24. Februar 2017, 17:12 Uhr

Mit Selbstführung ans Ziel Körpersprache im Gespräch wichtig Viele gehen krank zur Arbeit

Dienstschluss, Arbeitsweise und sogar die Aufgaben: Viele Berufstätige entscheiden über solche Dinge inzwischen selbst. Doch nicht jeder kommt damit klar.
24. Februar 2017, 17:12 Uhr
Fexibilität im Job gehört für viele Arbeitnehmer zu den wichtigsten Aspekten bei der Berufswahl. Nicht immer müssen Eigenverantwortung und Selbstorganisation aber zum Erfolg führen. (Foto: dpa)

Punkt acht Uhr ist Dienstbeginn, jede Arbeitsanweisung kommt vom Chef – und ohne Erlaubnis fasst man am besten gar nichts an. Solche strengen Regeln gehören an vielen Arbeitsplätzen längst der Vergangenheit an. Selbstorganisation und Selbstführung lauten die Zauberworte: Mitarbeiter sollen selbst entscheiden, wie sie ihr Ziel am besten erreichen, wie viel und wo sie arbeiten. Doch unter Umständen ist das der direkte Weg in die Selbstausbeutung.

Beispiele für diesen Trend gibt es genug. Immer öfter kümmern sich Mitarbeiter selbst um Dinge, für die es früher im Unternehmen Personal gab, sei es für die Reisekostenabrechnung oder die Materialbeschaffung. »Mit Eigenverantwortung hat das nichts zu tun«, sagt Vanessa Barth vom Vorstand der IG Metall. »Da geht es eher darum, Kosten einzusparen.«

Digitalisierung hilft

Positiver sieht sie Managementtechniken wie die sogenannten agilen Methoden. Sie stammen aus der Softwareentwicklung, kommen heute aber auch in vielen anderen Branchen und Bereichen zum Einsatz. Eine der Grundideen dabei ist, dass Teams und Mitarbeiter sich selbst organisieren, Ziele und den Weg dahin selbst festlegen und auch den Fortschritt in Eigenregie überprüfen.

»Grundsätzlich gibt es einen Trend zu mehr Eigenverantwortung«, sagt Barth. Das liegt auch an den Möglichkeiten der Digitalisierung: »Ein Grund ist die technische Veränderung der Arbeitswelt«, erklärt Josephine Hofmann vom Fraunhofer-Institut für Arbeitswirtschaft und Organisation (IAO). Per Videokonferenz ist man selbst auf dem heimischen Sofa in Meetings dabei.

Karriereberaterin Svenja Hofert rät Arbeitnehmern, sich Selbstführung nicht aufzwingen zu lassen: Braucht jemand zum Beispiel konkrete Anweisungen und regelmäßiges Feedback, sollte er das in einem Mitarbeitergespräch ruhig selbstbewusst einfordern. Denn eine Schwäche sei das nicht: Wer mit klaren Anweisungen besser arbeitet, ist oft genauer bei deren Umsetzung als jemand, der gerne eigene Ziele setzt. »Die Führung muss dann herausfinden, welcher Mitarbeiter was braucht«, so Hofert.

Berufstätige nehmen sich vor wichtigen Verhandlungen mit dem Vorgesetzten am besten einmal auf Video auf. Sie können etwa das Gespräch vorab mit einem Freund simulieren. Die Videoaufnahme hilft, die eigene Körpersprache zu überprüfen: Wirkt man selbstsicher oder eher eingeschüchtert? Häufig sind sich Menschen nicht bewusst, welchen Eindruck sie machen. Wenn man sich im Video sieht, fällt auf, dass man sich etwa oft in die Haare greift, dies kann man dann ändern. dpa

Gehen Arbeitnehmer trotz Krankheit zur Arbeit, steckt dahinter oft ein Pflichtgefühl gegenüber den Kollegen. Das legt eine Studie der Hochschule Fresenius Köln nahe, für die 331 Arbeitnehmer befragt wurden. Mancher geht auch trotz ärztlichem Rat zur Arbeit, um keine Schwäche zu zeigen. Ein anderer häufig genannter Grund ist, sich gegenüber der Arbeit verpflichtet zu fühlen, etwa weil Termine anstehen. dpa

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