02. Juli 2019, 21:34 Uhr

Mit Musik kauft es sich leichter

Hintergrundmusik ist heute in Supermärkten und im Modehandel allgegenwärtig. Sie wird eigens für Händler produziert, soll eine Wohlfühlatmosphäre schaffen und das Geschäft ankurbeln. Doch wie wirkt sich der richtige Sound beim Einkaufen aus?
02. Juli 2019, 21:34 Uhr
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Von DPA
Beim Einkaufen ertönt häufig Musik aus den Lautsprechern in Supermärkten und im Modehandel. Rewe hat mit Radio Max sogar ein eigenes Supermarktradio. (Foto: dpa)

Ob im Rewe-Supermarkt, im Ikea-Möbelhaus oder beim Textildiscounter Kik: Hintergrundmusik ist heute in den meisten Einzelhandelsgeschäften und Restaurants eine Selbstverständlichkeit. Für die einen ist sie unverzichtbarer Bestandteil einer guten Einkaufsatmosphäre, für die anderen ein akustisches Ärgernis. Doch beide Einschätzungen greifen zu kurz. Denn Musik in den Läden soll in erster Linie eins: Dafür sorgen, dass Verbraucher mehr Geld ausgeben.

»Mit Musik kann man viel erreichen«, betont Monika Imschloß, Junior-Professorin für Marketing und Handel an der Universität Köln. Studien belegten, dass das Tempo der Musik in den Läden das Einkaufstempo beeinflusse. »Wenn man langsame Musik spielt, bleiben die Leute länger.« Auch das Einkaufsverhalten selbst könne verändert werden. So habe eine andere Untersuchung gezeigt, dass französische Musik im Hintergrund den Verkauf von französischem Wein angekurbelt habe.

Kein Wunder, dass Hintergrundmusik für viele Händler ein großes Thema ist. Deutschlands zweitgrößter Lebensmittelhändler Rewe hat mit Radio Max sogar ein eigenes Supermarktradio, das die Rewe- und Penny-Filialen, aber auch einige andere Händler mit seinen Programmen versorgt. »Das Einkaufen ist oft eine hektische Angelegenheit - nach der Arbeit müssen auf dem Weg nach Hause schnell noch ein paar Sachen besorgt werden. Da muss man den Kunden abholen und entschleunigen - eine Wohlfühlatmosphäre schaffen«, beschreibt Claudia Herbst, Programmdirektorin bei Radio Max, die Herausforderung.

Doch bietet das Supermarktradio natürlich auch ein hervorragendes Werbeumfeld. In kurzen Werbespots könnten hier noch direkt vor dem Regal Kaufimpulse gegeben werden, erklärt Herbst. Dadurch seien Absatzsteigerungen von durchschnittlich 25 Prozent möglich. Die Auswahl der Musik für die Supermarktradios ist jedoch eine Kunst für sich. Wichtig sei es, Titel zu finden, die nicht polarisierten, betont Herbst. Volksmusik, Rap oder Heavy Metal seien da eher schwierig. Auch nervige, schrille Klänge kämen nicht infrage.

Doch Radio Max ist nicht allein am Markt. Auch Wettbewerber wie Radio P.O.S., Mood Media, Ketchup Musik oder Echion beliefern Tausende von Läden in Deutschland mit speziell ausgewählter Musik - und versprechen den Händlern spürbare Effekte. Ketchup Music etwa verspricht auf seiner Website »perfekte Hintergrundmusik für mehr Umsatz« und ist überzeugt: »Der richtige Sound lässt die Kassen klingeln.«

Radio P.O.S., das nach eigenen Angaben unter anderem Edeka, Deichmann, Fressnapf und Obi zu seinen Kunden zählt, verspricht den Händlern, eine verbraucherorientierte Wohlfühlatmosphäre zu schaffen. Echion beliefert unter anderem die Textildiscounter Kik und Takko, aber auch Real und Ikea mit Hintergrundambiente. Programmchef Stephan Dewes setzt dabei gerne nicht nur auf Musik, sondern auch auf abgestimmte Videoeinspielungen oder ausgewählte Düfte.

Allerdings sehen das nicht alle so. Der Verein »LautsprecherAUS!« etwa wehrt sich im Internet gegen »allgegenwärtige Musikberieselung«. Er fordert die »Anerkennung eines Rechts auf Ruhe im öffentlichen Raum«, zu dem er auch Geschäfte, Restaurants, Hotels und Arztpraxen zählt. Ob er sich damit durchsetzen kann, darf erst einmal bezweifelt werden.

Dass das Verkaufen auch ohne Musikberieselung ganz gut funktionieren kann, zeigen aber zwei der erfolgreichsten deutschen Lebensmittelhändler. Denn Aldi und Lidl setzen noch immer auf ein wenig Ruhe.



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