21. Juli 2017, 22:08 Uhr

Bremsklotz fürs Schotten-Gold

21. Juli 2017, 22:08 Uhr
Erst durch die Lagerung in Eichenfässern erhält der zunächst glasklare Whisky seine goldgelbe Farbe. Die Fässer werden eingeführt. Den Destillerien macht deshalb der Brexit erhebliche Sorgen. (Foto: dpa)

Edinburgh/St.Andrews (dpa). In der Kingsbarns-Destillerie nahe der schottischen Universitätsstadt St. Andrews plätschert eine farblose Flüssigkeit aus einem kupfernen Hahn. Damit Scotch-Whisky seine bernsteinfarbene Tönung und seinen Geschmack erhält, muss er zunächst jahrelang in Eichenfässern lagern. Ähnlich lange dauert es mit dem Brexit. Erst in einigen Jahren wird klar sein, welche Folgen der geplante Austritt der Briten aus der Europäischen Union haben wird.

Die Unsicherheit trifft auch die Whisky-Industrie. Gut 90 Prozent der schottischen Whisky-Produktion geht ins Ausland. Ein Drittel davon in die EU. Zweitwichtigster Absatzmarkt sind die USA. Dann folgen Asien und Südamerika. Doch das Problem mit dem Brexit ist nicht so sehr der Whisky-Export auf den europäischen Kontinent – der würde dank einer Ausnahmeregel bei den Vereinbarungen der Welthandelsorganisation WTO wohl auch weiterhin zollfrei bleiben. Großbritannien drohen aber Zölle für Ausfuhren in eine Reihe von wachsenden Märkten wie Südafrika, Südkorea, Peru und Kolumbien. Mit diesen Ländern hat die EU Freihandelsabkommen, aus denen Großbritannien mit dem Brexit wohl ausscheiden wird. Bis zu 20 Prozent könnten dort künftig auf Whisky-Importe aufgeschlagen werden, fürchtet der ehemalige Vorsitzende des Branchenverbands Scotch Whisky Association, David Frost, der inzwischen als Berater im Außenministerium arbeitet.

William Wemyss, Gründer der Kingsbarns-Destillerie, sitzt in der Firmenzentrale, einem historischen Bau mit Natursteinfassade in Edinburgh, und zuckt mit den Achseln. »Ich habe nicht für den Brexit gestimmt, aber wir sind, wo wir sind.« Wie viele in der Branche versucht er, dem EU-Austritt mit Zweckoptimismus zu begegnen. Die Hoffnungen liegen auf den vollmundigen Versprechungen von Premierministerin Theresa May, die aus dem Land einen »Vorreiter des Freihandels« machen will. Vor allem die riesigen Märkte Indien und China sollen für die britische Exportwirtschaft erschlossen werden. Mit Indien verhandelt die EU seit zehn Jahren vergeblich. Das Land erhebt eine 150-prozentige Einfuhrsteuer auf Whisky. »Ein Freihandelsabkommen mit Indien würde alles verändern«, sagt Wemyss.

Markt in Asien immer wichtiger

Asien wird als Absatzmarkt immer wichtiger. Doch dass ein Freihandelsabkommen mit dem Subkontinent nicht einfach auszuhandeln ist, weiß er auch: »Sonst hätte es die EU längst gemacht.« Die Folgen des Pfund-Verfalls seit dem Brexit-Votum sind deutlich zu spüren für die Whisky-Industrie. Zwar kommen Gerste, Wasser und die notwendige Energie hauptsächlich aus Schottland, doch die Flaschen, Etiketten, Korken und Eichenfässer werden größtenteils importiert.

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