02. September 2019, 18:53 Uhr

Das Geschäft mit den Retro-Nischen

02. September 2019, 18:53 Uhr
Der Umsatz mit Kassetten in Deutschland ist im vergangenen Jahr auf unter eine Million Euro gefallen. (Foto: dpa)

Berlin (dpa). Hach ja, damals ... als man noch aufsprang, um den Lieblingssong im Radio mitzuschneiden; als mit selbst zusammengestellten Mixtapes noch Herzen erobert wurden; als der Bandsalat mit Bleistift und Geduld noch mal gebändigt werden konnte. Wer in den 80er oder 90er Jahren aufgewachsen ist, der kommt in Erinnerung an die Musikkassette oft ins Schwärmen. Andere werden nostalgisch, wenn sie an den klobigen Heimcomputer Commodore 64 denken, an die erste Spielekonsole von Nintendo oder die alten Party-Bilder aus der Sofortbild-Kamera.

All diese Multimediaprodukte prägen schon lange nicht mehr den Massenmarkt. Streaming-Dienste wie Spotify, Smartphone-Spiele und die Digitalfotografie haben sie von dort verdrängt. Laut Daten des Bundesverbands Musikindustrie ist etwa der Umsatz mit Kassetten in Deutschland von damals schon niedrigen 13 Millionen Euro im Jahr 2009 auf unter eine Millionen Euro 2018 gefallen. Allein zwischen 2017 und 2018 ging er demnach um ganze elf Prozent zurück. Einzig die Schallplatte erlebt bei den analogen Tonträgern schon länger ein größeres Comeback: Zwischen 2009 und 2018 hat sich der Umsatz mit Vinyl auf rund 70 Millionen Euro versiebenfacht. Doch in der Nische haben auch Musikkassette und Co. überlebt - und erfreuen sich dort sogar wachsender Beliebtheit. So sehr, dass Start-ups und Unternehmen neue Geschäftsmodelle um sie herum aufgezogen haben - oder alte aufrechterhalten konnten.

»Wir haben uns über die Jahre quantitativ sowie qualitativ immer wieder weiterentwickelt, um der stetig steigenden Nachfrage nach Kassetten nachzukommen«, sagt etwa Franziska Kohlhase vom Leipziger Unternehmen T.A.P.E. Muzik. Dort produzieren eine Handvoll Mitarbeiter seit 2004 »Audiokassetten und Zubehör«, wie es auf der Internet-Seite heißt.

Die Nachfrage käme vor allem von Bands, Labels oder Großkunden, »meist nach kleinerer Stückzahl, manchmal aber auch nach mehreren Tausend Einheiten«, sagt Kohlhase. Die Kunden liefern ihre Stücke als digitale Dateien. »Diese werden auf professionellen Kopiermaschinen direkt auf großen Tonbandrollen kopiert bevor das Tonband dann in die Kassetten gespult wird.« Das garantiere eine wesentlich bessere Klangqualität als das Kopieren des Tonbands auf Kassetten.

Das Unternehmen ist kein Einzelfall. Auch größere Player haben den Trend erkannt und entsprechende Produkte ins Angebot genommen. Die Modekette Urban Outfitters etwa, die vor allem eine junge Zielgruppe im Blick hat, verkauft in ihrem Online-Shop Walkmen, Eminem-Kassetten oder Polaroidkameras. Das chinesische Start-up Ninm sammelt derzeit Geld für die Entwicklung eines tragbaren Kassetten-Players mit neuester Bluetooth-Technik. Auf der Seite des Unternehmens wird auch eine Sofortbildkamera angeboten im Design analoger Spiegelreflex-Kameras.

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