Wirtschaft

Amazon vs. Verdi

Bad Hersfeld/Berlin (dpa). Verdi gegen Amazon – der Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft und dem Versandhandelsriesen aus den USA hat sich zum Dauerbrenner entwickelt. Fünf Jahre ist er her, dass Verdi nach den Warnstreiks erstmals zu Arbeitsausstand aufrief. Die ersten Streikstandorte waren am 14. Mai 2013 Bad Hersfeld und Leipzig – weitere schlossen sich an. Doch das Ziel, Verhandlungen über einen Tarifvertrag zu erwirken, hat Verdi bislang verfehlt.
11. Mai 2018, 20:42 Uhr
DPA
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Bad Hersfeld/Berlin (dpa). Verdi gegen Amazon – der Tarifstreit zwischen der Gewerkschaft und dem Versandhandelsriesen aus den USA hat sich zum Dauerbrenner entwickelt. Fünf Jahre ist er her, dass Verdi nach den Warnstreiks erstmals zu Arbeitsausstand aufrief. Die ersten Streikstandorte waren am 14. Mai 2013 Bad Hersfeld und Leipzig – weitere schlossen sich an. Doch das Ziel, Verhandlungen über einen Tarifvertrag zu erwirken, hat Verdi bislang verfehlt.

Handelsexperte Gerrit Heinemann, Professor für Betriebswirtschaftslehre an der Hochschule Niederrhein, sagt: »Wenn die Gewerkschaft Verdi nach fünf Jahren ihr Ziel nicht erreicht hat, wird es auch in Zukunft nicht klappen. Sie sollten es einfach lassen.«

Doch Aufgeben ist für die Gewerkschaft keine Option. Und auch der Kampfeswille der Arbeitnehmer steige stetig. Stefanie Nutzenberger, Verdi-Bundesvorstandsmitglied für den Bereich Handel, sagte: »Wir bleiben dran und haben uns auf einen langen Konflikt eingestellt. Das Selbstbewusstsein der Belegschaft ist enorm gewachsen. Wer dicke Bretter bohren will, darf eben nicht nach den ersten Zentimetern aufhören.«

Der Branchenprimus mit seinen 16 000 Mitarbeitern bundesweit will sich aber nicht beugen. »Amazon beweist jeden Tag, dass man auch ohne Tarifvertrag ein fairer und verantwortungsvoller Arbeitgeber sein kann«, erklärte eine Unternehmenssprecherin. Amazon zahle in den elf deutschen Logistikzentren am oberen Ende dessen, was für vergleichbare Tätigkeiten üblich sei.

Amazon ist als nicht tarifgebundener Arbeitgeber kein Einzelfall in der Branche. In Deutschland seien weit mehr als 80 Prozent der Arbeitgeber im E-Commerce und Versandhandel nicht tarifgebunden, berichtet der Bundesverband E-Commerce und Versandhandel Deutschland.

Die Auswirkungen der Streiks sind laut Amazon überschaubar. Nur ein kleiner Teil der Mitarbeiter an den Standorten schließe sich den Streiks an. Und wenn in Deutschland gleich mehrere Standorte betroffen seien, werde das Arbeitsaufkommen im europaweiten Logistiknetzwerk mit mehr als 40 Verteilzentren delegiert, so Amazon.

Verdi ist laut Nutzenberger ebenfalls auf einem »guten, gemeinsamen Weg«, sich europaweit mit anderen Gewerkschaften zu vernetzen, um gegen die Ausweichmanöver vorzugehen. Für die Gewerkschaft geht es um mehr als nur einen Tarifstreit mit einem großen Player: »Wir befinden uns bei Amazon in einem Kulturkampf mit einem Unternehmen, das Gewerkschaften raushalten und Löhne sowie Arbeitsbedingungen diktieren will.« Dabei will Verdi schon einiges erreicht haben: Lohnerhöhungen, Weihnachtsgeld und Betriebsräte. Doch Amazon verneint, dass dies das Resultat der Streiks sei.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/ueberregional/mantelredaktion/wirtschaft/Wirtschaft-Amazon-vs-Verdi;art480,430581

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