07. November 2017, 19:36 Uhr

Problemkredite machen Sorgen

07. November 2017, 19:36 Uhr

Frankfurt/Main (dpa). Die noch immer gewaltigen Bestände von Problemkrediten in den Bilanzen vieler europäischer Banken machen den Aufsehern der Europäischen Zentralbank (EZB) Sorge. Zwar sei das Niveau ausfallgefährdeter Darlehen (»Non-Performing Loans«/NPL) in den vergangenen Jahren gesunken, sagte Präsident Mario Draghi zum Auftakt einer Tagung der EZB-Bankenaufsicht in Frankfurt. »Aber das Problem ist noch nicht gelöst.«

865 Milliarden Euro

Zum Ende des ersten Quartals hatte die EZB das NPL-Volumen für die 120 von ihr direkt beaufsichtigten Banken im Euro-Raum auf 865 Milliarden Euro beziffert. Ein Jahr zuvor waren es 950 Milliarden. Trotz der Fortschritte gebe es »keinen Grund für Selbstgefälligkeit«, betonte Draghi. Neben der gemeinsamen Bankenaufsicht unter EZB-Führung und europäischen Regeln zur Abwicklung von Krisenbanken strebt die Politik als dritten Pfeiler eine grenzüberschreitende Einlagensicherung in Europa an. Die Etablierung der zentralen Bankenaufsicht habe dazu beigetragen, den Bankensektor stabiler und widerstandsfähiger zu machen, bilanzierte Draghi drei Jahre nach dem offiziellen Start der EZB-Bankenaufsicht im November 2014.

Gleichzeitig haben sich bislang etwa 50 Banken wegen des Brexits bei der Europäischen Zentralbank (EZB) zur Verlagerung von Geschäften erkundigt. »Manche haben uns mehrfach besucht, um ihre Umzugspläne zu diskutieren«, sagte die Chefin der EZB-Bankenaufsicht, Danièle Nouy, gestern. 20 dieser Institute hätten eine Banklizenz im Euro-Raum beantragt.

Banken benötigen für Dienstleistungen wie Einlagen- und Kreditgeschäft in der Europäischen Union rechtlich selbstständige Tochterbanken mit Sitz in einem EU-Staat. Der britische Beschluss zum EU-Austritt setzt Institute in London unter Druck, sich neu zu orientieren. Bis Ende März 2019 soll der Brexit vollzogen sein.

Die Schätzungen, wie viele Banker aus London nach Frankfurt kommen könnten, gehen weit auseinander. Sie reichen von einigen Tausend bis hin zu Zehntausenden. Etliche ausländische Banken, etwa aus Japan, haben sich bereits auf Frankfurt als künftigen Standort festgelegt.

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