05. Juli 2017, 23:18 Uhr

Vor dem Gipfel

05. Juli 2017, 23:18 Uhr

Hamburgs Sicherheitsbehörden setzen zur Vermeidung von Ausschreitungen bei der Demonstration »Welcome to Hell« am Vorabend des G20-Gipfels auf Härte. »Wir werden dort sehr auf einen friedlichen Verlauf achten. Und wenn es dort aus der Versammlung heraus zu Störungen kommt, dann wird es auch eine polizeiliche Reaktion darauf geben«, sagte Innensenator Andy Grote (SPD) gestern in Hamburg.

Die Veranstalter der mit bis zu 100 000 erwarteten Teilnehmern größten Anti-G20-Demonstration am Samstag akzeptierten unterdessen den Millerntorplatz als Ort für ihre Schlusskundgebung. Ursprünglich wollten sie auf das Heiligengeistfeld, was aus Sicherheitsgründen untersagt wurde.

Die Demonstration »Welcome to Hell« soll vom Fischmarkt über die Reeperbahn auf bis etwa 300 Meter an die Messehallen, den Veranstaltungsort des Gipfels, heranführen. Sie hat nach Grotes Ansicht das höchste Gewaltpotenzial aller Protestveranstaltungen. Laut Polizei werden rund 10 000 Teilnehmer erwartet, bis zu 8000 davon seien gewalt- bereit.

Am Dienstagabend war es zu ersten Auseinandersetzungen zwischen der Polizei und Anti-G20-Demonstranten gekommen. Laut Polizei wurden vier Beamte und eine unbeteiligte Frau leicht verletzt. Die Aktivisten selbst sprachen von mindestens 20 Leicht- und mehreren Schwerverletzten. Fünf Demonstranten wurden laut Polizei vorläufig festgenommen. Gegen rund 300 Demonstranten in einem Park wurde Pfefferspray eingesetzt. Um eine Hauptverkehrsstraße im Schanzenviertel zu räumen, setzte die Polizei Wasserwerfer ein.

Mehrere tausend Menschen haben derweil gestern unter dem Motto »Lieber tanz ich als G20« gegen den Gipfel demonstriert. Die Polizei bezifferte die Teilnehmer auf bis zu 7000, die Veranstalter sprachen von bis zu 20 000.

Die Demonstranten gegen den Gipfel dürfen im Protestcamp auf der Halbinsel Entenwerder 300 Schlafzelte für jeweils zwei bis drei Personen aufbauen. Das Hamburgische Oberverwaltungsgericht (OVG) gab einer Beschwerde der Anmelder des Camps teilweise statt, heißt es in einer Gerichtsmitteilung.

Merkel hofft auf China

Kanzlerin Angela Merkel setzte derweil bei der Lösung globaler Probleme auf Rückendeckung durch Peking. Sie arbeite eng bei der Vorbereitung des Gipfels mit China zusammen, sagte Merkel gestern nach einem Treffen mit dem chinesischen Präsidenten Xi Jinping in Berlin. »Deshalb glaube ich und hoffe ich, dass wir auch manche Klippe noch überwinden können. Wenngleich ich noch nicht weiß, wie das endgültige Resultat aussehen wird.« Xi sicherte Merkel Unterstützung zu, damit der Gipfel Fortschritte machen könne. Im Beisein beider wurde unter anderem ein Rahmenvertrag zur Lieferung von 140 Airbus-Flugzeugen im Wert von 20,1 Milliarden Euro unterzeichnet. Merkel und Xi eröffneten im Berliner Zoo zudem die Anlage für zwei von China als besonderes Zeichen der Nähe kostenpflichtig ausgeliehene Panda-Bären.

Merkel stehen schon heute schwierige Gespräche bevor. US-Präsident Donald Trump sollte nach seinem Besuch in Polen dann erstmals als Präsident in Deutschland eintreffen und sich zu einem Vorgespräch vor dem Gipfel mit Merkel treffen. Merkel wird heute voraussichtlich auch den türkischen Präsidenten Erdogan treffen, wie ein Regierungssprecher mitteilte. Zwischen Berlin und Ankara gibt es erhebliche politische Verstimmungen. Unmittelbar vor dem Gipfel kritisierte der türkische Präsident scharf, nicht vor Landsleuten in Deutschland sprechen zu können: »Was ist das bitte schön für eine Geisteshaltung? Das ist sehr hässlich«, kritisiert er und fügte hinzu: »Deutschland begeht Selbstmord. Das ist politischer Selbstmord.«

Mit Vorwürfen gegen die G20-Führer als den »Kofferträgern des internationalen Kapitals« begann am Mittwoch ein alternativer Gipfel von G20-Kritikern. Sie wollen nach Alternativen zur aktuellen Politik suchen, die aus Sicht der Organisatoren die großen Probleme der Welt wie Klimawandel, Kriege und Hunger nicht lösen kann. (Seiten 4 u. 10)

Schlagworte in diesem Artikel

  • Andy Grote
  • Bundeskanzlerin Angela Merkel
  • Demonstranten
  • Donald Trump
  • G-20
  • G-20 Treffen
  • Krawalle
  • Polizei
  • SPD
  • Sicherheitsbehörden
  • Störungen und Störfälle
  • Xi Jinping
  • DPA
  • Schlagwort zu
    Meine Themen

    Sie haben bereits 15 Themen gewählt

    Sie folgen diesem
    Thema bereits

Klicken Sie auf ein Schlagwort, um es zu „Meine Themen” hinzuzufügen oder weitere Inhalte dazu zu sehen.


0
Kommentare | Kommentieren

Bilder und Videos

Kommentare

Kommentar hinzufügen