20. Oktober 2017, 16:29 Uhr

Flexible Arbeitszeit

Uni ohne Studium? Nicht nur Vorteile

Wer an die Uni will, muss Student sein? Falsch! Längst ist es auch für Außenstehende möglich, Veranstaltungen zu besuchen – gegen Geld. Weiterbildungen mit Hochschulzertifikat machen es möglich. Der Markt ist jedoch arg unübersichtlich.
20. Oktober 2017, 16:29 Uhr
In den Hörsaal kommt man nicht nur als Student, sondern auch mithilfe von Weiterbildungen, die einen universitären Standard bieten. (Foto: dpa)

Lernen auf akademischem Niveau, nach Feierabend oder am Wochenende, bei renommierten Lehrkräften und mit einem klangvollen Namen für den Lebenslauf: Das versprechen Weiterbildungen mit Hochschulzertifikat, die es inzwischen an zahlreichen Universitäten und Fachhochschulen in Deutschland gibt. Ein Grund für die wachsende Zahl solcher Angebote ist der Wettbewerb »Aufstieg durch Bildung: Offene Hochschulen«. Seit 2008 fördern Bund und Länder damit Weiterbildungsprojekte, die sich vor allem an Berufstätige oder Menschen mit Familie richten.

Große Preisspanne

Wie ein Zwischenbericht zu den Ergebnissen zeigt, sind darunter viele »echte« Studiengänge, meist berufsbegleitend, aber auch zahlreiche Zertifikatsangebote, über nahezu alle Fachgebiete hinweg.

Doch wie lange dauert der Weg zum Hochschulzertifikat? Wie sieht er genau aus, was müssen Teilnehmer mitbringen – und was bekommen sie dafür?

»Es gibt nach meinem Kenntnisstand leider keinen systematischen Überblick zu Weiterbildungsangeboten mit Hochschulzertifikat«, sagt Burkhard Lehmann, Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für wissenschaftliche Weiterbildung und Fernstudium (DGWF). Manche Veranstaltungen dauern nur ein paar Wochen, andere mehrere Semester. Teilweise reicht die Teilnahme für ein Zertifikat, teils steht am Ende eine Prüfung.

Und auch beim Zugang gibt es ganz unterschiedliche Ansätze: »Da gibt es einmal Angebote mit ganz regulärer Einschreibung, also Immatrikulation an der Hochschule inklusive vorgegebener Einschreibezeiten und -fristen«, sagt Lehmann. »Und zweitens gibt es auch Angebote, bei denen die Hochschulen keine oder nur wenige formelle Vorgaben für die Teilnahme machen.«

So groß die Unterschiede zwischen den Angeboten auch sind – Geld kosten sie eigentlich immer. Die Preisspanne reicht von ein paar Hundert Euro bis hin zu vierstelligen Beträgen, so Lehmann.

Lohnt sich diese Investition? »Verglichen mit anderen Weiterbildungen sind die Inhalte bei einer Weiterbildung mit Hochschulzertifikat schon ein Stück weit wissenschaftlicher«, sagt Michael Cordes, Wissenschaftler Leiter für den Bereich Weiterbildung bei der Stiftung Warentest. Bei manchen Angeboten erhalten Teilnehmer nach der Abschlussprüfung zudem nicht nur ein Zertifikat, sondern auch Credit Points. Wer Blut geleckt hat, kann sich die Punkte bei einem späteren Studium anrechnen lassen.

Das Kind in Ruhe zur Kita bringen, abends noch etwas von zu Hause arbeiten und am Freitag lieber gar nicht: Flexible Arbeitszeitmodelle sind gerade in aller Munde – und klingen aus Arbeitnehmersicht zunächst attraktiv.

Zugleich hat die Flexibilität aber Schattenseiten – vor allem dann, wenn sie mit einer generellen Reduzierung der Arbeitszeit einhergeht. Denn dies bedeutet zwar mehr Freizeit, aber vielleicht auch ein leeres Konto: »Wenn ich weniger arbeite, bekomme ich natürlich auch geringeren Lohn.« Zum Problem wird das vor allem mit Blick auf die Rente, warnt Professorin Jutta Rump, Direktorin des Instituts für Beschäftigung und Employability (IBE).

Hinzukommt die Angst vor einem Karriereknick: Wer nicht ständig da ist, wird vielleicht auch bei Beförderungen nicht berücksichtigt. Doch das müsse man differenziert sehen, sagt Rump: »Wir wissen aus der Forschung, dass vor allem Teilzeitmodelle bis etwa 70 Prozent und längere Auszeiten zu einem Karriereknick führen.« Eine Reduktion auf 80 Prozent oder auf 28 Stunden habe also eher keine Auswirkungen. dpa

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