17. August 2020, 23:01 Uhr

Weitere Lockerungen unwahrscheinlich

17. August 2020, 23:01 Uhr

Berlin - Angesichts der aktuellen Infektionszahlen werden weitere Lockerungen von Corona-Auflagen in Deutschland vorerst unwahrscheinlicher. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) nannte die Zahlen gestern in einer Präsidiumssitzung besorgniserregend, aber noch beherrschbar. Es könne deswegen derzeit keine weiteren Lockerungen geben. Dies gelte auch für Fußballspiele, sagte sie nach Informationen aus Parteikreisen.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) äußerte Befürchtungen vor verstärkten Ansteckungen auf Familienfeiern und anderen Festen und regte an, erneut über die erlaubte Größe solcher Veranstaltungen zu beraten. In den Bundesländern gelten dazu unterschiedliche Regelungen. Zum Teil sind inzwischen wieder Innenveranstaltungen mit mehreren Hundert Teilnehmern erlaubt. Es gehe vor allem um diese Bereiche, »wenn wir gesellig werden«, wo sich das Virus schnell verbreite, sagte Spahn. Kitas, Schulen, Wirtschaft und Handel müssten seiner Ansicht nach Vorrang haben vor öffentlichen oder privaten Feiern.

Treffen von Merkel mit Länderchefs?

Das Robert-Koch-Institut meldete am Montagmorgen 561 neue Infektionen innerhalb eines Tages. An Sonntagen und Montagen liegen die Zahlen erfahrungsgemäß oft niedriger, weil am Wochenende nicht alle Gesundheitsämter Daten an das RKI übermitteln. Am Freitag und Samstag waren es aber mehr als 1400 Neuinfektionen binnen 24 Stunden. Der Höhepunkt bei den täglich gemeldeten Neuansteckungen hatte Anfang April bei über 6000 gelegen.

Nach Informationen aus CDU-Parteikreisen laufen derzeit Gespräche über ein Treffen der Ministerpräsidenten mit der Kanzlerin nächste Woche, bei der über die Corona-Lage und die uneinheitlichen Regeln in den Ländern beraten werden soll. Ein solches Treffen hatte es zuletzt vor der Sommerpause im Juni gegeben. Damals ging es vor dem Hintergrund sinkender Zahlen noch um weitere Lockerungen von Corona-Maßnahmen und um eine Wiederaufnahme von Großveranstaltungen.

Vizekanzler und Finanzminister Olaf Scholz (SPD) warnte gestern vor überzogenen Hoffnungen auf eine schnelle Rückkehr zur Normalität im Kultur- und Veranstaltungssektor. »Sehr große Veranstaltungen sind einfach sehr riskant«, sagte der frisch gekürte SPD-Kanzlerkandidat bei Aachen.

Unterdessen führt Tschechien die landesweite Maskenpflicht nur zwei Monate nach ihrer Aufhebung wieder ein. Ab dem 1. September muss in Geschäften und Behörden sowie in öffentlichen Verkehrsmitteln eine Mund-Nase-Bedeckung getragen werden. Hintergrund seien das Ende der Sommerferien und der Beginn des neuen Schuljahres, sagte Gesundheitsminister Adam Vojtech in Prag. Es handele sich um eine »präventive Maßnahme«. Unterdessen verschiebt Neuseeland wegen der Pandemie die Parlamentswahl um vier Wochen auf den 17. Oktober. dpa » Seiten 4+6

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