17. August 2018, 21:56 Uhr

Ist Monsanto die Katze im Sack?

17. August 2018, 21:56 Uhr
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Von DPA
Seit der Übernahme durch Bayer wird ein Skandal nach dem anderen über den US-Saatgutriesen Monsanto zu Tage gebracht. Nach Einschätzung des Pharmaexperten Olaf Tölke, habe Bayer Risiken vor dem Kauf einkalkuliert. (Foto: dpa)

Leverkusen/St. Louis (dpa). Bayer-Chef Werner Baumann hat mit der Übernahme des US-Saatgutriesen Monsanto Finanzgeschichte geschrieben, doch nun wachsen die Zweifel an der von Beginn an umstrittenen Fusion. »Mit dieser Transaktion schaffen wir erheblichen Wert für die Aktionäre, unsere Kunden, Mitarbeiter und für die Gesellschaft insgesamt«, versprach Baumann, als er den Deal vor rund zwei Jahren mit seinem Monsanto-Pendant Hugh Grant besiegelte. Doch bislang bereitet die fast 63 Milliarden Dollar teure Tochter – der bisher teuerste Auslandszukauf eines deutschen Konzerns – nichts als Ärger.

Mit Blick auf die rechtlichen Risiken, die Bayer sich mit dem Zukauf aufgehalst hat, scheinen sich die schlimmsten Befürchtungen zu bewahrheiten. In den USA wurde Monsanto vor einer Woche wegen angeblich vorsätzlich verschwiegener Risiken seiner Unkrautvernichter verurteilt, 289 Millionen Dollar Schadensersatz an einen Krebspatienten zu zahlen. Wenige Tage später folgte der nächste Schock: Monsantos Antrag, den Glyphosat-Unkrautvernichter Round-up in Kalifornien von einer Liste krebserregender Chemikalien zu nehmen, wurde endgültig abgelehnt.

An der Börse fielen die Reaktionen heftig aus. Seit Anfang der Woche büßten Bayer-Aktien rund 18 Prozent ein, das entspricht 15,7 Milliarden Euro an Börsenwert. Auch längerfristig sieht es nicht gut aus: Vor Ankündigung der Monsanto-Fusion lag der Aktienkurs von Bayer 2015 zwischenzeitlich bei fast 144 Euro. Gemessen daran hat sich der Wert des Papiers auf zuletzt rund 77 Euro fast halbiert.

Doch erst die harte Strafe im ersten US-Prozess um Monsantos umstrittene Produkte ließ Anleger so richtig erschaudern – auch wenn sich der Kurs am Freitag etwas erholte. »Die Börse hat mit dem Urteil zum ersten Mal eine Zahl präsentiert bekommen, an der sie die Risiken festmachen kann. Das führte dann offenbar erst mal zu einer Verkaufspanik«, sagt Jürgen Kurz, Sprecher des Anlegerschutzvereins DSW.

Das war Bayer indes nur bedingt möglich. Denn einen vollständigen Überblick über Monsanto kann sich der Leverkusener Konzern erst seit Donnerstag verschaffen: Damit die Kartellbehörden die Übernahme genehmigten, verpflichteten sie Bayer zum Verkauf großer Teile seines Saatgutgeschäfts an den Konkurrenten BASF. Bis zum Abschluss dieses Verkaufs am Donnerstag mussten Bayer und Monsanto als getrennte Unternehmen geführt werden. Wegen der Auflagen des US-Justizministeriums war Bayer der Zugang zu detaillierten internen Informationen von Monsanto nach eigenen Angaben bisher verwehrt.

»Das ist nicht zu hoffen«, sagt Markus Manns, Fondsmanager bei Union Investment auf die Frage hin, ob Bayer in den internen Unterlagen auf unerwartete Risiken stoßen könnte. »Doch es bleibt eine Tatsache, die Sorgen bereitet.«

Bayer sei von vornherein klar darüber gewesen, dass es sich »mit Monsanto ein Reputationsrisiko ins Haus holen würde«, sagt Olaf Tölke, Pharmaexperte bei der Ratingagentur Scope. Bayer habe das einkalkuliert und für das milliardenschwere Geschäft in Kauf genommen.



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