26. Februar 2019, 20:13 Uhr

Opel fährt wieder Gewinne ein

26. Februar 2019, 20:13 Uhr
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Von DPA
Opel will nach Gewerkschaftsinformationen die Produktion in seinem Stammwerk Rüsselsheim drastisch zurückfahren. (Foto: dpa)

Rüsselsheim/Rueil-Malmaison (dpa). Nach 18 verlustreichen Jahren hat der Autobauer Opel erstmals wieder einen Gewinn eingefahren. Das erste volle Geschäftsjahr unter Führung der neuen Konzernmutter PSA aus Frankreich endete mit einem operativen Gewinn von 859 Millionen Euro, wie PSA-Chef Carlos Tavares am Dienstag in Rueil-Malmaison bei Paris berichtete. Aus der 2018er-Kennzahl sind aber Zinsen, Steuern und einmalige Sanierungskosten herausgerechnet. Ungeachtet der positiven Zahlen geht der Streit um die Zukunft der deutschen Standorte weiter.

Die frühere General-Motors-Tochter Opel hatte mit ihrer britischen Schwestermarke Vauxhall 1999 letztmals einen Jahresgewinn ausgewiesen und in der »dunklen Periode« rund 19 Milliarden Euro Verlust angehäuft, betonte Tavares. Von August bis Dezember 2017 gab es einen Verlust von 179 Millionen Euro. PSA mit den Stamm-Marken Citroën, Peugeot und DS führt Opel seit August 2017. Opel habe mit seinem Sanierungsplan die Grundlage für eine nachhaltige Zukunft gelegt und werde »weiteres Potenzial freisetzen«, erklärte der Konzernchef.

Ungewissheit für deutsche Werke

Die IG Metall forderte Opel nach den Gewinnmeldungen auf, nun Klarheit über die Auslastung der deutschen Werke zu schaffen. »Der ausgewiesene operative Gewinn von 859 Millionen Euro muss jetzt Ausgangspunkt dafür sein, endlich mit den Betriebsräten über die dringend notwendigen Investitionen für Rüsselsheim, Kaiserslautern und Eisenach zu verhandeln«, verlangte der Chef des Gewerkschaftsbezirks Mitte, Jörg Köhlinger. Betriebsräte und die Beschäftigten wüssten weiterhin nicht, wie die mittelfristige Planung für die Werke aussehe und mit welchen Modellen und Teilen die Standorte ausgelastet werden sollen.

»Der Opel-Blitz strahlt wieder kräftig. Opel ist wieder eine Gewinnermarke«, jubelte der deutsche Opel-Chef Michael Lohscheller in Rüsselsheim. Nach Abzug der Restrukturierungskosten bleibe ein operativer Gewinn von rund 280 Millionen Euro, relativierte Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer die Zahlen. Der Direktor des Car-Instituts an der Universität Duisburg-Essen lobte die bereits erreichten Kostenreduzierungen, die allerdings erst die Hälfte des Weges bedeuteten. »Opel hat weiterhin ein Absatzproblem, das sieht man am unverändert hohen Anteil der Eigenzulassungen.« Privatleute entschieden sich immer seltener für einen fabrikneuen Opel. Auch müssten die im Vergleich zu Peugeot nach wie vor höheren Personalkosten weiter sinken.

Unter der neuen Muttergesellschaft soll Opel wieder nach Russland zurückkehren. PSA will außerhalb von Europa in den nächsten Jahren deutlich mehr Autos verkaufen, dazu werde Opel in Russland, Peugeot in Nordamerika und Citroën in Indien antreten, teilte der französische Konzern weiter mit. Opel will ausschließlich mit neuen Modellen auf den russischen Markt zurück.

Tavares griff wegen der Probleme beim geplanten Teilverkauf des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums die IG Metall an. Er warf der Gewerkschaft vor, den Plan für einen Übergang von 2000 Leuten zum Ingenieurdienstleister Segula zu blockieren und damit letztlich die Jobs zu gefährden.

Es fehle an Absicherungen für die Arbeitnehmer, erklärte dazu ein Sprecher der IG Metall in Frankfurt. So müssten die Wechsler zu Segula wie die rund 5000 verbleibenden Opel-Ingenieure vor Entlassungen bis zum 30. Juni 2023 geschützt werden. Dazu gehöre auch eine Regelung für den Fall eines wirtschaftlichen Misserfolges der Segula GmbH. Dieses Risiko dürfe nicht auf die Arbeitnehmer abgewälzt werden. Nach Angaben beider Seiten ist für den Segula-Deal eine Einigungsstelle zwischen Unternehmen und Betriebsrat eingesetzt, der ein ehemaliger Arbeitsrichter vorsitzt.

Mit Sorgen blickt das Unternehmen zudem auf den möglichen Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union. »Natürlich ist die fehlende Planungssicherheit in Großbritannien eine Belastung für die gesamte Branche«, sagte Lohscheller. »Sollten künftig Zölle erhoben werden, würden natürlich die Kosten in unseren britischen Werken steigen. In diesem Fall müssten wir dann auch unsere Preise anpassen.«



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