26. November 2018, 19:28 Uhr

Kein flächendeckender 5G-Ausbau

26. November 2018, 19:28 Uhr
Die Bundesnetzagentur legt heute Vergaberegeln fest, auf deren Basis im Frühjahr 2019 5G-Frequenzen versteigert werden sollen – bis Ende 2022 sollen mindestens 98 Prozent der Haushalte in Deutschland Zugang zum schnellen Mobilfunk haben. (Foto: dpa)

Berlin/Bonn (dpa). Das ultraschnelle mobile Internet 5G ist noch Zukunftsmusik, abgesehen von einigen Feldversuchen. Doch langsam nimmt der 5G-Zug Fahrt auf. Die Bundesnetzagentur startete gestern das Zulassungsverfahren für die Frequenzauktion für die fünfte Mobilfunkgeneration. Zuvor hatte sich der Beirat der Behörde auf die Versorgungsrichtlinien verständigt.

? Was genau ist 5G? Warum ist die Technologie so wichtig?

Das Kürzel steht für 5. Mobilfunkgeneration. Die zweite Generation (GPRS bzw. EDGE) startete 1992, 3G (UMTS) 2004, 4G (LTE) 2010. Nun also der nächste Sprung. Ein Download-Tempo von 10 Gigabit pro Sekunde könnte erreicht werden und damit grob gesagt 100-mal schneller als bei gutem LTE-Download. Wichtig ist auch die sogenannte Latenzzeit, also die Verzögerung bei der Übertragung – die könnte nur bei einer Millisekunde liegen und damit fast in Echtzeit. Sie soll die Wettbewerbsfähigkeit des Wirtschaftsstandorts Deutschland sichern. Bisher ist Deutschland in Sachen schnelles Internet hinten dran, mit dem neuen Standard könnte das anders werden – die Bundesrepublik solle zum »Leitmarkt« für 5G werden, heißt es im Koalitionsvertrag der Bundesregierung.

? Was hat die Bundesnetzagentur jetzt entschieden?

Sie hat am Montag die endgültigen Vergabebedingungen für die 5G-Frequenzauktion verabschiedet. Die Provider, also die Deutsche Telekom, Vodafone und Telefónica, müssen demnach schärfere Auflagen erfüllen als die Netzagentur noch vor Monaten vorgesehen hatte. 98 Prozent der Haushalte in Deutschland sollen bis Ende 2022 Zugang zu schnellem mobilen Internet bekommen, auch Autobahnen, Bund- und Landstraßen sowie alle Zugstrecken und wichtige Wasserstraßen sind in der Versorgungsverpflichtung mit drin, teilweise liegt hier die Frist bei Ende 2024. Verschärft wurden auch die Verpflichtungen, über ein Roaming zu verhandeln. Der Beirat der Netzagentur – 32 Vertreter des Bundestags und der Bundesländer – konnte sich allerdings nicht einvernehmlich auf die Richtlinien verständigen. Grüne und FDP votierten dagegen.

? Wird 5G in Deutschland flächendeckend eingeführt?

Schnelles Internet überall – das klingt verlockend. Daher forderten Politiker verschiedener Couleur eine 5G-Abdeckung auch auf dem Land, damit sich auch dort Firmen ansiedeln und Jobs entstehen. Die Unternehmen verweisen darauf, dass eine hundertprozentige Flächenabdeckung wahnsinnig teuer ist und technisch oft gar nicht notwendig. Der flächendeckende Ausbau ist nun auch keine Bedingung der Bundesnetzagentur. Allerdings dürfen Firmen, Universitäten und andere Organisationen selbst lokale 5G-Netze errichten, wenn die Provider keines anbieten.

? Öffnet die Bundesnetzagentur die Tür für einen weiteren Marktteilnehmer?

Vermutlich nein, denn es wurde kein »nationales Roaming« verpflichtend vorgeschrieben. Neueinsteiger wie United Internet (1&1) hatten entschieden diese Vorgabe gefordert, denn damit hätten sie mit einem kleinen eigenen 5G-Netzwerk starten – und gleichzeitig auch bundesweit verfügbar sein können. Auch die Politik wertete das »nationale Roaming« großteils positiv, da durch den Neueinsteiger mehr Wettbewerb entstünde und die Preise für die Verbraucher fielen, so das Kalkül. Die Netzagentur entschied sich dagegen – verlangt aber ein »Verhandlungsgebot«. Verhandelt ein alteingesessener Netzbetreiber also nicht mit dem Neueinsteiger, könnte die Regulierungsbehörde intervenieren und Bußgelder verhängen.

? Wie sieht die Nutzung von 5G in der nahen Zukunft aus?

Im kommenden Frühjahr soll die Auktion der Frequenzen über die Bühne gehen, danach würde der 5G-Ausbau starten. Aus der großen Koalition gibt es Forderungen, vorher noch das Telekommunikationsgesetz zu ändern. Unions-Fraktionsvize Ulrich Lange kündigte an, bei der Mobilfunkversorgung für alle Bürger nachzubessern. Bis 5G bei den Verbrauchern ankommt, wird es noch dauern. Zum einen sind noch keine 5G-tauglichen Geräte zu kaufen. Und die ersten Verträge dürften auch erst 2020 zu kaufen sein.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Bundesnetzagentur
  • Deutsche Telekom AG
  • Deutscher Bundestag
  • FDP
  • Funklöcher
  • Große Koalition
  • Marktteilnehmer
  • Mobiles Internet
  • Telefónica
  • United Internet
  • Vodafone
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen

Kommentar schreiben - Ihre Meinung zum Thema ist gefragt


Kommentare werden erst nach einer Prüfung durch die Redaktion veröffentlicht. Bitte beachten Sie die Netiquette sowie die Hinweise nach dem Absenden Ihres Beitrags.


Überschrift
Meine Meinung





Sie haben noch kein Login? Jetzt kostenlos registrieren.

Registrieren Sie sich kostenlos um Ihren Kommentar abzuschließen:

Wir garantieren Ihnen, dass alle persönlichen Daten nur beim Verlag intern verwendet werden und nicht ohne Zustimmung an Dritte weitergegeben werden.


Bitte beantworten Sie noch die folgende Sicherheitsfrage:
Wieviel ist 31 - 1: 




Sie sind bereits registriert? Zurück zum Login.