25. Oktober 2017, 22:33 Uhr

Obstbauer Edeka, Metzger Rewe

Edeka, Rewe und Co. beschränken sich längst nicht mehr darauf, Ware zu verkaufen. Sie produzieren immer öfter selbst. Das bringt nicht nur zusätzliche Einnahmen. Eine Großer spielt allerdings nicht mit.
25. Oktober 2017, 22:33 Uhr
Bananen werden wohl in Zukunft nicht aus eigener Produktion stammen, aber immer mehr Lebensmittelhändler setzen auf eigene Produktionsstätten. Einzig Discounter Aldi zeigt sich zurückhaltend. (Foto: dpa)

Edeka geht unter die Obstbauern, Lidl produziert Eiscreme, Rewe backt sein eigenes Brot: Immer häufiger beschränken sich die großen deutschen Lebensmittelhändler nicht mehr darauf, die Produkte anderer zu verkaufen – sie werden selbst zum Produzenten. Vorreiter ist dabei Deutschlands größter Lebensmittelhändler Edeka.

Die Kette aus Hamburg verfügt inzwischen über 17 eigene Fleischwerke, 16 Backbetriebe, eine Weinkellerei und eine Fruchtsaftproduktion. Erst im vergangenen Sommer kaufte Edeka auch noch eine Obstplantage in Mecklenburg-Vorpommern mit einer Fläche von 200 Hektar hinzu. »Damit reduzieren wir die Abhängigkeit von der Industrie, erhöhen unsere Flexibilität und sichern die langfristige Warenversorgung unserer Kaufleute ab«, begründet das Unternehmen diese Strategie.

Doch ist Edeka damit nicht allein. Konkurrent Rewe hat ebenfalls vier eigene Produktionsstätten für Fleisch- und Wurstwaren und erzielt damit einen Umsatz von rund 600 Millionen Euro. Die eigene Bäckerei liefert weitere 172 Millionen Euro an Erlösen. Abgerundet wir das Made-by-Rewe-Sortiment durch eine Blumenerdeproduktion im niedersächsischen Warenholz.

Die eigene Herstellung erlaube eine schnellere Reaktion auf Veränderungen im Markt, heißt es bei Rewe. Außerdem biete sie Vorteile in der Wertschöpfung. Zu Deutsch: Sie bringt am Ende mehr Gewinn als der bloße Weiterverkauf von zugelieferten Produkten anderer Hersteller.

Auch die Schwarz-Gruppe (Lidl, Kaufland) produziert selbst Mineralwasser und Erfrischungsgetränke, Fleisch- und Wurstwaren, Backwaren, Schokolade und Trockenfrüchte. Erst vor Kurzem nahm die Unternehmensgruppe außerdem eine eigene Eiscreme-Fabrik in Betrieb. Lidl wolle sich damit »unabhängiger machen von bisherigen Handelsmarken-Lieferanten«, schreibt die »Lebensmittel Zeitung«.

Einzig der Discounter Aldi zeigt sich bislang zurückhaltend. Zwar betreibt Aldi Süd seit Jahrzehnten zwei Röstereien, um die Kunden günstig mit Kaffee versorgen zu können. Aldi Nord verzichtet sogar ganz auf eigene Produktionsbetriebe.

Für den Marketing-Experten Martin Fassnacht von der Wirtschaftshochschule WHU ist der Trend zur eigenen Herstellung sehr gut nachvollziehbar. »Die eigenen Produktionsbetriebe steigern die Gewinne der Lebensmittelhändler. Denn Edeka, Rewe und Co. können dadurch auch noch einen Anteil vom Gewinn kassieren, der sonst an die Hersteller geht«, erklärt er.

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