27. Mai 2019, 20:26 Uhr

Fiat Chrysler will mit Renault fusionieren

27. Mai 2019, 20:26 Uhr
Das Angebot kommt offenbar nicht überraschend, ist aber trotzdem ein klares Statement: Eine mögliche Fusion zwischen Fiat Chrysler und Renault würde die bisherigen Marktführer zumindest unter Druck setzen. (Foto: dpa)

London/Boulogne-Billancourt (dpa). Fiat Chrysler will mit Renault fusionieren und zum weltweit drittgrößten Autohersteller aufsteigen. Die neue Gigant würde die Marktführer Volkswagen und Toyota herausfordern. Der französische Staat, der 15 Prozent an Renault hält, signalisierte am Montag sein Wohlwollen für den Milliardendeal. Auch Renault selbst reagierte mit Interesse auf die Offerte des italienisch-amerikanischen Konzerns. Fiat Chrysler (FCA) schlug vor, dass beide Unternehmensgruppen je die Hälfte an der neuen Gesellschaft halten. Durch die Fusion erhoffen sich die Konzerne jährliche Einsparungen von fünf Milliarden Euro. Zusammen würden sie auf 8,7 Millionen Fahrzeuge im Jahr kommen. Aus Sicht von Experten zeigt die Ankündigung von Fiat Chrysler einmal mehr den Druck, den der Wandel in der Branche auf die Hersteller ausübt. »Es gibt einen enormen Zwang zu Kooperationen«, sagte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management in Bergisch Gladbach. Elektromobilität und autonomes Fahren kosten derart viel Geld, dass sich selbst Hersteller vom Kaliber eines Daimler oder BMW keinen Alleingang zutrauen. Dazukommt im konkreten Fall: Fiat Chrysler braucht dringend einen Technologiepartner, Renault wiederum kämpft gegen das Auseinanderdriften der Allianz mit Nissan und Mitsubishi.

FCA-Chef Mike Manley schrieb an die Mitarbeiter: »Auch wenn es noch keine Sicherheit gibt, dass die Operation vollzogen wird, wollen wir so schnell wie möglich voranschreiten, um ein definitives Abkommen mit der Renault-Gruppe zu schließen.« Die Wolfsburger hielten sich bedeckt: VW wollte die Ankündigung der Konkurrenten nicht kommentieren.

Unerwartet kommt die Offerte nicht: Es habe bereits Gespräche zwischen beiden Unternehmen gegeben, um Produkte und Regionen für eine Zusammenarbeit zu identifizieren, berichtete Fiat Chrysler und versicherte, es sollten keine Fabriken geschlossen werden. Die französische Regierung pocht auf Bedingungen. So solle bei einem Zusammenschluss die Allianz von Renault mit Nissan und Mitsubishi bewahrt und gestärkt werden. Renault hatte sich enger an Nissan binden wollen und eine Fusion angestrebt. Nissan-Chef Hiroto Saikawa machte aber deutlich, dass man einen Zusammenschluss für unnötig halte.

Branchenkenner warnen bei der geplanten Fusion vor Problemen. So wie es Opel mit der PSA-Gruppe erging, könne Fiat unter die Räder kommen, meinte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Eine Gefahr durch den möglichen Branchenriesen für Volkswagen sehen Experten eher nicht. Eher würden die kleinen Hersteller wie Ford in Europa unter Druck gesetzt.

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