29. August 2017, 20:59 Uhr

Widerstand wächst

29. August 2017, 20:59 Uhr

Berlin (dpa). Der Widerstand gegen die Staatshilfe für die insolvente Air Berlin wächst. Nach den Kartellbeschwerden des Konkurrenten Ryanair geht nun auch die Fluggesellschaft Germania gegen den 150-Millionen-Euro Kredit der Bundesregierung vor. Germania will diese Hilfe per Eilverfahren vorerst stoppen, wie das Berliner Landgericht am Dienstag mitteilte. Air Berlin drückt beim Verkauf vom Unternehmensteilen derweil aufs Tempo: Bis zum 15. September ist Zeit für Angebote.

Unterdessen stutzt die Airline ihr Langstreckenangebot, Passagiere werden umgebucht. So fallen zum 17. September und zum 1. Oktober die beiden täglichen Verbindungen von Berlin nach Abu Dhabi weg, dem Drehkreuz des Großaktionärs Etihad. Die arabische Fluggesellschaft gewährt Air Berlin keine Finanzspritzen mehr, daraufhin hatten die Berliner vor zwei Wochen den Insolvenzantrag gestellt.

»Wir streichen verlustreiche Strecken«, sagte ein Sprecher. Zum 30. September fällt demnach auch die Verbindung Berlin–Chicago weg, die Flüge nach Los Angeles und San Francisco zum 1. Oktober – vier Wochen früher als eigentlich geplant. Das gilt auch für Düsseldorf–Boston. Berlin hat dann nur noch zwei Langstrecken: Miami und New York. Düsseldorf behält zwölf.

Air Berlin verhandelt nach eigenen Angaben mit der Lufthansa und drei weiteren Unternehmen über einen Verkauf. Als Interessenten für Teile der Fluggesellschaft gelten neben der Lufthansa die britische Easyjet und der Ferienflieger Condor. Heute ist ein Gespräch mit dem Unternehmer Hans Rudolf Wöhrl geplant, der die Fluggesellschaft als Ganzes übernehmen will.

Lufthansa bevorzugt?

Der 150-Millionen-Euro-Kredit durch die staatliche KfW-Bank soll sicherstellen, dass Air Berlin trotz Insolvenz weiterfliegen kann. Germania will dies verhindern, solange die EU-Kommission die Hilfe nicht genehmigt. Die Fluggesellschaft wirft dem Bund vor, die Lufthansa einseitig zu bevorzugen. Ryanair hatte bereits Beschwerde beim Bundeskartellamt und der EU-Wettbewerbsbehörde eingelegt. Nach Regierungsangaben hat auch der irische Billigflieger Interesse, Air Berlin zu übernehmen.

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