht habe, andererseits es in seinem Pontifikat »so schwul zuging wie wohl nie zuvor in der Neuzeit«.

Krzysztof Charamsa: »Der erste Stein«. C. Bertelsmann, 316 Seiten, 19,99 Euro, ISBN 978-3-570-10327-2.



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