14. Juni 2018, 22:24 Uhr

EZB will Anleihenkäufe beenden

14. Juni 2018, 22:24 Uhr
Nach Jahren im Krisenmodus peilt die EZB mit Mario Draghi an der Spitze ein Ende ihrer umstrittenen Anleihenkäufe zum Ende des Jahres 2018 an. (Foto: /dpa)

Frankfurt/Riga (dpa). Nach Jahren im Krisenmodus peilt die Europäische Zentralbank (EZB) ein Ende ihrer umstrittenen Anleihenkäufe zum Jahresende 2018 an. Sparer müssen allerdings noch bis mindestens Sommer 2019 mit dem Zinstief leben. Das machten die Währungshüter nach ihrer auswärtigen Sitzung am Donnerstag in der lettischen Hauptstadt Riga deutlich.

Zunächst will die EZB die Käufe von Staats- und Unternehmensanleihen vorsichtig abschmelzen. Derzeit pumpt die Notenbank pro Monat 30 Milliarden Euro in den Markt. Dabei soll es bis einschließlich September bleiben. Sollte sich die Inflation weiterhin wie zuletzt entwickeln, will die Notenbank von Oktober bis einschließlich Dezember monatlich noch 15 Milliarden Euro in Wertpapiere stecken.

»Es ist sehr zu begrüßen, dass das Kaufprogramm der EZB beendet wird«, lobte ifo-Präsident Clemens Fuest. »Das ist ein wichtiger Schritt in Richtung einer Normalisierung der Geldpolitik.« Der DAX drehte nach Bekanntgabe der EZB-Entscheidung ins Plus.

Eine Hintertür lässt sich die Notenbank jedoch offen. EZB-Präsident Mario Draghi betonte: »Der EZB-Rat ist in jedem Fall bereit, alle seine Instrumente angemessen anzupassen, um sicherzustellen, dass sich die Inflation weiterhin nachhaltig in Richtung des Inflationsziels des EZB-Rats bewegt.«

Unabhängig davon wird die Notenbank auf bislang noch unbestimmte Zeit ein großer Spieler am Anleihenmarkt sein: Gelder aus auslaufenden Papieren werden wieder investiert. Seit Beginn des Kaufprogramms im März 2015 hat die Notenbank Wertpapiere im Gesamtwert von gut 2,4 Billionen Euro erworben. Das viele billige Geld soll der Konjunktur in den 19 Euro-Ländern auf die Sprünge helfen und zugleich die Teuerung anheizen.

Mittelfristig strebt die EZB Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter 2,0 Prozent an. Denn dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben – das könnte die Konjunktur abwürgen.

Im Mai stieg die Jahresinflationsrate im Euro-Raum nach einer ersten Schätzung des Statistikamtes Eurostat getrieben vor allem von höheren Energiepreisen auf 1,9 Prozent. Die EZB erwartet sowohl in diesem Jahr als auch 2019 und 2020 eine Jahresteuerung von 1,7 Prozent.

Bezüglich der Konjunkturaussichten für den Euro-Raum zeigten sich die Währungshüter etwas weniger optimistisch als noch im März. Mit Sorge betrachten die Währungshüter wachsende Handelskonflikte – etwa zwischen den USA und der EU. Im laufenden Jahr traut die EZB dem Euro-Raum 2,1 Prozent Wachstum zu, im März war die Notenbank noch von 2,4 Prozent Plus beim Bruttoinlandsprodukt (BIP) ausgegangen. 2019 soll die Wirtschaft der 19 Länder unverändert um 1,9 Prozent zulegen.

Dass die EZB trotz der jüngsten Konjunkturabkühlung und wachsender Handelskonflikte das Ende der Anleihenkäufe in Aussicht stellt, hat auch damit zu tun, dass das Programm allmählich an Grenzen stößt. In mehreren großen Euro-Ländern nähert sich der Anteil der von der EZB erworbenen Staatsanleihen einem Schwellenwert von einem Drittel aller umlaufenden Schuldtitel. Diese Grenze hat sich die EZB selbst gesetzt, um sich nicht dem Vorwurf ausgesetzt zu sehen, sie betreibe Staatsfinanzierung mithilfe der Notenpresse. (Seite 5)

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