14. September 2017, 22:14 Uhr

Merkel mahnt Autobauer

14. September 2017, 22:14 Uhr
Blick in die Zukunft: Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) und Daimler-Vorstandsvorsitzender Dieter Zetsche bei ihrem Eröffnungsrundgang der IAA vor einem Elektro-Konzept-Fahrzeug namens EQ A. (Foto: dpa)

Frankfurt/Main (dpa). Kanzlerin Angela Merkel (CDU) hat die Autoindustrie nach dem Vertrauensverlust durch den Abgasskandal zu starken Investitionen in neue Antriebe aufgefordert. Es führe kein Weg daran vorbei, dass »noch auf Jahrzehnte« effiziente und sparsame Verbrennungsmotoren gebraucht würden, sagte sie gestern bei der Eröffnung der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt. Zugleich müsse aber »mehr denn je« in Forschung und die Entwicklung neuer Antriebstechnologien investiert werden. Die deutsche Branche räumte erneut Fehler ein und bekannte sich zu Abgasinnovationen.

Politik fördert alternative Motoren

Merkel rief die Autoindustrie zu Lehren aus dem Abgasskandal auf. Unternehmen hätten »Regelungslücken exzessiv ausgenutzt«. Damit hätten sie sich nicht nur selbst Schaden zugefügt, »sondern vor allem auch Verbraucher und Behörden getäuscht und enttäuscht«. Auch wenn dies nur eine Minderheit der Branche betreffe, müsse diese »alles daran setzen, Glaubwürdigkeit und Vertrauen so schnell wie möglich zurückzugewinnen«.

Gerade im Verkehrsbereich gehe wegen des Klimaschutzes kein Weg an Veränderungen vorbei, betonte Merkel. »Uns muss der Wandel hin zu emissionsfreier Mobilität gelingen.« Dabei gelte: »Wir wollen, dass Deutschlands Automobilindustrie auch in zehn oder 15 Jahren innovativ und stark ist.« Dass bei Elektro- und Hybridantrieben weltweit etwa jedes dritte Patent aus Deutschland stamme, lasse auf wachsende Marktanteile hiesiger Hersteller hoffen. Die Kanzlerin hob die große Bedeutung der Schlüsselindustrie für Beschäftigung und Wachstum hervor. »Wir wissen, was unser Land an Ihrer Branche hat.«

Um die Luftverschmutzung zu reduzieren und Fahrverbote zu vermeiden, müssten die deutschen Autobauer zugesagte Software-Updates bei weiteren 2,8 Millionen Dieseln zügig aufspielen. Merkel mahnte, dass auch ausländische Marken, von denen drei Millionen Dieselwagen auf den Straßen seien, einen »substanziellen Beitrag« zur Lösung der Probleme leisten müssten. Sie verwies auf das Spannungsfeld, sowohl das Klimagas CO2 als auch Stickoxide zu reduzieren.

Die Bundesregierung kündigte außerdem an, wegen des Diesel-Skandals die Entwicklung alternativer Motoren und Kraftstoffe zusätzlich zu fördern. Noch in diesem Herbst soll ein Programm starten, für das allein das Wirtschaftsministerium nach eigenen Angaben bis Ende 2020 mindestens 20 Millionen Euro pro Jahr bereitstellt.

Der Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA), Matthias Wissmann, sprach auf der IAA von »gravierenden Fehlern« in einzelnen Unternehmen, die nicht hätten passieren dürfen. Diesen werde mit aller Konsequenz nachgegangen. »Wir sind uns bewusst, dass Vertrauen verloren gegangen ist. Dies zurückzugewinnen, ist unser zentrales Anliegen.« Pauschale Urteile über die Autoindustrie seien aber nicht gerechtfertigt. Wissmann betonte: »Der moderne Diesel gehört zu einem zukunftsfähigen und nachhaltigen Antriebsmix dazu.« Zugleich verharre niemand in der Branche im Status quo. Wegen der großen Dimension sei es wichtig, die technologische Transformation »politisch klug zu flankieren«. Wissmann kritisierte außerdem die im internationalen Vergleich aus seiner Sicht sehr strengen europäischen Stickoxid-Grenzen.

Der Umweltverband Greenpeace protestierte beim Merkel-Rundgang gegen Diesel-Pkw. Diese seien die Hauptquelle des Atemgifts Stickstoffdioxid (NO2) im Straßenverkehr. Die auf der IAA angekündigten E-Autos kämen vielfach erst in einigen Jahren auf den Markt, während viele Hersteller weiterhin vor allem große Geländewagen und Limousinen mit Dieselmotor verkauften.

Die Automobilindustrie ist die deutsche Schlüsselbranche mit zuletzt rund 871 000 Beschäftigten. Sie hat ihr Gewicht in der deutschen Wirtschaft in den vergangenen zehn Jahren deutlich gesteigert. Ihr Anteil an der gesamten Bruttowertschöpfung hierzulande lag 2015 bei 4,5 Prozent – im Jahr 2005 waren es noch 3,4 Prozent gewesen. Das teilte das Statistische Bundesamt gestern mit.

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