26. Oktober 2017, 22:11 Uhr

EZB halbiert Anleihenkäufe

26. Oktober 2017, 22:11 Uhr

Frankfurt/Main (dpa). Europas Währungshüter läuten den Einstieg in den Ausstieg aus ihrer milliardenschweren Geldschwemme ein. Die Notenbank setzt ihre vor allem in Deutschland umstrittenen Wertpapierkäufe im kommenden Jahr zwar fort, halbiert aber das Volumen, wie die Notenbank am Donnerstag in Frankfurt im Anschluss an eine Sitzung des EZB-Rates mitteilte. Vielen Ökonomen gehen die Beschlüsse allerdings nicht weit genug. Von Januar 2018 an wollen die Währungshüter monatlich Staatsanleihen und andere Wertpapiere für 30 Milliarden Euro kaufen. Das Programm soll bis mindestens Ende September 2018 laufen und damit neun Monate länger als geplant – bis dann veranschlagtes Volumen: 2,55 Billionen Euro. Bis Ende Dezember 2017 steckt die EZB monatlich noch 60 Milliarden Euro in Anleihenkäufe.

Die EZB lässt sich weiterhin die Möglichkeit offen, das Kaufprogramm in Umfang und Dauer auszuweiten, falls die Konjunkturlage sich verschlechtern sollte. Die Notenbank werde die Käufe nicht abrupt stoppen, betonte EZB-Präsident Mario Draghi. Zugleich mahnte er zu Geduld: »Die Wirtschaftserholung ist noch nicht nachhaltig.«

Sparer müssen sich vorerst weiter mit Minizinsen begnügen. Den Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken bei der Notenbank Geld leihen können, beließ das oberste Entscheidungsgremium der EZB erwartungsgemäß auf dem Rekordtief von null Prozent. Finanzinstitute, die Geld bei der Zentralbank parken, müssen dafür weiterhin 0,4 Prozent Strafzinsen zahlen. Eine erste Zinserhöhung könnte Ökonomen zufolge womöglich erst 2019 anstehen.

Nullzins bleibt

Die Börsen reagierten positiv. Der deutsche Leitindex DAX legte nach den Beschlüssen zu und knackte wieder die Marke von 13 000 Punkten. Viele Ökonomen fordern allerdings ein rascheres Ende der Geldschwemme. »Das ist ein Schritt in die richtige Richtung auf eine Normalisierung, aber der Abbau müsste schneller erfolgen«, befand ifo-Präsident Clemens Fuest. Auch ZEW-Experte Friedrich Heinemann betonte: »Die Drosselung ist zu gering ausgefallen. Die EZB kauft zu viel und zu lange.«

Der Präsident des Bundesverbands deutscher Banken, Hans-Walter Peters, warnte, Risiken der ultralockeren Geldpolitik stiegen Zug um Zug: »Insgesamt ist die heutige EZB-Entscheidung daher durchwachsen, frei nach dem Motto: zwei Schritte vor, ein Schritt zurück.« Der Bankenverband VÖB forderte »einen transparenten Fahrplan für eine strengere Geldpolitik«.

Schlagworte in diesem Artikel

  • Anleihenkäufe
  • Europäische Zentralbank
  • Mario Draghi
  • Währungshüter
  • Zentralbanken
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos