14. Mai 2019, 22:36 Uhr

Flucht nach vorn

14. Mai 2019, 22:36 Uhr

Berlin (dpa). Milliardenkosten für »Dieselgate«, zigtausende Kundenklagen vor Gericht, Anklagen und Untersuchungen gegen ehemalige Vorstände - das sind nur einige der Schlagzeilen, die den weltgrößten Autobauer Volkswagen auch mehr als drei Jahre nach dem Auffliegen der Dieselmanipulationen nicht loslassen. Aktionäre sparten daher auf der Hauptversammlung in Berlin am Dienstag nicht mit Kritik, auch wenn VW mit seinen Geschäftszahlen in der aktuellen Branchenflaute und angesichts der milliardenschweren Herausforderungen noch vergleichsweise gut dasteht.

»Volkswagen ist weiter getrieben durch die Justiz«, kritisierte Fondsmanager Ingo Speich von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka, die auch Musterklägerin im Anlegerverfahren um eine angeblich zu späte Information des Kapitalmarkts ist. Zahlreiche weitere Anleger kritisierten unter anderem die Besetzung des Aufsichtsrates und die in ihren Augen zu geringen Dividendenaufschläge für die Vorzugsaktionäre, die im Gegenzug für den Verzicht auf ihr Stimmrecht mehr Ausschüttung sehen wollen. Sowohl die Deka als auch die Deutsche-Bank-Fondstochter DWS wollten Vorstand und Aufsichtsrat mit nur punktuellen Ausnahmen nicht entlasten. Allerdings ist die Macht im Konzern klar verteilt. Die Eigentümerfamilien Porsche und Piëch halten mehr als die Hälfte der Stimmrechte, das Land Niedersachsen weitere 20 Prozent. Die im DAX notierten Vorzugsaktien haben kein Stimmrecht. Am Abend wurden Vorstand und Aufsichtsrat wie erwartet mit großer Mehrheit entlastet. Die Entlastung für den früheren Audi-Chef Rupert Stadler wurde wegen der Untersuchung im Dieselskandal wie geplant vertagt.

Mit »Vehemenz« will Diess den Blick der Öffentlichkeit auf die Zukunft des Konzerns richten - die in der Elektromobilität liegen und dem Konzern damit auch einen grünen Anstrich geben soll. Auch gegen Widerstände in der Automobilbranche will er die Politik auf den reinen Elektroantrieb einschwören. »Auf absehbare Zeit gibt es keine Alternative zum batterieelektrischen Antrieb«, sagte Diess.

Am Abend vor der Aktionärsversammlung schnürte das Unternehmen ein Paket an Maßnahmen: der milliardenschwere Einstieg in die Batteriezellenfertigung in Salzgitter und der nun doch recht zügig in Aussicht gestellte Börsengang der Lkw- und Bustochter Traton. Wirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) zeigte sich zufrieden: »Meine Initiative für eine Batteriezellfertigung in Deutschland und Europa zeigt den nächsten großen Erfolg«, erklärte er.

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