11. April 2017, 22:34 Uhr

Unterschätzte Abhängigkeit

11. April 2017, 22:34 Uhr

Die Gründe sind nach Angaben des Gesundheitsexperten Gerd Glaeske vielfältig: Vor allem Frauen seien mit zunehmendem Alter von Depressionen betroffen. Auch Einsamkeit und finanzielle Schwierigkeiten tragen Glaeske zufolge dazu bei, dass diese häufiger Medikamente einnehmen. Die Folgen sind gefährlich. Konzentration und kognitive Fähigkeiten werden gedämpft, dadurch steigt die Gefahr zu stürzen. Neue Studien zeigen außerdem, dass das Risiko, an Demenz oder Alzheimer zu erkranken, womöglich durch Arzneien steigt. Das Risiko von Missbrauch und Abhängigkeit geht von immerhin vier bis fünf Prozent aller Medikamente aus, die häufig verschrieben werden. Gefährlich sind vor allem Schlaf- und Beruhigungsmittel wie Valium.

Glaeske kritisierte die fehlende Transparenz und nahm insbesondere Ärzte in die Pflicht. Inzwischen wird mehr als die Hälfte solcher Beruhigungsmittel mit Privatrezepten verordnet. Dadurch können die Verschreibungen nicht systematisch ausgewertet werden. »Sie verschleiern letztlich eine kritische Arzneimittelversorgung«, so Glaeske, der Ärzten vorwirft, die Verantwortung zu scheuen.

Auch von Schmerzmitteln, die zu rund 70 Prozent rezeptfrei erhältlich sind, geht ein Sucht- und Missbrauchsrisiko aus. Etwa 150 Millionen Packungen davon werden jährlich in Deutschland verkauft. Die genaue Zahl der Medikamentensüchtigen ist unbekannt, Eine Veränderung gibt es bei Deutschlands beliebtestem Suchtmittel: Die Zahl der Raucher ist 2016 im Vergleich zum Vorjahr um knapp acht Prozent gesunken. Martina Pötschke-Langer vom Aktionsbündnis Nichtrauchen kritisierte aber laxe Gesetzgebung. Kaum Veränderungen gibt es bei Rauchern, die älter als 35 Jahre sind. Daran ändern auch die E-Zigaretten nichts, die Pötschke-Langer kritisch sieht. Insgesamt erkennt die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen ein konstant hohes Niveau beim Konsum legaler und illegaler Drogen. Im Jahr 2015 trank der Durchschnittsbürger mit 9,6 Liter reinem Alkohol so viel wie im Jahr davor. Zugenommen hat die Zahl derer, die wegen der weiterhin häufigsten illegalen Droge Cannabis in Konflikt mit dem Gesetz geraten sind. Peter Raiser, stellvertretender Geschäftsführer der Hauptstelle für Suchtfragen, erklärt dies jedoch mit den zuletzt intensiveren Ermittlungen der Polizei, die sich gerade gegen Konsumenten richten würden.

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