07. September 2017, 21:07 Uhr

Prognosen angepasst

07. September 2017, 21:07 Uhr

Berlin/Kiel (dpa). Die deutsche Wirtschaft hat nach Einschätzung von Ökonomen noch lange nicht den Höhepunkt ihrer starken Wachstumsphase erreicht. Zum Ausmaß der weiteren Steigerungen gehen die Meinungen aber auseinander – und auch in der Frage, ob Gefahren drohen.

Das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) geht davon aus, dass Bürger, Unternehmen und Staat auch in den nächsten Jahren mit einem deutlichen Plus bei der Wirtschaftsleistung rechnen können. 2017 und 2018 werde das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um je 1,9 Prozent zulegen, 2019 dann um 1,6 Prozent, teilte das Institut gestern in Berlin mit. Damit hoben die Experten ihre Prognose fürs laufende Jahr wegen der guten ersten Jahreshälfte um 0,4 Prozentpunkte an.

DIW-Chef Marcel Fratzscher mahnte aber mehr Investitionen in Bildung, Verkehrswege und Datennetze an: »Der Aufschwung wird nicht von Dauer sein, denn er ist zu einem guten Teil geliehen. Die niedrigen Zinsen und die sehr gute Arbeitsmarktsituation werden ebenfalls nicht ewig währen.«

Auch die Europäische Zentralbank (EZB) zeigt sich zuversichtlicher für die Konjunktur im Euro-Raum als noch vor drei Monaten. Für das laufende Jahr erwartet die Notenbank nun einen Zuwachs von 2,2 (Juni-Prognose: 1,9) Prozent beim BIP. 2018 soll die Wirtschaft im Währungsraum der 19 Länder demnach um 1,8 (1,8) Prozent zulegen. Für 2019 erwarten die Währungshüter unverändert 1,7 Prozent Wachstum. An ihrer Zinspolitik änderte die EZB noch nichts, der Leitzins bleibt bei null Prozent.

Überauslastung möglich

Die Forscher des Kieler Instituts für Weltwirtschaft (IfW) erwarten ebenfalls eine noch bessere Entwicklung der Volkswirtschaft. Zugleich warnten sie: Eine sogenannte Überauslastung – also eine mögliche Überhitzung der Produktion – werde wahrscheinlicher, was wiederum eine schmerzhafte spätere Korrektur wahrscheinlicher werden lasse. Dies kann etwa eintreten, wenn Unternehmen bei weiter anziehenden Aufträgen nicht so schnell mit den nötigen Investitionen nachkommen. Auch die weiteren Trends bei Exporten und Zinsen sind unsicher. Das IfW korrigierte seine Konjunkturerwartungen in diesem Jahr von zunächst 1,7 auf nun 2,0 Prozent nach oben.

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