12. Januar 2020, 23:14 Uhr

Waffenruhe in Libyen

12. Januar 2020, 23:14 Uhr

Tripolis/Istanbul/Rom (dpa). Nach Inkrafttreten einer Waffenruhe für das umkämpfte Bürgerkriegsland Libyen bestehen vorsichtige Hoffnungen auf ein Ende der monatelangen Gefechte. Die Konfliktparteien warfen sich allerdings Minuten nach deren Inkrafttreten in der Nacht zum Sonntag gegenseitig umgehend Verstöße gegen die Feuerpause vor. Italiens Außenminister Luigi Di Maio schlug in einem Zeitungsinterview vor, unter einem UN-Mandat Truppen nach Libyen zu entsenden und den Konflikt durch ein Treffen im Dreierformat mit Italien, Russland und der Türkei zu entschärfen.

Die Präsidenten der Türkei und Russlands, Recep Tayyip Erdogan und Wladimir Putin, hatten die Waffenruhe am Mittwoch nach einem Treffen in Istanbul angemahnt. Die Türkei unterstützt die von den UN anerkannte Regierung von Ministerpräsident Fajis al-Sarradsch und hatte trotz internationaler Kritik beschlossen, eigene Soldaten in das nordafrikanische Land zu schicken. Russland unterstützt dagegen - wie Ägypten, Saudi-Arabien und die Vereinigten Arabische Emirate (VAE) - General Chalifa Haftar, der eine Offensive auf die Hauptstadt Tripolis angeordnet hat.

Die Waffenruhe wurde kurz nach Mitternacht (Ortszeit/23.01 Uhr MEZ) in der Nacht zum Sonntag wirksam, teilte Haftars selbst ernannte Libysche Nationalarmee (LNA) mit. Haftars Zustimmung kam überraschend: Noch am Freitag hatte er erklärt, den seit April laufenden Angriff auf die Hauptstadt Tripolis fortsetzen zu wollen. Ein ziviler Staat könne in Libyen nur errichtet werden, wenn die »terroristischen Gruppen« völlig zerstört würden.

Die Vereinten Nationen begrüßten die Waffenruhe und riefen die Konfliktparteien auf, an dieser festzuhalten. Die UN-Mission in Libyen (UNSMIL) erklärte ihre »volle Bereitschaft«, die Libyer zu unterstützen und mit »alle ihren Quellen« auf eine »endgültige friedliche Lösung« hinzuarbeiten.

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