Wirtschaft

Air-Berlin-Deal steht

Bonn/Frankfurt (dpa). Die Lufthansa kommt bei ihrer Neuausrichtung voran. Gestern gab das Bundeskartellamt dem DAX-Konzern grünes Licht dafür, 38 Jets aus der Flotte des angeschlagenen Konkurrenten Air Berlin zu mieten. Mit dessen Großaktionär Etihad wurden darüber hinaus Kooperationsprojekte verabredet, über die morgen in Abu Dhabi informiert werden soll. Zuhause erhöht das Management den Druck auf die streikfreudigen Piloten, deren Schlichtung voraussichtlich an diesem Dienstag zu Ende geht.
30. Januar 2017, 21:11 Uhr
DPA
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Das Zeichen des Kranichs erhebt sich über den Air-Berlin-Maschinen: Die Übernahme von 38 Jets ist nach der Freigabe des Kartellamts in trockenen Tüchern. (Foto: dpa)

Bonn/Frankfurt (dpa). Die Lufthansa kommt bei ihrer Neuausrichtung voran. Gestern gab das Bundeskartellamt dem DAX-Konzern grünes Licht dafür, 38 Jets aus der Flotte des angeschlagenen Konkurrenten Air Berlin zu mieten. Mit dessen Großaktionär Etihad wurden darüber hinaus Kooperationsprojekte verabredet, über die morgen in Abu Dhabi informiert werden soll. Zuhause erhöht das Management den Druck auf die streikfreudigen Piloten, deren Schlichtung voraussichtlich an diesem Dienstag zu Ende geht.

Lufthansa mietet die Air-Berlin-Jets samt Besatzungen über einen Zeitraum von sechs Jahren an und will sie bei ihren Töchtern Austrian und Eurowings einsetzen. »Die Übernahme von Flugzeugen eines Wettbewerbers ist wettbewerblich anders zu bewerten als etwa die Übernahme des gesamten Unternehmens«, erklärte Kartellamts-Präsident Andreas Mundt. So übernehme die Lufthansa von Air Berlin keine Start- und Landerechte.

Kartellamt verteidigt Entscheidung

Dabei spielte es keine Rolle, dass Lufthansa bis zu 15 Jets den bisherigen Leasing-Gebern abkauft und bei bis zu zehn weiteren Jets als Leasing-Nehmer anstelle der Air Berlin in die Verträge einsteigt. Die Flugzeuge werden dann an die Berliner vermietet und mit deren Besatzungen für Lufthansa-Gesellschaften eingesetzt. Drei Jets sind bereits auf die Eurowings-Farben umlackiert.

Dass die Lufthansa mit den zusätzlichen Maschinen expandieren könne, reiche nicht aus, um das Vorhaben zu untersagen, erklärte die Behörde mit Blick auf den europäischen Markt für Kurz- und Langstreckenflüge. Hier habe Lufthansa keine marktbeherrschende Größe. Unter anderem hatte Europas größter Billigflieger Ryanair das Leasinggeschäft kritisiert, mit dem rund ein Drittel der Air-Berlin-Flotte in den Lufthansa-Konzern wechselt.

Der Leasingdeal wurde erst nach einer Annäherung der Lufthansa an den Air-Berlin-Großaktionär Etihad möglich, der mit der Alitalia ein weiteres europäisches Problemkind in der Familie hat. Details zu ihren weiteren Kooperationsprojekten wollen Lufthansa und Etihad morgen in Abu Dhabi bekanntgeben. Jahrelang hatte Lufthansa Etihad wie auch die anderen Golf-Airlines Emirates und Qatar wegen unfairen Wettbewerbs kritisiert.

»Cockpit« übt Kritik

Nach Informationen aus Lufthansa-Kreisen geht es nun mit Etihad insbesondere um eine intensivere Zusammenarbeit bei der Flugzeugwartung und der Bordverpflegung. Auch soll die Zahl der gemeinsam vermarkteten Flüge gesteigert werden, für die jede Gesellschaft eine eigene Flugnummer herausgibt.

Lufthansa-Chef Carsten Spohr widersprach im Interview mit der »Westdeutschen Allgemeinen Zeitung« indes Spekulationen über einen kapitalmäßigen Einstieg der Araber bei der Lufthansa. »Beteiligungen sind und waren dabei kein Thema.« Es folge alles der einfachen Logik: »Wenn beide Seiten etwas davon haben, machen wir es. Sonst nicht.«

Mit dem Air-Berlin-Deal erhöht Lufthansa den Druck auf ihre Piloten, mit denen die Tarifschlichtung heute enden soll. Am Wochenende hatte Vorstandsmitglied Harry Hohmeister zudem klar gemacht, dass die Lufthansa bei einem aus ihrer Sicht zu hohen Tarifabschluss Investitionen von der Lufthansa-Muttergesellschaft abziehen könnte. Bereits bestellte Flugzeuge könnten bei Schwestergesellschaften oder in einem weiteren »Lufthansa-nahen« Flugbetrieb an den Start gehen. Die Vereinigung »Cockpit« hatte die Äußerungen als versuchte Einschüchterung des Schlichters Gunter Pleuger kritisiert.

Artikel: https://www.giessener-allgemeine.de/ueberregional/mantelredaktion/wirtschaft/Wirtschaft-Air-Berlin-Deal-steht;art480,203759

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