10. November 2017, 15:08 Uhr

Zurück zum Handwerk

Um Brauer und Mälzer zu werden, braucht es technisches Interesse – und jetzt auch wieder die Lust am Zupacken. Denn ein neuer Trend der Bierbranche hat das Handwerk in das Berufsfeld zurückgebracht.
10. November 2017, 15:08 Uhr
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Von DPA
Und Prost! Die Brauer Clemens Roth-Kleyer (r.) und Philip Weigler bei der sogenannten Verköstigungsprobe. (Foto: dpa)

Malz, Wasser, Hopfen und Hefe – das sind die Zutaten, aus denen Bier gebraut wird. »Es hat mich schon gereizt, den Prozess zu erleben – wie aus vier Grundstoffen das fertige Produkt wird«, erzählt Clemens Roth-Kleyer, der vor zwei Jahren seine dreijährige Ausbildung zum Brauer und Mälzer abgeschlossen hat. Nicht sein erster Job mit Lebensmitteln: »Ich habe Praktika als Koch gemacht«, erzählt der 25-Jährige. Sein Fachabitur hat er im Bereich Ökotrophologie absolviert, inzwischen arbeitet er in der Kaiserdom Specialitäten Brauerei in Bamberg.

Seine Ausbildung hat Roth-Kleyer in einer kleinen Gasthausbrauerei gemacht. »Ich wollte gerne das Handwerk lernen und nicht in einen großen Betrieb gehen«, erzählt er. Das bedeutet aber auch: Anpacken, Malzsäcke, Fässer und Schläuche schleppen. Vor allem als Lehrling sei man die meiste Zeit mit Putzen beschäftigt. Hygiene ist ein zentrales Thema, betont auch Sabine Droste, Ansprechpartnerin für die Ausbildung zum Brauer und Mälzer am Fritz-Henßler-Berufskolleg in Dortmund. Mitbringen sollten angehende Brauer neben einem Sinn für Hygiene naturwissenschaftliches und technisches Verständnis.

Wie stark Brauer in Berührung mit dem Produkt selbst kommen, hängt von der Größe der Brauerei ab. Während der Beruf früher sehr handwerklich geprägt war, sind die Abläufe vielerorts inzwischen automatisiert. In großen Betrieben geht es dann vor allem um die Überwachung der computergesteuerten Anlagen.

»Der Vorteil an kleinen Betrieben ist, dass ich das Produkt von den Rohstoffen bis zur abgefüllten Flasche erlebe«, sagt Sabine Droste. Der amerikanische Hype des Craft Beer, das oft von Hobby-Brauern, hergestellt wird, bringt das Handwerk nun auch in die deutsche Bierbranche zurück und hat das Interesse von jungen Leuten am Beruf wieder geweckt. Knapp 340 neue Ausbildungsverträge wurden 2015 in Deutschland abgeschlossen. »Wir sind zufrieden mit dem Nachwuchs«, sagt Walter König, Geschäftsführer des Bayerischen Brauerbunds. Und: »Die Ausbildung ist eine gute Basis für den gesamten Lebensmittelsektor«, sagt Michl. Auch darüber hinaus finden Brauer Arbeit – in Zulieferbetrieben, in der Gastronomie, in der Lebensmittelüberwachung oder sogar bei Pharmafirmen. Inzwischen gebe es auch immer mehr Frauen, die sich für eine Ausbildung zur Brauerin und Mälzerin entscheiden. »Der Anteil wächst und das ist gut so«, sagt der Experte. Denn dem amerikanischen Craft-Beer-Hype kann die deutsche Bierkultur etwas entgegensetzen: Ausgebildete Brauerinnen und Brauer sind im Ausland sehr begehrt, erzählt Michl. Ehemalige Schüler von ihm hat es nach Aus-tralien und in die USA verschlagen: »Der deutsche Brauer ist ein Exportgut.«



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