14. Juli 2017, 22:17 Uhr

Vermögen auf Rekordniveau Weniger Zucker – aber wie? Kurzmeldungen Bundesamt überprüft Daimler-Fahrzeuge

14. Juli 2017, 22:17 Uhr

Frankfurt/Main (dpa). Die privaten Haushalte in Deutschland sind in der Summe so reich wie nie: Ihr Geldvermögen stieg im ersten Quartal des laufenden Jahres weiter auf den Rekordwert von rund 5676 Milliarden Euro, wie die Bundesbank getstern in Frankfurt mitteilte. Berücksichtigt werden dabei Bargeld, Bankeinlagen, Wertpapiere und Ansprüche an Versicherungen – nicht jedoch Immobilien. Auch wie das Vermögen verteilt ist, geht aus der Studie nicht hervor.

Derweil warten in Deutschland nach Berechnungen der Kreditauskunftei Crifbürgel derzeit rund 675 000 Menschen auf eine Schuldenbefreiung. Nach dem Ende der sogenannten Wohlverhaltensphase könnten die betroffenen Schuldner im Rahmen eines Privatinsolvenzverfahrens auf einen Erlass ihrer Schulden hoffen, teilte Crifbürgel am Freitag in Hamburg mit. Mit knapp 394 000 Betroffenen stellen dabei die Männer die Mehrheit der Schuldner.

Die Kunden kaufen die Produkte der Supermärkte – und werden im deutschlandweiten Schnitt immer dicker. »Wir haben ein massives Überfettungsproblem hierzulande«, sagt der Handelsexperte Gerrit Heinemann von der Hochschule Niederrhein. Krankheiten wie Fettleibigkeit (Adipositas) und Diabetes nähmen überhand, »und die Gesundheitskosten fliegen uns um die Ohren«. Die Lebensmittelbranche habe ihren Anteil an dieser Misere, kritisiert Heinemann. Discounter und Supermarktketten nehmen das Problem nun stärker in den Fokus und lassen verlauten, sie wollten die Rezeptur ihrer Eigenmarken »optimieren«. Was genau das heißt, lassen sie häufig aber offen.

Einzig Lidl tut sich hervor mit einer erstaunlich konkreten Zielvorgabe. Bis 2025 soll der Salz- und Zuckergehalt der Eigenmarken um 20 Prozent sinken. Gestartet wurde mit Frühstücksflocken – der Zuckeranteil von »Honey Rings« wurde nach Angaben der Firma sogar um rund 30 Prozent auf 23,9 Gramm pro 100 Gramm gesenkt. »Lidl bringt Schwung in die Debatte«, sagt Oliver Huizinga von Foodwatch. »Die anderen Handelskonzerne tun sich noch sehr schwer, ein konretes Ziel mit einer Zahl zu nennen.«

Tatsächlich äußern sich andere Händler bei dem Thema vage. »Wir wollen die ausgewogene Ernährung unserer Kunden fördern und setzen uns seit einigen Jahren für eine gesündere Produktzusammenstellung ein«, teilt Aldi Nord mit. Von Aldi Süd heißt es, man sei »grundsätzlich bestrebt, den Zuckergehalt in den von uns gehandelten Artikeln so gering wie möglich zu halten«. Man habe »in vielen Warenbereichen bereits individuelle Rezepturänderungen im Hinblick auf die Reduktion von Salz und Zucker durchgeführt«, etwa bei Broten, Müsli oder Pudding. Die Supermarktkette Real will bis Ende 2017 die Rezepturen von Eigenmarkeprodukten »überprüfen und gegebenenfalls optimieren«.

Kürzlich legte Rewe seine Pläne auf den Tisch. Das langfristig angelegte Reduktionsprogramm für Speiseeis, Cerealien, Brot und Getränke aus Eigenmarken soll »möglichst ohne wesentliche Veränderung der Sensorik der Produkte einhergehen«. Geschmacks- erwartungen der Kunden ließen sich nur über einen längeren Zeitraum ändern, so ein Rewe-Sprecher. »Wir wollen unseren Kunden Zeit geben, sich geschmacklich auf die veränderten Rezepturen einzustellen. « Um wie viel Prozent der Zucker- und Salzgehalt sinken soll, sagt Rewe im Gegensatz zu Lidl nicht. Die Kunden selbst bekommen von dem schleichenden Prozess wohl nichts mit – nur wenn sie die Angaben auf Produkten mit älteren Verpackungen vergleichen, könnten sie den geringeren Zuckergehalt bemerken. Eine gesonderte Auszeichnung ist laut Rewe erst ab einer Reduktion um 25 Prozent bei Salz und 30 Prozent bei Zucker zulässig, bezogen auf ein vergleichbares Lebensmittel.

Mit ihrem Weniger-Zucker-Kurs liegen Lidl und die anderen Ketten auf Linie des Bundesernährungsministeriums – die Behörde hatte kürzlich eine Strategie entwickelt, derzufolge der Zucker- und Salzgehalt in Lebensmitteln mit freiwilligen Vorgaben der Firmen gesenkt werden soll.

Aus Sicht von Foodwatch ist das jedoch der falsche Weg. Fettleibigkeit und Diabetes sind aus Sicht der Organisation eine enorm hohe Gefahr für die öffentliche Gesundheit. »Da darf der Gesetzgeber nicht allein auf freiwillige Empfehlungen für die Wirtschaft setzen«, sagt Gesundheitsexperte Huizinga. Schon jetzt sei jeder vierte Bundesbürger stark übergewichtig, Tendenz steigend.

Handelsexperte Heinemann hat Zweifel, dass sich am ungesunden Konsumverhalten in Deutschland alsbald etwas ändert. »Es gibt in Deutschland eine große Diskrepanz zwischen bekundetem und tatsächlichem Konsumverhalten«, sagt der Professor. »Fragt man den Verbraucher, was er kaufe im Supermarkt, nennt er nur gesunde Lebensmittel – doch wenn er vor dem Regal steht, kauft er trotzdem Cola und fettigen Schweinebauch zum Grillen.« (dpa/Foto: dpa)

Europäischer Automarkt – Eine nachlassende Nachfrage in Deutschland und Großbritannien hat das weitere Wachstum des europäischen Automarkts im Juni gebremst. Die Zahl der Neuzulassungen in den EU-Ländern stieg um gut zwei Prozent auf 1,49 Millionen Autos, wie der Branchenverband Acea mitteilte.

Rückruf bei Fiat – Der Autobauer Fiat Chrysler Automobiles (FCA) ruft weltweit mehr als 1,33 Millionen Fahrzeuge wegen Problemen mit der Elektrik und mit Airbags zurück. Von den Rückrufaktionen sind vor allem Autos in den USA, Kanada und Mexiko betroffen.

Online-Handel – Der Online-Handel in Deutschland setzt sein Wachstum fort. Im zweiten Quartal 2017 (April bis Juni) stiegen die Umsätze der Internet-Händler auf knapp 14 Milliarden Euro, wie Bundesverband E-Commerce und Versandhandel (bevh) mitteilten. (dpa)

Stuttgart (dpa). Angesichts neuer Abgas-Vorwürfe gegen den Autobauer Daimler greift das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) ein. Die Behörde nimmt Fahrzeuge des Herstellers in die Prüfung, wie ein Sprecher des Bundesverkehrsministeriums am Freitag in Berlin sagte. Dies folge aus einem Gespräch der Untersuchungskommission des Ministeriums zum Diesel-Skandal mit Konzernvertretern. Nach Medien-Informationen könnten mehr als eine Million Fahrzeuge mit einer Software programmiert sein, die Abgaswerte manipuliert.

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