18. Juli 2017, 23:01 Uhr

Volksfest unter Polizeischutz

18. Juli 2017, 23:01 Uhr

Nach den Ausschreitungen und sexuellen Übergriffen auf zwei junge Frauen am Wochenende ist das Stadtfest im schwäbischen Schorndorf am Montagabend friedlich weitergegangen. Die Polizei hatte ihr Einsatzkonzept angepasst und die Präsenz erhöht, dunkle Bereiche ausleuchten lassen. Es sei weniger los gewesen als am Wochenende und es habe keine neuen Vorfälle gegeben. Das sagte ein Polizeisprecher am Dienstagmorgen. Nach den Vorkommnissen in der Kleinstadt ist eine Debatte über die Sicherung solcher Veranstaltungen entbrannt. Politiker fordern harte und vor allem schnelle Strafen für die Täter. Die Gewerkschaft der Polizei kritisiert die Gewalt gegen Polizisten. Morgen soll sich auch der Landtag mit den Vorfällen befassen

Die zuständige Polizei in Aalen ermittelt unterdessen weiter gegen drei Afghanen und einen Iraker wegen des Verdachts sexueller Belästigung einer 17-jährigen und einer 25-jährigen Frau am Wochenende. Die vier jungen Männer sind auf freiem Fuß. Bei den Belästigungen hatte auch Alkohol eine Rolle gespielt. Alkoholprobleme bei Flüchtlingen müssen nach Ansicht eines Experten stärker in den Blick genommen werden.

Die Polizei ist weiter dabei, die Zahl der in der Nacht zum Sonntag durch Flaschenwürfe verletzten Gäste zu ermitteln. Die Geschosse wurden aus einer Ansammlung von 1000 jungen Menschen im Schlosspark geworfen. Die Beamten seien wegen ihrer Schutzkleidung unverletzt geblieben, sagte ein Sprecher des Polizeipräsidiums Aalen.

Oberbürgermeister Matthias Klopfer warb für einen Schulterschluss von Politik und Polizei. »In Zukunft noch mehr, um zu sagen: Da gibt es null Toleranz für Gewalt gegen die Polizei«, sagte der SPD-Politiker gestern im »Morgenmagazin« von ARD und ZDF. Er räumte ein, dass Stadt und Politik am Wochenende zu spät reagiert hätten, betonte aber auch, dass kein Ausnahmezustand geherrscht habe. Laut Polizei war es ein Anliegen der Stadt, den Zeitpunkt für den Zapfenstreich für die im Schlosspark feiernden jungen Leute nach hinten zu verlegen. Als »völlig inakzeptabel« bezeichnete Innenminister Thomas Strobl (CDU) die Vorfälle. »Schuld ist nicht die Polizei, sondern schuld sind die, die Frauen begrapschen, übergriffig sind, Straftaten begehen, Polizisten mit Flaschen bewerfen, Gewalt ausüben.«

Faruk Özkan von der Stuttgarter Drogenberatungsstelle Release warnte vor negativen Langzeitfolgen, wenn man sich den Herausforderungen der Suchtprobleme von Flüchtlingen jetzt nicht stelle.

Vor den Krawallen hätten vor allem Abiturienten und Realschüler auf dem Volksfest gefeiert, sagte Oberbürgermeister Klopfer dem SWR bereits am Montag. Gegen Mitternacht sei es dann zu einer Auseinandersetzung zwischen zwei Gruppen gekommen. Später seien auch mehrere Menschen mit Migrationshintergrund oder Asylbewerber hinzugekommen – dies sei aber nicht der Großteil gewesen.

OB weist Parallele zu Köln zurück

Die AfD im Landtag hat für Donnerstag zur Landtagssitzung eine aktuelle Debatte ansetzen lassen mit dem Titel »Schorndorfer Stadtfest: Die »Kölner Silvesternacht« ist in der schwäbischen Provinz angekommen«. Die Partei zog damit eine Parallele zur Kölner Silvesternacht 2015/2016, als es zahlreiche Übergriffe auf Frauen gegeben hatte. OB Klopfer lehnte eine solche Parallele ab: »Das ist kein zweites Köln und kein zweites Hamburg«, sagte er.

Carsten Beck, Vize-Landeschef der Gewerkschaft der Polizei (GdP) in Baden-Württemberg, zeigte sich entsetzt über die Vorgänge in der Stadt, die rund 700 Flüchtlinge aufgenommen hat. »Es ist eine erschütternde Entwicklung, betrachtet im Lichte der vergangenen G20-Krawalle, nun Ausschreitungen in einer rund 40 000 Einwohner zählenden Gemeinde hinnehmen zu müssen«, sagte Beck der »Heilbronner Stimme« (Dienstag). (dpa/Foto: dpa)

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