Wirtschaft

Minuszins bei Riester-Sparplan

Frankfurt/Tübingen (dpa). Millionen Menschen sorgen mit Riester-Verträgen fürs Alter vor. Was aber, wenn der Anbieter sein ursprüngliches Zinsversprechen nicht einhält und plötzlich Minuszinsen einpreist? Der Fall eines Kunden der Kreissparkasse Tübingen beschäftigt das dortige Landgericht. Am Freitag verkündete das Gericht seine Entscheidung.
29. Juni 2018, 22:16 Uhr
DPA
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Frankfurt/Tübingen (dpa). Millionen Menschen sorgen mit Riester-Verträgen fürs Alter vor. Was aber, wenn der Anbieter sein ursprüngliches Zinsversprechen nicht einhält und plötzlich Minuszinsen einpreist? Der Fall eines Kunden der Kreissparkasse Tübingen beschäftigt das dortige Landgericht. Am Freitag verkündete das Gericht seine Entscheidung.

? Wie hat das Gericht entschieden?

Die Klage der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg hatte keinen Erfolg. Das Landgericht hält die Zinsgestaltung der Sparkasse für transparent und konnte keine »unangemessene Benachteiligung von Verbrauchern« erkennen. Obwohl der Grundzins bei dem strittigen Produkt inzwischen negativ geworden sei, habe der von der Bank zusätzlich gewährte Bonuszins ein Zahlen aus den Sparverträgen der Kunden verhindert.

? Worum ging es in dem konkreten Fall?

Gestritten wurde um den Riester-Banksparplan »VorsorgePlus«, den mehrere Sparkassen in Deutschland anbieten. Im vergangenen August hatte die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg die Kreissparkasse Tübingen abgemahnt, weil das Bank- institut damals für das Produkt einen Grundzins von minus 0,5 Prozent auswies. Der Grund: Die Sparkasse verrechnete den zugesagten positiven Staffelzins mit dem aktuell negativen variablen Zins. Das hält die Verbraucherzentrale Baden-Württemberg für rechtswidrig.

? Wie ist die Position der Sparkasse?

Die Kreissparkasse hatte sich gegen die Kritik gewehrt: Keinem Kunden würden tatsächlich Minuszinsen in Rechnung gestellt. Die Grundverzinsung werde mit den zusätzlichen, fest vereinbarten Bonuszinsen der Banksparpläne verrechnet. Alle Kunden der Sparkasse erhielten deshalb aktuell unter dem Strich positive Zinsen.

? Warum erheben Banken und Sparkassen überhaupt Negativzinsen?

Die Institute geben einen Teil der Kosten weiter, die die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) bei ihnen verursacht. Zwar bekommen Banken frisches Zentralbankgeld weiterhin zu null Prozent Zinsen. Zugleich jedoch müssen sie aufpassen, nicht zu viel Geld zu horten, das zum Beispiel über Einlagen von Kunden reinkommt: Denn für überschüssige Liquidität, die bei der EZB geparkt wird, verlangt die Notenbank 0,4 Prozent Strafzinsen.

? Ist ein Ende der Zinsflaute in Sicht?

Nein. Das oberste Entscheidungsgremium der EZB, der EZB-Rat, legte sich bei seiner jüngsten Sitzung Mitte Juni fest, dass die Zinsen mindestens »über den Sommer 2019« auf dem aktuellen Rekordtief verharren werden. Sparzinsen bleiben also vorerst mickrig.

? An welche Kundengruppen geben Banken Negativzinsen weiter?

Minuszinsen sind längst kein Tabu mehr. Vor allem trifft es Firmenkunden und Profianleger wie Versicherungen und Pensionsfonds. Wenn sie Gelder der Bank überlassen, müssen sie häufig draufzahlen, statt Zinserträge zu kassieren. Die Branche scheute aber davor zurück, Privatkunden in großem Stil mit Negativzinsen zu belasten. (Foto: dpa)

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/ueberregional/mantelredaktion/wirtschaft/Wirtschaft-Minuszins-bei-Riester-Sparplan;art480,452924

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