27. September 2016, 12:00 Uhr

Streit um Chefposten bei Dr. Oetker

Bielefeld (dpa). Bis es klappte mit dem Backpulver, hatte Firmengründer August Oetker jahrelang im Keller experimentiert. Er tüftelte an der richtigen Mischung. Am Ende stand ein Tütchen für zehn Pfennig, genau die richtige Menge für ein Pfund Mehl. Vor 125 Jahren war das der Durchbruch. Bei der Suche nach dem Top-Manager an der Spitze des Bielefelder Familienunternehmens stockt es dagegen schon länger. Offiziell gibt es keine Entscheidung, lässt Dr. Oetker mitteilen.
27. September 2016, 12:00 Uhr
Oetker-Krach: Wer den Bielefelder Familienbetrieb in die Zukunft führen soll, ist noch unklar. (Foto: dpa)

Dr. Oetker verdiente mit Backpulver in der Gründerzeit prächtig und legte so den Grundstein für das heutige Pudding, Back- und Pizza-Imperium aus Bielefeld. Kein Markenanbieter in Deutschland ist so bekannt. Längst aber zählen auch Bier, Sekt, Container-Schiffe, ein Bankhaus sowie Hotels mit 31 000 Mitarbeitern und 12,2 Milliarden Euro Umsatz (2015) dazu. Wie bei der Suche nach der richtigen Backmischung tüfteln die Oetker-Erben seit Jahren an der Nachfolgefrage.
Rudolf-August Oetker, der Enkel des Firmengründers, hinterließ bei seinem Tod 2007 acht Erben aus drei Ehen. Seine Kinder erblickten von 1940 bis 1979 das Licht der Welt. Ende 2016 muss Richard Oetker (4. Kind aus der 2. Ehe) die Konzernleitung laut Statut mit 65 Jahren aufgeben. Bereits 2010, als er das Ruder an der Spitze übernahm, waren sich die Familienstämme nicht einig. Er, in der Öffentlichkeit seit 1976 bekannt als das Entführungsopfer von Dieter Zlof, galt vor sechs Jahren als Puffer zwischen den Generationen und verhinderte Alfred Oetker (1. Kind aus 3. Ehe) an der Spitze.
Wer das Rennen machen soll, dazu äußert sich niemand offiziell. Ein mit viel Macht ausgestatteter Beirat muss Vorschläge liefern. Um das Unternehmen vor Streitereien zu schützen, kommt eine Mehrheit der Mitglieder von außen wie etwa der Lufthansa-Chef Carsten Spohr.
»Dieser Beirat aber kann nicht gegen den Willen der Stämme entscheiden«, sagt ein Unternehmenskenner. Deshalb laufe seit Monaten eine Art Pendeldiplomatie. Zuletzt hatte der Beirat im September getagt. Der nächste Termin ist im Dezember. »Zu beachten ist, wer beim vergangenen Treffen eben nicht für die Konzernspitze vorgeschlagen wurde«, heißt es in Firmenkreisen.
Der Clou: Die September-Entscheidung gleicht einem Schachzug, um Zeit zu gewinnen. Richard Oetker, bislang Chef des Konzerns wie auch der Lebensmittelsparte, zieht sich zwar von der Spitze zurück. Für die Nahrungsmittelsparte aber bleibt er auch nach Erreichen der Altersgrenze überraschend weiter zuständig.

Spekulationen um Christmann

Mit ihm bilden bislang Finanzchef Albert Christmann und der Chef der Reederei-Tochter Hamburg Süd, Otmar Gast, ein Trio an der Spitze des Konzerns. Mit der Entscheidung des Beirates im September wird aus dem Trio jetzt ab 2017 ein Duo.
Spekulationen, dass Christmann als familienfremder Manager für Richard Oetker an die Spitze rückt, gibt es schon seit Jahren. Als schwere Bürde gilt eine Millionen-Kartellstrafe aus seiner Zeit bei der Radeberger-Gruppe. Christmann soll beteiligt gewesen sein an Preisabsprachen auf dem deutschen Biermarkt. Der Manager bestreitet ein Mitwissen. Am Oberlandesgericht Düsseldorf ist eine Klage gegen die Strafe anhängig. Bei August Oetker (1. Kind aus 2. Ehe), dem Vorsitzenden des Beirates, wie bei Richard Oetker genießt Christmann allerdings hohes Ansehen.
»Beworben habe ich mich nicht«, sagte Christmann im Juni zur Nachfolgefrage. Bewerben müsste er sich aber wohl kaum. Er würde wohl gefragt. Ein Dementi war das somit nicht.
Der Streit der Halbgeschwister dreht sich um die Unternehmensstrategie und Eitelkeiten. Die Älteren trauen Alfred und Carl Ferdinand (2. Kind aus 3. Ehe) den Topjob nicht zu. Das seit Jahren zitierte Credo lautet: »Bei guter Leistung kann es auch ein Oetker sein.« Muss aber nicht.

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