24. März 2020, 22:20 Uhr

Weniger Taten, mehr Gewalt

24. März 2020, 22:20 Uhr
Gestern wurde die polizeiliche Kriminalstatistik für das Jahr 2019 vorgestellt. FOTO: DPA

Berlin - Es ist eine gute Nachricht in schwierigen Zeiten: Die Zahl der polizeilich registrierten Straftaten ist im vergangenen Jahr erneut gesunken. Das geht aus der bundesweiten Kriminalstatistik hervor, die das Bundeskriminalamt (BKA) gestern veröffentlichte. Danach wurden 2019 rund 5,27 Millionen Straftaten von der Polizei erfasst. Das entspricht einem Rückgang um 2,3 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Verstöße gegen das Ausländerrecht sind in dieser Zahl nicht enthalten.

»Deutschland ist wieder ein Stück sicherer geworden«, kommentiert ein hochzufriedener Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU). Und weist darauf hin, dass die Zahl der Straftaten trotz des gleichzeitigen Wachstums der Bevölkerung - allein von 2018 bis 2019 kamen rund 226 900 Menschen hinzu - gesunken sei.

Jugendliche oft Täter und Opfer zugleich

Doch die Statistik offenbart auch Entwicklungen, die betroffen machen: die Zunahme beim sexuellen Missbrauch von Kindern, die steigende Zahl gewalttätiger Jugendlicher und die wachsende Aggressivität, der Polizisten ausgesetzt sind. Im Deliktbereich »Widerstand gegen und tätlicher Angriff auf die Staatsgewalt« stieg die Anzahl der angezeigten Fälle von 2018 auf 2019 um acht Prozent. »Das ist Ausdruck der stetigen Aggressivität gegen die Polizei«, sagt der stellvertretende Vorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Jörg Radek.

Erst vor knapp drei Jahren seien die Strafen für Angriffe auf Polizei und Rettungskräfte deutlich verschärft worden, sagt der innenpolitische Sprecher der Unionsfraktion, Mathias Middelberg.

Erschreckend sind zwei Tendenzen, die Minderjährige betreffen - als Opfer und in der Täterstatistik. Die Zahl der Fälle von sexuellem Kindesmissbrauch lag im vergangenen Jahr mit 13 670 registrierten Straftaten um fast elf Prozent über dem Wert von 2018. Die Zahl der polizeilichen Ermittlungsverfahren wegen Verbreitung kinderpornografischer Schriften stieg sogar um knapp 65 Prozent an. Dies ist allerdings auch darauf zurückzuführen, dass die Sicherheitsbehörden ihre Aktivitäten in diesem Bereich deutlich verstärkt hatten.

Kinder und Jugendliche tauchen in der Statistik allerdings auch als Täter auf - wenngleich man unter Minderjährigen häufig Täter findet, die im moralischen Sinne als Opfer angesehen werden müssen, weil sie aus kaputten Familien stammen oder gar zu Kriminellen erzogen werden. So stieg die Zahl der Tatverdächtigen im Alter zwischen sechs und 14 Jahren im vergangenen Jahr um 5,7 Prozent. Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete die Polizei auch einen Anstieg bei der Gewaltkriminalität jugendlicher Tatverdächtiger - um knapp 4,6 Prozent auf 23 619 Fälle.

Bei den Rauschgiftdelikten änderte sich nicht viel. Hier nahm die Zahl der Straftaten um 2,6 Prozent zu. Bei Vergewaltigung und sexueller Nötigung schloss die Polizei im vergangenen Jahr Ermittlungen in rund 9400 Fällen ab. Das waren 2,1 Prozent mehr als 2018. dpa

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