26. Juli 2018, 22:11 Uhr

220 Kilo pro Kopf

26. Juli 2018, 22:11 Uhr
Die meisten Verpackungen landen schnell in der Tonne. Nirgends fällt in der EU pro Kopf mehr Verpackungsmüll an als in Deutschland. (Foto: dpa)

Berlin (dpa). Verpackungen haben meist nur ein kurzes Leben, bevor sie in der Tonne oder dem gelben Sack landen. Und aller Appelle zum Trotz produzieren die Deutschen unverändert viel Verpackungsmüll. 220,5 Kilo pro Kopf waren es im Jahr 2016, wie das Umweltbundesamt am gestrigen Donnerstag bekannt gab. Das machte 18,16 Millionen Tonnen insgesamt – und damit etwa gleich viel wie im Vorjahr, aber sogar 0,05 Prozent mehr. Der Verpackungsverbrauch in Deutschland liegt damit weiterhin deutlich über dem europäischen Durchschnitt von 167,3 Kilo pro Kopf. Knapp die Hälfte, nämlich 47 Prozent, ging dabei auf das Konto privater Verbraucher.

Für Umweltschützer ist die Sache klar. »Wir produzieren viel zu viel Verpackungsmüll – ein trauriger Spitzenplatz in Europa«, kommentierte die Präsidentin des Umweltbundesamts (UBA), Maria Krautzberger, die Zahlen. Müll müsse vermieden werden durch den Verzicht auf unnötige und unnötig materialintensive Verpackungen.

Nicht nur Plastik ein Problem

Warum fällt überhaupt so viel Verpackungsmüll an? Die Bundesbehörde nennt mehrere Gründe: zusätzliche Funktionen wie Dosierhilfen, aufwendige Verschlüsse, kleinere Portionen für Single-Haushalte, den Online-Versandhandel und den Trend zum »To go«-Konsum – also Essen und Trinken zum Mitnehmen in Plastik, Pappe oder Styropor.

In der öffentlichen Debatte ist derzeit vor allem Plastik ein Thema – ausgelöst durch schockierende Bilder verschmutzter Strände und riesiger Müllstrudel im Meer. Pro Kopf ging der Plastik-Verpackungsmüll bei Privatpersonen sogar ein klein wenig zurück auf 24,9 Kilo pro Kopf und Jahr – 2015 waren es 25 Kilo.

Doch: »Dafür wurden mehr Glas- und Aluminiumverpackungen verwendet, was auf einen Ersatz der Kunststoffverpackungen schließen lässt«, teilte das UBA mit. Gerade Glas und Aluminium seien in der Herstellung aber energieintensiv. »Kunststoff durch andere Verpackungen zu ersetzen, ist nicht immer ökologisch sinnvoll«, so Krautzberger.

Dass so viele Verpackungen produziert und weggeworfen werden, ist in Deutschland vor allem ein Problem der Rohstoffverschwendung und des Energieverbrauchs. In der Natur oder im Meer landet deutscher Müll nur selten. Bundesumweltministerin Svenja Schulze (SPD) betont aber immer wieder, dass Deutschland als Industrienation auch eine Vorbildfunktion habe, was Konsumgewohnheiten angeht.

Mehr als 70 Prozent des deutschen Verpackungsmülls wurden 2016 recycelt. Allerdings waren die Quoten ganz unterschiedlich: 85,5 Prozent bei Glas, 87,9 Prozent bei Alu, 88,7 Prozent bei Papier und Karton und sogar 92,1 Prozent bei Stahl, aber nur 49,7 Prozent bei Kunststoff und 26 Prozent bei Holz.

Die Bundesregierung hofft auf die Wirkung des neuen Verpackungsgesetzes, das ab Januar 2019 in Kraft tritt. Dann steigen nicht nur die verpflichtenden Recycling-Quoten. Die Lizenzgebühren, die Hersteller für ihre Verpackungen und deren Entsorgung zahlen, müssen sich dann auch danach richten, wie leicht oder schwer eine Verpackung recycelt werden kann. Die Grünen im Bundestag forderten am Donnerstag außerdem ein verbindliches Ziel zur Vermeidung von Verpackungsmüll sowie eine Regulierung der Industrie, damit sie etwa auf »Doppelt- und Dreifachverpackungen« verzichte. (Seite 4)

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