15. November 2017, 22:38 Uhr

Zahl der Terroropfer geht weltweit zurück

15. November 2017, 22:38 Uhr
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Von DPA

London (dpa). Die Zahl der weltweiten Terroropfer ist im vergangenen Jahr zum zweiten Mal in Folge gesunken. In Europa sind hingegen so viele Tote zu beklagen wie seit Jahren nicht mehr: 826 Menschen starben bei 630 Attacken, vor allem in der Türkei. Das geht aus dem Globalen Terrorismus Index der Denkfabrik IEP (Institute for Economics and Peace) hervor, der am Mittwoch in London veröffentlicht wurde.

60-mal so viele Tote wie 2002

Weltweit kamen dem Report zufolge 25 673 Menschen im vergangenen Jahr bei terroristischen Anschlägen ums Leben. Das waren 13 Prozent weniger als im Jahr zuvor und 22 Prozent weniger als noch 2014. Angesichts der militärischen Niederlagen der Terrormiliz IS in Syrien und dem Irak sieht das IEP bereits einen Wendepunkt im Kampf gegen islamistischen Extremismus gekommen.

Anders sieht die Lage in den europäischen Ländern aus: Dort gab es im vergangenen Jahr mit 826 Toten fast 60-mal so viele Opfer wie 2002, davon allein 658 in der Türkei. Vor 15 Jahren gab es nur 14 Todesopfer in Europa. Seit 2002 hätten 200 verschiedene Terrororganisationen Anschläge in Europa verübt. Die Experten sehen aber zumindest Anzeichen für einen Rückgang 2017. Außerdem gelinge es den Sicherheitsbehörden immer häufiger, Anschläge zu verhindern. Probleme bereiten jedoch Attacken, die mit einfachen Mitteln durchgeführt werden können, beispielsweise mit Fahrzeugen. Ähnliche Anschläge gab es in Großbritannien in diesem Jahr. Der Inlandsgeheimdienst sprach von einem dramatischen Anstieg an Bedrohungen. Insgesamt hatte es 2017 fünf Terroranschläge gegeben. Die meisten terroristischen Aktivitäten spielen sich aber in Afrika, dem Nahen Osten und Asien ab.

Auf ein besonderes Problem machte die Extremismusforscherin Michaela Köttig aufmerksam: Wenn sich ein junger Muslim plötzlich für radikale Ideen begeistert, gibt es für die betroffene Familie nicht immer genügend Hilfe aus der eigenen Religionsgemeinschaft. »Wir erleben leider oft, dass sich Imame und muslimische Sozialarbeiter abwenden, wenn sich andeutet, dass sich in einer Familie in ihrem weiteren Umfeld ein junger Mensch radikalisiert«, sagte die Professorin an der Frankfurter Fachhochschule. Grund sei meist die Angst, ebenfalls unter Extremismusverdacht zu geraten.



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