15. August 2017, 19:52 Uhr

Air Berlin am Boden

15. August 2017, 19:52 Uhr
Ohne staatliche Unterstützung müssten die Air-Berlin-Flieger künftig wohl am Boden bleiben. (Foto: dpa)

Berlin (dpa). Am Ende kommt es doch überraschend. Air Berlin schreibt zwar seit Jahren tiefrote Zahlen. Doch der starke arabische Partner Etihad hielt die deutsche Airline in der Luft. Jetzt steigt Etihad aus, Air Berlin muss Insolvenz anmelden.

? Was passiert mit meinen gebuchten Flügen? Komme ich noch von Mallorca weg?

Wer jetzt mit Air Berlin im Urlaub ist, muss sich um den Rückflug laut Fluggesellschaft keine Sorgen machen. Alle Flüge von Air Berlin und der Tochter Niki fänden weiter statt, versichert das Unternehmen. Gebuchte Tickets bleiben gültig. Auch neue Air-Berlin-Flüge kann man weiterhin buchen. Sichergestellt wird das durch einen 150-Millionen-Euro-Kredit der Bundesregierung.

? Wie lange reicht das Geld aus, um in der Luft zu bleiben?

Wirtschaftsministerin Brigitte Zypries (SPD) geht davon aus, dass der Flugbetrieb damit für ungefähr drei Monate gesichert ist. Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) sprach von einem gesicherten Flugbetrieb bis Ende November. Der Kredit soll den Rahmen für eine Übernahme schaffen. Denn allein sieht sich Air Berlin nicht mehr überlebensfähig. Deutschlands zweitgrößte Fluggesellschaft schreibt schon seit 2008 Verluste. So schlecht wie 2016 war es aber noch nie: rund 782 Millionen Euro Verlust, ein Schuldenberg von knapp 1,2 Milliarden Euro.

? Warum kommt die Insolvenz gerade jetzt?

Jahrelang hat der arabische Großaktionär Etihad Air Berlin mit Finanzspritzen in der Luft gehalten. Jetzt aber habe Etihad mitgeteilt, »dass sie nicht mehr beabsichtigt, Air Berlin finanziell zu unterstützen«, teilte die Fluggesellschaft mit. Am vergangenen Mittwoch habe der arabische Partner eine vereinbarte Kredittranche in Höhe von 50 Millionen Euro nicht überwiesen, erfuhr die Deutsche Presse-Agentur aus Unternehmenskreisen. Am Freitagabend habe Etihad dann mitgeteilt, dass sie nicht mehr helfen wollten.

? Wie begründet der bisherige Geldgeber Etihad das?

Das Geschäft Air Berlins habe sich rapide verschlechtert, teilte Etihad mit. Dadurch könnten »entscheidende Herausforderungen nicht bewältigt und alternative strategische Optionen nicht umgesetzt werden«. Etihad könne unter diesen Umständen die eigenen Verbindlichkeiten nicht erhöhen. Damit hält der Großaktionär seine bisherige Zusage nicht ein. Noch im April hatte Etihad schriftlich versichert, Air Berlin weitere 18 Monaten finanziell zu unterstützen.

? Was ist das Ziel der Insolvenz, was ist mit den Schulden?

Eine Insolvenz in Eigenverwaltung zielt darauf, das Unternehmen weiter am Leben zu erhalten. Es soll nicht abgewickelt werden, stattdessen soll der Flugbetrieb in einer soliden neuen Struktur weitergehen. Der bereits begonnene radikale Umbau soll fortgeführt werden. Erster Anwärter auf die Übernahme von Teilen Air Berlins ist die Lufthansa, aber nur wenn die Schulden zuvor getilgt sind. Die sind noch da. Der vorläufige sogenannte Sachwalter, der dem Management an die Seite gestellt wird, muss nun in Verhandlungen mit den Gläubigern eine Lösung finden. Diese müssen auf viel Geld verzichten. Letztlich kommt es darauf an, was die Gläubigerversammlung entscheidet. Da hat vor allem Etihad ein entscheidendes Wort.

? Warum springt die Bundesregierung einem Unternehmen so bei?

Das hat sicherlich auch mit der anstehenden Bundestagswahl zu tun. Bilder von Urlaubern, die von ihrem Ferienort nicht mehr zurückkommen, hätten niemandem in der Bundesregierung gefallen. Air Berlin hat trotz Krise bei vielen Deutschen immer noch einen guten Namen. Die Bundesregierung sichert mit ihrem Kredit einen halbwegs geregelten Übergang – in der Hoffnung, dass Lufthansa Teile übernimmt.

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