09. Januar 2020, 21:46 Uhr

Rasche Konjunkturerholung nicht erwartet

09. Januar 2020, 21:46 Uhr

Wiesbaden/Frankfurt (dpa). Der Export schwächelt, Maschinenbauer erhalten weniger Aufträge und die Weltbank senkt ihre Konjunkturprognose: Ein baldiges Ende der Flaute scheint vorerst nicht in Sicht. Globale Handelskonflikte und die Abkühlung der Weltkonjunktur belasteten die deutsche Exportbilanz auch im November. Einen Lichtblick gab es bei der Industrieproduktion. Ökonomen sehen darin aber noch keine Trendwende. Zudem beurteilt die Weltbank die globalen Wachstumsperspektiven skeptischer als zuletzt.

Im November lieferten die Unternehmen Waren »Made in Germany« im Wert von 112,9 Milliarden Euro ins Ausland, das waren 2,9 Prozent weniger als im November 2018, wie das Statistische Bundesamt am Donnerstag in Wiesbaden mitteilte. Die Einfuhren verringerten sich um 1,6 Prozent auf 94,6 Milliarden Euro.

»Die Rückgänge bei den deutschen Ex- und Importen verdeutlichen einmal mehr, dass die Handelskonflikte und die eintrübende Weltkonjunktur deutliche Spuren in der Gesamtbilanz 2019 hinterlassen werden«, erläuterte Holger Bingmann, Präsident des Außenhandelsverbandes BGA. Vor allem der Handelskrieg zwischen den USA und China belastet die globale Wirtschaft. Unternehmen sind verunsichert und halten sich mit Investitionen zurück, worunter Deutschland als große Exportnation besonders zu leiden hat.

Von Boom-Jahren weit entfernt

In den ersten elf Monaten legten die Ausfuhren insgesamt lediglich um 0,7 Prozent auf 1229,6 Milliarden Euro zu. Von den Wachstumsraten der Boom-Jahre ist der Export damit weit entfernt. Der BGA rechnete zuletzt mit einem Exportwachstum im Gesamtjahr 2019 von maximal 0,5 Prozent.

Mit Sorge sieht die Wirtschaft die Zuspitzung des Konfliktes zwischen den USA und Iran. »Die Risiken für die Weltwirtschaft haben sich zu Jahresbeginn erneut verschärft«, sagte Bingmann. Die Eskalation im Nahen Osten bedeute einen weiteren Unsicherheitsfaktor für die Unternehmen. Ähnlich beurteilte der Außenwirtschaftschef des Deutsche Industrie- und Handelskammertages (DIHK), Volker Treier, die Perspektiven. »2020 bleiben globale Unsicherheiten durch Handelskonflikte, Sanktionen oder dem Brexit bestehen.« Die neuerlichen Spannungen in Nahost verdüsterten die Aussicht auf eine baldige Erholung des Auslandsgeschäfts. Zwar stieg die Industrieproduktion nach Angaben des Statistischen Bundesamtes im November im Vergleich zum Vormonat um 1,1 Prozent und damit stärker als von Analysten erwartet. Konjunkturexperten sehen darin aber noch keine Trendwende. »Insgesamt dürften zwar die stärksten Einbrüche hinter uns liegen, die Industrierezession ist aber noch nicht überwunden«, erklärte Nils Jannsen vom Institut für Weltwirtschaft (IfW). Auch Commerzbank-Experte Marco Wagner sieht keinen Anlass für Entwarnung angesichts zuletzt gesunkener Auftragseingänge.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Aufschwung
  • Auftragszahlen
  • Deutsche Industrie
  • Deutscher Industrie- und Handelskammertag
  • Handelskonflikte
  • Industrieproduktion
  • Institut für Weltwirtschaft
  • Maschinenbau
  • Naher Osten
  • Statistisches Bundesamt
  • Wachstumsraten
  • Weltbank
  • Wirtschaftsprognosen
  • Wirtschaftswissenschaftler
  • Frankfurt
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 8 + 2: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.