02. Januar 2020, 21:52 Uhr

Druck auf Lebensmittelmarkt

02. Januar 2020, 21:52 Uhr

München (dpa). Der Brexit könnte die deutschen Bauern teuer zu stehen kommen. Großbritannien produziert nur rund 60 Prozent seiner Lebensmittel selbst - und importiert deshalb viele Produkte von deutschen Höfen. Deutschland exportiere jährlich Agrargüter im Wert von 4,5 Milliarden Euro und führe britische Produkte lediglich im Wert von 1,3 Milliarden Euro ein, sagte der Vizepräsident des Deutschen Bauernverbandes, Walter Heidl. »Der Handelsbilanzüberschuss beträgt 3,2 Milliarden Euro. Einen solch großen Agrarhandelsüberschuss hat Deutschland mit keinem anderen Handelspartner«, sagte Heidl der dpa.

Das Bundesforschungsinstitut für ländliche Räume erwarte bei einem weichen Brexit einen Rückgang des Überschusses um ein Fünftel, bei einem harten Brexit eine Halbierung. »Wir müssen erreichen, dass die Folgen für die britischen Verbraucher und für die deutsche Landwirtschaft über Handelsabkommen abgefedert werden«, sagte Heidl. Darüber kann laut dem Brexit-Abkommen von Premier Boris Johnson bis Ende 2020 verhandelt werden.

Verdrängungswettbewerb

Nicht nur hohe Zölle bei einem harten Brexit, sondern auch die Zoll- und Veterinärkontrollen bei einem weichen Brexit würden den Export belasten. »Der Brexit erschwert den Handel und es entstehen neue Kosten«, sagte Heidl. »Das kostet alle Beteiligten Zeit und Geld.« Betroffen seien alle Nahrungsmittel, vor allem Schweine- und Geflügelfleisch, aber auch Milch, Rindfleisch und Getreideprodukte. Heidl warnte zudem vor einem Preisverfall als indirekte Auswirkung. Andere EU-Länder könnten nicht mehr wie bisher nach Großbritannien exportieren und böten damit Produkte im EU-Binnenmarkt an.

»Der Brexit wird dazu führen, dass von anderen Ländern Produkte auf den restlichen europäischen Markt gelangen, die bisher nach Großbritannien gekommen sind.« Die Folge seien Verdrängungswettbewerb und Mengendruck. »Und Mengendruck erzeugt immer auch Preisdruck.«

Die Brexit-Folgen treffen die gesamte EU. Die Lebensmittelexporte in der EU nach Großbritannien beliefen sich 2017 auf 41 Milliarden Euro, britische Exporte in die EU auf 17 Milliarden Euro, errechnete der Europäische Vieh- und Fleischhandelsverband (UECBV).

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