14. August 2017, 19:40 Uhr

Viele Bauherren, wenig Platz

Sucht man in Großstädten eine Wohnung, braucht man starke Nerven – und beim Kauf einen dicken Geldbeutel. Die Preise steigen noch immer. Profitiert die Fertighaus-branche davon? Ja und nein.
14. August 2017, 19:40 Uhr
Die Monteure der Fertighausbranche haben inzwischen weitaus mehr zu tun als früher. Aber es könnte noch besser laufen, wenn es passendes und bezahlbares Bauland gäbe. (Foto: dpa)

Wer jetzt beschließt, in Wohneigentum zu investieren, wird schnell merken, dass er damit nicht allein ist. Baugeld ist günstig, »Betongold« gefragt – das treibt die Preise, und zwar schon lange nicht mehr nur in den In-Vierteln der Großstädte. Es fehlen immer mehr Wohnungen, und der Kauf – oder auch schon die Miete – wird zur finanziellen Herausforderung. Doch immer mehr Menschen gieren nach dem Eigenheim, das erhöht die Preise weiter – ein Teufelskreis. Eine Lösung: selber bauen, was auch nicht ganz billig ist. Seit Jahren steigert die Fertigbaubranche langsam ihre Anteile. Profitiert sie nun von der Preisexplosion?

»Wir haben einen Bauboom«, bestätigt Günter Gitzen, Vertriebsleiter beim Fertighausanbieter Gussek mit Sitz in Nordhorn. Aber: Beim klassischen Einfamilienhaus – die Nische, in der Fertighausanbieter vor allem aktiv sind – sei das nicht im gleichen Maß festzustellen. Die Baugenehmigungen stagnierten. Woran kann das liegen?

Gitzen erklärt, vor allem mehrgeschossige Häuser oder Eigentumswohnungen würden den Anbietern aus der Hand gerissen. Doch beim Einfamilienhaus muss zunächst einmal ein Grundstück her – und Baugrundstücke seien Mangelware, vor allem in begehrten Ballungsräumen: »Die Leute finden keine bezahlbaren Grundstücke.«

Zu viele Wohnungen auf dem Land

Christoph Windscheif vom Bundesverband Deutscher Fertigbau ergänzt: »Die Baukosten sind im Segment der frei stehenden Ein- und Zweifamilienhäuser nicht der wichtigste Faktor, sondern die vielerorts mangelhafte Verfügbarkeit von Baugrundstücken.« Vor allem Familien mit Kindern bräuchten Grundstücke, die für individuelle Bebauung geeignet und gut an die Infrastruktur der Städte angebunden seien. »Wir fordern daher, mehr solcher Grundstücke auszuweisen.«

In Deutschland wurden im vergangenen Jahr mit 277 700 Wohnungen so viele gebaut wie seit zwölf Jahren nicht – doch nötig sind laut Bauwirtschaft, Bundesbauministerium und Mieterbund 350 000 bis 400 000. Gleichzeitig stehen in ländlichen Regionen rund 950 000 Wohnungen leer, wie Zahlen des Bundesinstituts für Bau-, Stadt- und Raumforschung zeigen. Das Institut der Deutschen Wirtschaft (IW) kritisierte allerdings unlängst, auf dem Land würden zu viele Wohnungen gebaut, während die Bevölkerung schwinde. Kaum jemand mag dann vermutlich in langsam verödende Dörfer ziehen. Dennoch betonte Robert Feiger, Chef der Gewerkschaft IG Bauen-Agrar-Umwelt: »Die Bezahlbarkeit von Wohnraum ist für mehr als die Hälfte der Bevölkerung eine finanzielle Herausforderung.« Bezahlbares Bauland dürfte den Menschen also entgegenkommen – und nicht mehr nur Geringverdiener kämpfen mit den hohen Preisen.

»Gäbe es mehr Bauland, würden mehr Menschen bauen«, sagt Vertriebsleiter Gitzen schlicht. Die Fertighausbranche könne problemlos die doppelte Anzahl von Häusern absetzen. Die Marktanteile schwanken allerdings bundesweit stark – in Baden-Württemberg seien es 32,9 Prozent, in Niedersachsen gerade einmal sieben Prozent. Warum das so ist? Im Süden Deutschlands sei möglicherweise der Baustoff Holz einfach populärer, meint Gitzen. Jährlich rund 400 Fertighäuser baut die Gussek-Gruppe – bei einem Umsatz von etwa 80 Millionen Euro. Beides ist seit Jahren stabil.

Die deutsche Fertighausbranche kam 2016 auf einen Umsatz von knapp 2,3 Milliarden Euro. Das waren 16 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Erstaunlich dabei: Fast ein Drittel der Kunden entschied sich für ein teures Fertighaus im Wert von über 300 000 Euro. Doch eines hängt der Branche nach Gitzens Einschätzung noch immer nach: die Vorstellung, Fertighäuser seien Eigenheime zweiter Klasse. »Das Vorurteil hält sich hartnäckig«, beklagt er.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bauherren
  • Fertighäuser
  • Großstädte
  • IG Bauen-Agrar-Umwelt
  • Institut der deutschen Wirtschaft
  • Käufe
  • Nervensystem
  • Preise
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos