09. Juli 2018, 19:46 Uhr

Batterien »made in Germany«?

09. Juli 2018, 19:46 Uhr

München (dpa). Angela Merkel fordert von der deutschen Autobranche, Batteriezellen für E-Fahrzeuge selbst zu bauen. »Kann es gut gehen, wenn wir als ein Kontinent, der Autos herstellt, die Batteriezellen aus Asien kaufen?«, fragte die Kanzlerin vor dem Besuch von Chinas Premier Li Keqiang in Berlin. Und gab selbst die Antwort: »Solche Schlüsselindustrien dürfen wir nicht aufgeben.« Doch am Montag besiegelte der chinesische Batteriekonzern CATL im Kanzleramt den Bau einer Zellfabrik in Thüringen.

? Wo bekommen die Autobauer ihre Batterien heute her?

VW, Daimler und BMW kaufen Zellen in Asien und bauen diese dann selbst zu großen Akkus für ihre Elektroautos zusammen. Panasonic in Japan, LG, Samsung und SK in Korea, CATL und BYD in China – der Markt sei »eher ein Oligopol mit höchstens zehn dominierenden Anbietern«, sagt Branchenexperte Jörn Neuhausen von der Beratung PwC. Immerhin: »Aktuell gibt es genug Wettbewerb, und alle Autohersteller kaufen ihre Zellen bei mehreren Herstellern ein, damit kein Monopol entsteht.«

? Ist die Versorgung mit Zellen auch in Zukunft gesichert?

»Wer wird zuerst beliefert, wenn die Stückzahlen gewaltig hochgehen sollten?« fragt der bayerische IG-Metall-Chef und BMW-Aufsichtsrat Jürgen Wechsler. Eine chinesische Zellfabrik in Thüringen sei gut, aber die deutsche Industrie müsse Schlüsseltechnik selbst produzieren. Die Batterie macht ein Drittel der Wertschöpfung eines E-Autos aus, sie bestimmt Leistung und Reichweite.

? Werden Batterien irgendwann knapp sein?

Das hängt davon ab, wie schnell die Nachfrage nach Elektroautos steigt. Das Angebot an Batterien wächst. Es gebe massive Überkapazitäten, trotzdem stiegen weltweit neue Firmen in den übersättigten Markt ein, heißt es in einer Studie der Beratung Beryll. 2021 werde ein Drittel mehr Batterien produziert, als die Autobranche brauche.

? Ist der Bau von Batteriezellen profitabel? Entstehen Arbeitsplätze?

»Die Gewinnmargen bei Zellen sind gering, da ist nicht viel Gewinn zu machen. Teuer sind die Rohstoffe«, sagt Möller. Wegen der Strompreise sei eine Zellfertigung in Deutschland »nur denkbar, wenn die Fabrik von der EEG-Umlage befreit und subventioniert würde«, meint Neuhausen. Northvolt baut jetzt mit Siemens ein Werk in Schweden, wo Strom ein Zehntel des deutschen Preises kostet. Arbeitsplätze schaffen die hochautomatisierten Werke nicht viele – CATL etwa reichen 600 Mitarbeiter.

? Was spricht für eine Zellfabrik in Deutschland?

»Wenn in fünf Jahren Millionen E-Autos gebaut werden, muss es auch in Europa Zellfabriken geben«, sagt Neuhausen. Ein Akku für ein E-Auto wiegt eine halbe Tonne. Der Transport der brennbaren Zellen ist aufwendig und teuer, von Asien nach Deutschland dauert es per Schiff mindestens einen Monat.

? Warum sind deutsche Autobauer und Zulieferer nicht dabei?

Deutschland habe seine Batterieproduktion vor Jahren auch aus Umweltschutzgründen »vom Hof gejagt«, meint Wechsler. Asiatische Elektrokonzerne stiegen in die Elektrochemie ein, weil sie Batteriezellen für ihre Handys und Laptops brauchten. Inzwischen haben sie sich viel Know-how erarbeitet.

? Soll Deutschland bei der nächsten Zell-Generation einsteigen?

»Lithium-Ionen-Batterien werden mindestens 20 Jahre noch das Maß der Dinge sein«, sagt Möller. Die deutschen Autobauer müssten ihre Herstellung im Detail verstehen. Die Autokonzerne investieren viel Geld in E-Autos und Digitalisierung – Elektrochemie ist nicht gerade ihre Kernkompetenz. Aber sie halten sich alle Optionen offen, ebenso wie Zulieferer Continental. Vielleicht biete die übernächste Batteriegeneration einen Einstiegspunkt, so BMW-Vorstand Markus Duesmann. Bosch ist jedoch schon ausgestiegen.

Schlagworte in diesem Artikel

  • BMW
  • Batterien
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel
  • Daimler AG
  • Elektroautos
  • Li Keqiang
  • Panasonic Corporation
  • Samsung Group
  • Schlüsselindustrien
  • Siemens AG
  • VW
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos