19. Juli 2018, 22:23 Uhr

Streiksommer bei Ryanair

19. Juli 2018, 22:23 Uhr
Für die nächsten Tagen sind Streiks des Ryanair-Personals angekündigt. (Foto: dpa)

Berlin/Frankfurt (dpa). Täglich beklagt sich Ryanair im Kurznachrichtendienst Twitter über ausgefallene und verspätete Flüge. Die europäische Kommission müsse endlich etwas unternehmen gegen den Lotsenmangel und die Streiks in den nationalen Flugsicherungen, lautet die Dauerkritik der Iren. Doch deren Kunden müssen in diesem Sommer auch noch diverse Streiks des fliegenden Personals fürchten, das die Hauptreisezeit nutzt, um seine Ziele durchzusetzen.

Ryanair steckt in einem tiefgreifenden Wandel, seit sich Piloten und Flugbegleiter zunehmend in Gewerkschaften organisieren und europaweit vernetzen. Sie setzen sich für höhere Löhne, gegen Leiharbeit und für bessere Arbeitsbedingungen ein. Die einstmals strikt anti-gewerkschaftliche Airline hat sich schon im vergangenen Jahr zu einem Kurswechsel entschlossen und erste Verhandlungen mit den Arbeitnehmern aufgenommen. Jährliche Mehrkosten von bis zu 100 Millionen Pfund (112 Mio Euro) haben die Iren für das laufende Geschäftsjahr schon eingerechnet.

Zu einem Erfolg haben die seit Wochen auf nationaler Ebene geführten Verhandlungen bislang allerdings nicht geführt. Im Detail zeigen sich die Ryanair-Manager extrem hartnäckig, berichtet Markus Wahl von der deutschen Pilotengewerkschaft Vereinigung Cockpit. Kleinteilig wird beispielsweise über Freistellungen für die Mitglieder der Verhandlungskommission gestritten. Organisationschef Peter Bellew und Personalchef Eddie Wilson berichten hingegen von konstruktiven Gesprächen.

In der Hauptreisezeit stehen nun Arbeitskämpfe bevor. Für heute hat die Fluggesellschaft bereits 24 Flüge zwischen Irland und Großbritannien abgesagt, weil die irischen Piloten bereits ein zweites Mal die Arbeit niederlegen. In der kommenden Woche wollen sie das auch noch einmal am Dienstag tun, bevor die Flugbegleiter in Italien, Spanien, Portugal und Belgien am Mittwoch und Donnerstag folgen. An beiden Tagen hat Ryanair jeweils 300 von mehr 2400 geplanten Flügen abgesagt. Betroffen sind je rund 50 000 Passagiere. Ob deutsche Flughäfen von den Ausfällen betroffen sind, konnte die Airline nicht sagen.

»Der Ryanair droht ein Dauerkonflikt, in dem irgendwo immer gestreikt wird«, sagt Christoph Drescher, Präsident des europäischen Kabinenbeschäftigtenverbandes Eurecca. Er glaube daher, dass die Gesellschaft schon aus eigenem Interesse diese offene Flanke ihres Geschäftsmodells schließen wird.

In Deutschland stimmen die Ryanair-Piloten in der Vereinigung Cockpit bis zum Ende dieses Monats über einen unbefristeten Streik ab. Ihre Forderungen orientieren sich an den Tarifbedingungen bei den Konkurrenten Tuifly und Easyjet.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Europäische Kommission
  • Hauptreisezeit
  • Passagiere
  • Passagiere und Fahrgäste
  • Ryanair
  • Streiks
  • Twitter
  • Vereinigung Cockpit
  • Frankfurt
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos