31. Januar 2020, 23:16 Uhr

Wehmut und Wut

31. Januar 2020, 23:16 Uhr
Der Brexit ist vollzogen: Die Flagge des Vereinigten Königreichs wurde gestern vom EU-Ratsgebäude in Brüssel sowie vor den Sitzen des Europäischen Parlaments in Brüssel und Straßburg entfernt. FOTO: AFP

Brüssel/London - Trauer, Wut und auch Häme. Der letzte Tag der britischen EU-Mitgliedschaft nach fast 50 Jahren war am Freitag von starken Emotionen begleitet. Mehr als dreieinhalb Jahre nach dem Brexit-Referendum ist Großbritannien ab heute kein Mitglied der Europäischen Union mehr. In Brüssel und auch in Berlin schwang zum Abschied viel Wehmut mit, doch auch in London herrschte kaum Feierlaune. Politiker auf beiden Seiten des Ärmelkanals betonten aber auch Zukunftschancen und die eigene Stärke.

Im Regierungsviertel in London standen sich Demonstranten beider Seiten des Brexit-Streits unversöhnlich gegenüber. Gegner des EU-Austritts, die in einem weitgehend stummen Protestzug vom Regierungssitz Downing Street in Richtung Parlament zogen, wurden von Brexit-Befürwortern teils mit wüsten Beschimpfungen und Sprechchören empfangen.

Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron nannte den EU-Austritt ein »historisches Alarmzeichen«. »Das ist ein trauriger Tag«, sagte Macron in einer Ansprache an seine Mitbürger. Er forderte weitere Reformen für die EU - es sei bisher nicht gelungen, Europa ausreichend zu ändern. Kanzlerin Angela Merkel betonte zum Austritt Großbritanniens den Wunsch nach einer engen Beziehung zu den Briten. »Das ist ein tiefer Einschnitt für uns alle«, sagte sie in ihrem Podcast am Freitag.

»Wir gehen in diese Verhandlungen in dem Geist, dass alte Freunde einen neuen Anfang suchen«, sagte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen bei einem Auftritt mit EU-Ratschef Charles Michel und Parlamentspräsident David Sassoli.

Hartes Ringen absehbar

Ein hartes Ringen ist absehbar. Wie der britische Premier Boris Johnson durchsickern ließ, will er sein Land von der Anbindung an EU-Regeln möglichst frei machen, selbst wenn dies Handelsschranken wie Zölle bedeuten könnte. Souveränität sei wichtiger als reibungsloser Handel, will er nach einem Bericht des »Telegraph« nächste Woche als Ziel ausgeben. Ein Regierungssprecher bestätigte, dass Johnson seine Verhandlungsziele bereits am Montag in einer Rede darlegen will. In seiner Botschaft zum Brexit richtete sich Johnson an beide Seiten. »Unsere Aufgabe als Regierung ist es, dieses Land zusammen- und uns voranzubringen«, betonte der Brexit-Hardliner. Der EU-Austritt Großbritanniens sei »kein Ende, sondern ein Anfang«.

Derweill will die schottische Regierungschefin Nicola Sturgeon die Unabhängigkeit Schottlands nach dem EU-Austritt des Vereinigten Königreichs noch stärker vorantreiben. Ihre Partei sei bereit, ih-re Unabhängigkeitskampagne noch einmal zu verstärken, das Budget dafür solle im laufenden Jahr verdoppelt werden, sagte Sturgeon gestern in Edinburgh. dpa/AFP » Seiten 4 + 5

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