18. März 2019, 18:23 Uhr

Umstrittene Geldehe

Gehören Deutsche Bank und Commerzbank demnächst zusammen? Spekuliert wird seit Monaten heftig, nun gibt es offizielle Gespräche. Doch ob eine solche Fusion Sinn ergeben würde, ist umstritten.
18. März 2019, 18:23 Uhr
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Von DPA
Deutsche Bank (vorn) und Commerzbank, die beiden größten Privatbanken Deutschlands, erwägen eine Fusion. Kritiker befürchten, dass dies zulasten der Mitarbeiter geht und einen gravierenden Stellenabbau zur Folge hat. (Foto: dpa)

Lange zierten sie sich, nun scheint der politische Druck Wirkung zu zeigen. Von Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing und Commerzbank-Chef Martin Zielke werden Antworten auf die Frage gefordert, ob eine Fusion der beiden Großbanken Sinn ergeben würde. Bei der teilverstaatlichten Commerzbank hat der Staat ein gewichtiges Wort mitzureden. Und auch der Druck auf die angeschlagene Deutsche Bank ist groß.

? Was will die Politik mit Blick auf den Bankensektor?

Schon lange gibt es den Wunsch nach einem »nationalen Champion« – einer starken deutschen Bank, die auch international wettbewerbsfähig ist und mit den großen chinesischen und US-amerikanischen Häusern dauerhaft mithalten kann. Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) stellte im August 2018 fest: Es sei ein Problem für eine große Volkswirtschaft wie die deutsche, »dass die Banken … nicht die Größe und die Globalität haben, um die Wirtschaft zu begleiten«.

? Wo stehen Deutsche Bank und Commerzbank?

In der Weltspitze spielen die beiden größten börsennotierten deutschen Geldinstitute seit geraumer Zeit nicht mehr mit. In der jüngsten Rangliste der Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) aus dem April 2018 liegt die Deutsche Bank nach Bilanzsumme auf Platz 15, die Commerzbank rutschte auf Rang 54 – und die aktuellen Bilanzsummen der beiden liegen noch unter den damaligen Werten. Die ersten vier Plätze in dem Ranking belegen Institute aus China, noch vor der größten US-Bank JP Morgan Chase (Platz 6) und der HSBC als Nummer eins in Europa (Platz 7). An der Börse ist die Deutsche Bank – immerhin Deutschlands größtes Geldhaus – aktuell gerade noch gut 16 Milliarden Euro wert, die Commerzbank rund neun Milliarden Euro.

? Was sind die Probleme der beiden deutschen Großbanken?

Der deutsche Bankenmarkt ist hart umkämpft, neben Privatbanken buhlen 384 Sparkassen und 875 Volks- und Raiffeisenbanken sowie etliche ausländische Institute um Privat- und Firmenkunden. Die historisch niedrigen Zinsen im Euro-Raum und hohe Regulierungskosten erschweren der Branche das Geldverdienen zusätzlich. Bei der Deutschen Bank kamen hausgemachte Probleme hinzu, vor allem ein Berg juristischer Streitigkeiten, deren Beilegung Milliarden kostete und das Image des einst stolzen Branchenprimus beschädigte. Nach drei Verlustjahren in Folge hat die Deutsche Bank 2018 mit 341 Millionen Euro Überschuss gerade erst die Rückkehr in die Gewinnzone geschafft. In Sewings Amtszeit brach der ohnehin schon schwache Aktienkurs der Deutschen Bank um etwa ein Drittel ein. Die Commerzbank hat im vergangenen Jahr zwar etwa zweieinhalbmal so viel verdient wie die Deutsche Bank (865 Mio. Euro), sieht sich bei ihrem seit Jahren laufenden Konzernumbau inklusive des Abbaus Tausender Stellen aber auch noch nicht am Ziel. Das Institut stieg im Herbst angesichts eines ebenfalls kräftig gestutzten Börsenwertes sogar vom DAX in den MDAX ab.

? Wollen Deutsche Bank und Commerzbank überhaupt eine Fusion?

Bei der Bilanzvorlage Anfang Februar präsentierte sich Deutsche-Bank-Chef Sewing kämpferisch. Die Bank habe ein »stabiles Fundament« und eine »starke Bilanz«. Der Vorstand habe einen klaren Wachstumsplan für 2019: »Wir haben es selbst in der Hand.« Auch Commerzbank-Chef Zielke lächelte die Fusionsgerüchte weg: »Das ist etwas, das nicht neu ist. Es macht aber überhaupt keinen Sinn, solche Spekulationen zu kommentieren oder sich daran zu beteiligen.« Nun reden beide Seiten doch miteinander – »ergebnisoffen« wie sie am Sonntag betonten.

? Welche Vorteile hätte eine Fusion der beiden Geldinstitute?

Vor allem die Kosten könnten auf Dauer sinken. Schon im Sommer 2018, als die Gerüchte hochkochten, hatte das Analysehaus RBC die möglichen Einsparungen auf 2,1 Milliarden Euro beziffert. Bei der Modernisierung der IT und beim Megathema Digitalisierung könnten die Institute Kräfte bündeln. Mit mehr als 30 Millionen Privatkunden und größeren Marktanteilen im Firmenkundengeschäft könnte ein größeres Institut beim Thema Preisgestaltung gegenüber der Konkurrenz punkten.

? Was spricht gegen einen Zusammenschluss?

Eine Fusion würde immens viele Arbeitsplätze kosten. Die Gewerkschaft Verdi rechnet im schlimmsten Fall mit dem Abbau von 30 000 Jobs, die Aktionärsvereinigung DSW sogar mit dem Rauswurf von bis zu 50 000 Mitarbeitern. Ende 2018 beschäftigten die beiden Institute zusammen gut 133 000 Vollzeitkräfte. Ein Stellenabbau in dieser Größenordnung lässt sich aber nicht von heute auf morgen umsetzen, und er wird erhebliche Kosten verursachen. Als weitere Hürde sehen Analysten einen möglicherweise hohen Bedarf an frischem Kapital. Sollte das fusionierte Institut als systemrelevant eingestuft werden, würden Aufseher dickere Puffer für Krisenzeiten verlangen. Insgesamt sind die Zweifel groß, dass eine Fusion die Probleme lösen würde, zumal die beiden Banken viele überlappende Geschäftsfelder haben.

? Wie erfolgreich waren bisherige Großfusionen von Banken?

Die Dresdner-Bank-Übernahme mitten in der Finanzkrise 2008 brachte die Commerzbank an den Rand des Abgrunds. Steuermilliarden retteten das Institut, das mit der Integration der kriselnden Dresdner Bank drei Jahre zu schaffen hatte. Bis heute ist der Bund mit gut 15 Prozent größter Anteilseigner der Commerzbank – und kann dieses Gewicht in der aktuellen Diskussion in die Waagschale werfen. Die Deutsche Bank hat die Integration der Postbank fast zehn Jahre nach der Übernahme des Bonner Instituts nicht bewältigt. Es sei schwierig, Dresdner- oder Postbank-Übernahme als Erfolge zu bezeichnen, befand Stuart Graham vom Analysehaus Autonomous Research im August 2018: »Was macht Sie so sicher, dass eine Fusion von Deutscher Bank und Commerzbank ein Erfolg wäre?« Skeptiker befürchten, die Institute könnten im Falle einer Fusion über Jahre mit sich selbst beschäftigt sein – ausgerechnet in einer Zeit, in der aufstrebende Finanz-Start-ups sowie Tech-Konzerne wie Apple, Google und Co. den Geldhäusern zunehmend Konkurrenz machen.



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