26. April 2017, 22:22 Uhr

Workout während der Arbeitszeit

Gehalt ist in vielen Unternehmen längst nicht mehr alles. Mit üppigen Zusatzleistungen wie Fitness, Swimmingpool oder Firmen-WGs wollen sie Fachkräfte locken. Kritiker sehen darin aber auch Gefahren für die Arbeitnehmer.
26. April 2017, 22:22 Uhr

Dienstwagen, Fitnessprogramme, betriebliche Altersvorsorge, Mitarbeiterwohnungen, Einkaufsrabatte: In Zeiten des Fachkräftemangels werben viele Firmen nicht nur mit einem guten Gehalt. Sie bieten auch immer mehr Vergünstigungen, um Angestellte zufriedenzustellen und sie zu besseren Leistungen zu motivieren.

So bietet Google der Belegschaft auf dem Firmencampus in Kalifornien Gratisessen, Swimmingpool und Kräutergarten. Der Kaffeeröster Tchibo hat in der Zentrale in Hamburg einen Freizeit- und Fitnessbereich für Beschäftigte eingerichtet, Siemens tut es in einem Gesundheitszentrum in Berlin gleich. Und Unternehmensberatungen wie Roland Berger oder McKinsey, die berüchtigt sind für lange Arbeitszeiten, werben mit »Sabbaticals«, ausgedehnten Auszeiten vom Job.

»Unternehmen können es sich nicht leisten, gar nichts anzubieten«, sagt Neele Siemer, Projektleiterin bei der Personalberatung Kienbaum. Gerade in Branchen mit starkem Fachkräftemangel seien solche »Benefits« wichtig, um den eigenen Ruf als Arbeitgeber aufzupolieren. Dominierten einst Leistungen wie Dienstwagen und betriebliche Altersvorsorge in deutschen Firmen, gibt es heute den Trend zum Arbeiten in Wohlfühlatmosphäre: Reisen im Team als Belohnung, großzügige Weihnachtsfeiern oder Yoga-Kurse in der Firma, gemeinsame Pizzaessen und Tischfußball nach Feierabend. Getrieben werde dies von Start-ups und hippen US-Technologiekonzernen, sagt Siemer: »Die Unternehmen wollen zeigen, dass bei ihnen die Arbeit Spaß macht.« Entsprechend nutzten sie Benefits, um ihre Kultur herauszustellen.

Manche Angebote werden indes auch von Bewerbern gefordert. »Die Leute sind anspruchsvoller geworden«, beobachtet Frank Schabel vom Personalvermittler Hays. »Gerade flexible Arbeitszeiten haben in vielen Gesprächen einen hohen Stellenwert.« Viele Bewerber legten Wert auf ein ausgeglichenes Verhältnis zwischen Arbeit und Freizeit oder auf die Möglichkeit, von zu Hause aus zu arbeiten.

Dies zeigt auch eine Umfrage der Beratungsfirma Mercer unter 5400 Beschäftigten weltweit. Demnach stehen flexibles Arbeiten und mehr Auszeiten oben auf der Wunschliste – weit vor Sportangeboten oder Orten zum Entspannen. Firmen reagierten zunehmend darauf, heißt es im Papier, denn sie erwarteten einen härteren Kampf um Talente.

Dienstfahrrad inklusive

Die Angebote spiegeln daher auch den Zeitgeist wider. Der Softwarekonzern SAP bietet etwa an, statt Firmenwagen ein Dienstfahrrad im Wert von bis zu 10 000 Euro zu leasen. Der Firmenwagen gilt zwar noch als Statussymbol, hat aber gerade bei jungen Leuten an Wert verloren, meint Schabel. Und mit Zuschüssen zur Kinderbetreuung oder eigenem Kindergarten zielten Firmen auf Familien, in denen beide Eltern arbeiten. Der Burdaverlag lockt neue Angestellte mit einer Wohngemeinschaft in München. Im renovierten Altbau in der Isarvorstadt können Neuzugänge bis zu sechs Monate wohnen und derweil auf dem harten Wohnungsmarkt der Stadt eine Bleibe suchen. Miete zahlen sie nicht, nur eine geringe Umlage.

Gegen den Fachkräftemangel dürften indes Angebote samt Sabbatical, Sport und Wohlfühlatmosphäre alleine nicht reichen, meint Hays-Experte Schabel. An erster Stelle stünden für die meisten Bewerber ein marktgerechtes Gehalt, persönliche Entwicklungschancen und die Firmenkultur. »Vergünstigungen nimmt man dann gerne mit.«

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